Freitag, Juli 5, 2024

Antidepressiva zur längerfristigen Thearpie neuropathischer Schmerzen

Antidepressiva sind keine Schmerzmittel für akute Beschwerden, hingegen kommen sie vor allem längerfrisitig zum Einsatz, um neuropathische Schmerzen zu lindern.

Antidepressiva können gegen neuropathische Schmerzen direkt wirken. Denn sie verstärken die noradrenerge Transmission beziehungsweise den sogenannten endogenen Schmerz hemmen. Im Grunde genommen können Antidepressiva im Zusammenhang mit der Behandlung von Schmerzen aber durchaus auch indirekt wirken. Denn sie wirken gegen begleitende depressive Symptomen beziehungsweise Angststörungen entgegen.

Hingegen spielt in der Schmerzbehandlung die gleichzeitige Beeinflussung der serotonergen Transmission bezüglich starker Wirkung gegen Schmerzen nur eine untergeordnete Rolle. Deswegen erzielen selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) auch nur eine schwache Schmerzdämpfung.

Von den trizyklischen Antidepressiva kommen heute noch Amitriptylin und Clomipramin zum Einsatz. Imipramin und Doxepin sind nicht mehr verfügbar. Dabei zeigt das Amitriptylin ein besonders günstiges Nutzen-Risikoprofil sowie die besten analgetischen Effekte, wobei Patienten die Substanzen wegen der Sedierung bevorzugt abends einnehmen sollten..

Der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI) Duloxetin soll wiederum bei diabetischer Neuropathie gegen die Schmerzen helfen und ist dafür auch zugelassen.

Aus der Gruppe der Antikonvulsiva kommen Pregabalin, Gabapentin und Lamotrigin bei neuropathischen Schmerzen zum Einsatz.

Eine aktuelle Metaanalyse zeigte, dass die Evidenz für die Verwendung von Antikonvulsiva und Antidepressiva bei einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom, einer Art von chronischen neuropathischen Schmerzen, nicht sehr groß ist. Schließlich konnten die Forscher aber auch feststellen, dass Gabapentin sowie Amitriptylin eine signifikante Verbesserung dieser neuropathischen Schmerzen brachten.

 

Mit Antidepressiva neuropathische Schmerzen bei Diabetes (diabetische Polyneuropathie) und Herpes-Zoster-Neuralgie

Die Empfehlungen zur Pharmakotherapie für neuropathische Schmerzen enthalten auch Antidepressiva wie trizyklische Antidepressiva, Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und / oder Antikonvulsiva wie Gabapentin sowie Pregabalin.

Allerdings sind Antidepressiva keine Schmerzmittel für den akuten Schmerz. Hingegen setzen sie betroffene Patienten dauerhaft ein, um ihre neuropathische Schmerzen damit zu lindern.

Grundsätzlich ist der Wahl von Antidepressiva bei Diabetischer Polyneuropathie zu berücksichtigen, dass die Wirkstoffe Amitriptylin und Pregabalin eine unerwünschte Gewichtszunahme fördern können. Außerdem kann das Amitriptylin zusätzlich die diabetische Stoffwechsellage verschlechtern.

Bezugnehmend auf klinische Studien wirken Trizyklische Antidepressiva sowie starke Opioide am stärksten. Die Antikonvulsiva Pregabalin und Gabapentin sowie schwache Opioide zeigen schwächere Wirkungen, das Duloxetin zeigt die geringsten Effekte.

Laut jüngsten Untersuchungen können allerdings Trizyklische Antidepressiva sowie Antikonvulsiva (speziell GABA-Analoga) bei älteren Patienten mit Diabetischer Polyneuropathie Sturzrisiko sowie möglicherweise auch das Frakturrisiko erhöhen.

 

Herpes-Zoster-Neuralgie mit Amitriptylin, Gabapentin sowie Pregabalin behandeln

Auch bei Herpes-Zoster-Neuralgie wirkt das Amitriptylin am stärksten, gefolgt von Gabapentin sowie Pregabalin. Das Carbamazepin bringt nur eine schwache Wirkung, starke Opioide sollten Ärzte erst verschreiben, wenn andere Co-Analgetika nicht wirken.


Literatur:

Javed S, Abdi S. Use of anticonvulsants and antidepressants for treatment of complex regional pain syndrome: a literature review. Pain Manag. 2020 Nov 13. doi: 10.2217/pmt-2020-0060. Epub ahead of print. PMID: 33183126.

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Kremer M, Salvat E, Muller A, Yalcin I, Barrot M. Antidepressants and gabapentinoids in neuropathic pain: Mechanistic insights. Neuroscience. 2016 Dec 3;338:183-206. doi: 10.1016/j.neuroscience.2016.06.057. Epub 2016 Jul 9.

Randolph AC, Lin YL, Volpi E, Kuo YF. Tricyclic Antidepressant and/or γ-Aminobutyric Acid-Analog Use Is Associated With Fall Risk in Diabetic Peripheral Neuropathy.. J Am Geriatr Soc. 2019 Jan 29. doi: 10.1111/jgs.15779.

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