Freitag, Januar 16, 2026

Depressive Eltern: Depression eines Elternteils hat Auswirkungen auf die Kinder

Depression bei einem Elternteil schränkt bei deren Kindern die Performance in der Schule ein, wobei Mädchen stärker betroffen sind als Buben.

Im Grunde genommen ist Max Black einer der Glücklichen. Als er 2014 wegen Depressionen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, konnte ihn seine Frau Elisa während der Behandlung unterstützen – obwohl sie sich zur gleichen Zeit auch um ihre drei Kinder kümmern musste, die ganz genau wussten, dass mit ihrem Papa irgendetwas nicht stimmte. „Eine Depression lähmt den Betroffenen und wirkt sich auf die gesamte Familie aus,“ sagt Black, der seit über 16 Jahren mit dieser Krankheit kämpft. Denn die Depression hindert ihn daran, ein anteilnehmender Elternteil zu sein, der die Kinder bei den Hausaufgaben unterstützt und ihre Schulveranstaltungen besucht. Schließlich ist es schwierig, für seine Kinder da zu sein, wenn „sich die Gedanken nur mehr um Angst, Hoffnungslosigkeit und namenloses Grauen drehen.“ Kinder reagieren auf die notgedrungene Unaufmerksamkeit viel intensiver als Erwachsene.

 

Depression eines Elternteils hat auf die Kinder einen direkten negativen Einfluss

Eine neue Studie bestätigt, dass die Depression eines Elternteils einen direkten negativen Einfluss auf die Kinder hat. Die Studie, die online am 3. Februar von JAMA Psychiatry veröffentlicht wurde, beschäftigte sich speziell mit den Auswirkungen der Depression eines Elternteils auf die schulischen Leistungen der Kinder. Die Studie konnte dabei einen Zusammenhang zwischen der Depression eines Elternteiles und den schlechten Schulleistungen der Kinder (im Alter von bis zu 16 Jahren) herstellen.

 

Bei 1,1 Millionen schwedischen Kindern die Auswirkungen der Depression eines Elternteils untersucht

Die Studie verfolgte bei über 1,1 Millionen schwedischen Kindern die Auswirkungen der Depression eines Elternteils während verschiedener Zeiträume – von einem Zeitpunkt noch vor der Geburt des Kindes bis nach dem Erreichen des 16. Lebensjahres. Die Autoren fanden heraus, dass Kinder von Eltern mit klinisch festgestellter Depression in der Schule schlechter abschnitten als ihre Altersgenossen mit gesunden Eltern. Auch kamen Unterschiede von Mutter und Vater zutage: Depression bei der Mutter hat einen größeren negativen Effekt als bei depressiven Vätern. Die Verknüpfung mit einer schlechten Schulperformance war weiters bei Mädchen stärker nachzuweisen als bei Buben.

Die Autoren der Studie argumentieren, dass „die Depression eines Elternteils einen weitreichenden Einfluss auf wichtige Aspekte der Kindesentwicklung und den künftigen Lebensverlauf haben kann.“ Schlechte Leistungen in der Schule stellen einen starken Prädiktor für die zukünftige physische und psychische Gesundheit sowie für das zukünftige Erwerbsleben dar. Daher sollte die Verbindung zwischen der Depression eines Elternteils und der Bildung der Kinder ernst genommen werden. Die Forscher empfehlen deswegen, für Kinder von betroffenen Eltern Interventions- und Unterstützungsstellen zur Verfügung zu stellen.

 

Positive Auswirkungen der Behandlung depressiver Eltern aus ihre Kinder

Dass die Behandlung der depressiven Eltern natürlich positive Auswirkungen auf die Kinder hat, findet bei Alemka Berliner breite Zustimmung. Sie ist eine professionelle Beraterin, die mit Kindern im Schulalter und deren Eltern arbeitet. In ihrer Beratungspraxis stellte sie fest, dass sich Kinder von „nicht zur Verfügung stehenden“ Eltern eher unterdurchschnittlich entwickeln – und das nicht nur im akademischen Sinne. Wenn eine Depression der Grund für das mangelnde Interesse war und die Eltern erfolgreich behandelt wurden, trat eine deutliche Verbesserung im Familiensystem ein. Dies führte zu einer Umkehr der Auswirkungen: die Kinder verbesserten ihre akademischen Leistungen. Mit anderen Worten: die Hilfe, die man als Depressiver braucht, sollte unbedingt angenommen werden – wenn schon nicht für sich selbst, dann wenigstens im Interesse der Kinder.

Blacks Frau war Kinderpsychologin und konnte so sicherstellen, dass ihre Kinder die Unterstützung bekamen, die sie benötigten, während ihr Vater im Krankenhaus war. „Sogar die Zeit während meiner zwei Krankenhausaufenthalte schienen meine Kinder durchzustehen – wahrscheinlich wegen meiner Frau und dem großartigen Support-Netzwerk“ sagt er. „Aber ich kann mir gut vorstellen, wie es auch in die andere Richtung gehen könnte, wenn jemand nicht all diese Unterstützung hat.“

Black meint, dass die Studienergebnisse Eltern ermutigen sollten, Hilfe zu suchen und die Krankheit ernst zu nehmen. Während seiner Krankenhausaufenthalte lernte er, wie man mit einer Depression umgeht. „Sie wird immer wieder kommen. Das ist einmal so“, schreibt er in seinem Blog „aber jetzt weiß ich wenigstens, wie ich damit umgehen muss.“

 

Botschaft für depressive Eltern

Zugeben, dass man Hilfe benötigt. Freunde, Familienmitglieder und Fachleute zur Unterstützung suchen, auf die man sich verlassen kann. Und wenn der Ehepartner oder ein geliebter Mensch unter Depressionen leidet, ist das Beste, was man tun kann, zu sagen: „Ich weiß nicht, was ich tun kann, aber was auch immer es ist, ich werde es tun. Ich helfe dir und ich werde dich zu jemanden bringen, der dir helfen kann. Lass mich dir helfen!“

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