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Addison-Krise im Winter: Warum Magen-Darm-Infekte gefährlich werden – und was hilft

Eine Addison-Krise ist ein Notfall, der sich oft hinter einem harmlos wirkenden Magen-Darm-Infekt versteckt. Erfahren Sie, woran Sie eine drohende Krise erkennen, welche Regeln an Krankheitstagen gelten und wann die Notfallspritze nötig ist.

7 Min. Lesezeit

Frau am Küchentisch an einem verregneten Wintermorgen liest ihren Notfallausweis – Addison-Krise im Winter vorbeugen
Inhalt
  1. Was bei einer Addison-Krise im Körper passiert
  2. Warum Magen-Darm-Infekte im Winter das größte Risiko sind
  3. Addison-Krise Symptome: diese Warnzeichen zählen
  4. Regeln an Krankheitstagen: Dosis anpassen und vorbeugen
  5. Wann zum Arzt? Notfallspritze, Notfallausweis und Rettung
  6. Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Addison-Krise
  7. Quellen

Eine Addison-Krise ist ein Notfall, der sich oft hinter einem harmlos wirkenden Magen-Darm-Infekt versteckt. Menschen mit Nebenniereninsuffizienz, also auch mit Morbus Addison, fehlt das Stresshormon Cortisol. Wird der Körper durch Fieber, Erbrechen oder Durchfall stark belastet, kann der Mangel innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden. Gerade in der Infektsaison von Herbst bis Frühjahr steigt das Risiko. In diesem Artikel erfahren Sie, woran Sie eine drohende Krise erkennen, welche Regeln an Krankheitstagen gelten, wann die Notfallspritze nötig ist und wie Angehörige helfen können.

Was bei einer Addison-Krise im Körper passiert

Die Nebennieren bilden Cortisol, das der Körper in Belastungssituationen in größerer Menge braucht. Bei einer Nebenniereninsuffizienz fällt diese Produktion ganz oder teilweise aus. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden eine primäre Form, bei der die Nebennierenrinde selbst geschädigt ist, von einer sekundären Form, bei der die Hirnanhangsdrüse das Steuersignal nicht mehr liefert. Die primäre Form heißt Morbus Addison. Sie ist selten: Laut der Fachdatenbank Deximed erkranken jedes Jahr etwa 5 von einer Million Menschen neu, häufigste Ursache ist eine Autoimmunreaktion. Mehr zur Erkrankung selbst lesen Sie in unserem Beitrag Was ist Morbus Addison?

Betroffene ersetzen das fehlende Hormon ein Leben lang mit Tabletten. Im Alltag reicht diese Menge. Bei Fieber, einem schweren Infekt oder einem Unfall braucht der Körper aber deutlich mehr Cortisol als sonst. Fehlt diese zusätzliche Menge, kommt es zur Nebennierenkrise, die auch Addison-Krise genannt wird. Blutdruck und Kreislauf brechen ein, im schlimmsten Fall bis zum Schock. Ein österreichisches Konsensuspapier von 2022 nennt die Nebennierenkrise ausdrücklich ein lebensbedrohliches Zustandsbild. Patientinnen und Patienten mit primärer Nebenniereninsuffizienz haben dabei ein höheres Risiko als jene mit sekundärer Form.

Warum Magen-Darm-Infekte im Winter das größte Risiko sind

Nebennierenkrisen sind kein seltenes Ereignis. Das österreichische Konsensuspapier beziffert sie auf etwa 5 bis 10 Krisen pro 100 Patientenjahre. Anders gesagt: Von 100 Betroffenen erleiden rechnerisch jedes Jahr fünf bis zehn eine Krise. Die Sterblichkeit liegt laut demselben Papier bei etwa 0,5 pro 100 Patientenjahre.

Der wichtigste Auslöser sind Infekte. Bei Erwachsenen stehen laut Konsensuspapier Erbrechen und Durchfall an erster Stelle. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019 nennt Magen-Darm-Infekte als Auslöser bei 35 bis 45 Prozent der Krisen, Fieber bei 17 bis 24 Prozent. Der Grund ist doppelt: Ein Infekt erhöht den Cortisolbedarf, und wer erbricht, kann die lebenswichtigen Tabletten nicht bei sich behalten. Dazu kommt der Flüssigkeitsverlust, der den Kreislauf zusätzlich schwächt.

Deshalb lohnt sich der Blick auf die kalte Jahreszeit. Grippe, Corona und Noroviren haben im Winter Hochsaison. Für Menschen mit Morbus Addison ist ein Brechdurchfall nicht nur unangenehm, sondern ein echtes Risiko. Hygiene hilft: Wie lange man nach einer Norovirus-Infektion noch ansteckend ist, lesen Sie im Beitrag Noroviren: nach der Erkrankung noch zwei Tage zu Hause bleiben.

Addison-Krise Symptome: diese Warnzeichen zählen

Eine Nebennierenkrise kommt selten aus heiterem Himmel. Laut Konsensuspapier entwickeln sich die Beschwerden meistens über mehrere Stunden. Das ist die gute Nachricht: Wer die Zeichen kennt, hat Zeit zu reagieren. Die schlechte Nachricht ist, dass die ersten Anzeichen unspezifisch sind und leicht mit einem gewöhnlichen Infekt verwechselt werden. Typische Addison-Krise Symptome sind:

  • starke allgemeine Schwäche und Müdigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit
  • Bauchschmerzen, manchmal so heftig, dass an einen akuten Bauch gedacht wird
  • Herzrasen und vermehrtes Schwitzen
  • Fieber
  • niedriger Blutdruck, vor allem Schwindel beim Aufstehen
  • Benommenheit bis hin zu einem eingeschränkten Bewusstsein

Die Übersichtsarbeit von 2019 beschreibt, dass ein niedriger Blutdruck vor allem beim Lagewechsel auftritt, weil dem Körper Flüssigkeit fehlt. Im Blut zeigt sich bei der primären Form oft ein zu niedriger Natrium- und ein zu hoher Kaliumwert. Wichtig für Angehörige: Bauchschmerzen, Erbrechen und Schwäche bei einem Menschen mit bekannter Nebenniereninsuffizienz sind immer ein Grund, an eine Krise zu denken. Halten Sie diese Liste griffbereit, etwa neben dem Notfallausweis, damit auch Familienmitglieder sie kennen.

Regeln an Krankheitstagen: Dosis anpassen und vorbeugen

Die meisten Krisen lassen sich verhindern. Der wichtigste Schutz sind die sogenannten Sick-Day-Rules, also Regeln für Krankheitstage. Das österreichische Konsensuspapier empfiehlt, dass Betroffene und ihre Angehörigen darin geschult werden. Die Grundidee ist einfach: Bei Belastung mehr Cortisol einnehmen, so wie es ein gesunder Körper selbst tun würde.

Laut Übersichtsarbeit und Konsensuspapier wird die tägliche Dosis bei Fieber oder einer Erkrankung, die Bettruhe erfordert, verdoppelt. Bei Fieber über 39 °C wird sie verdreifacht, bei Kindern schon ab 38 °C. Auch bei leichtem Durchfall ist die Tagesdosis zu verdoppeln. Erwachsene, die nach der Einnahme erbrechen, nehmen die Dosis sofort noch einmal in doppelter Menge. Wie hoch Ihre eigene Dosis ist und wie Sie sie anpassen, legen Sie unbedingt mit Ihrer Endokrinologin oder Ihrem Endokrinologen fest. Am besten schriftlich, damit auch Angehörige Bescheid wissen.

Ebenso wichtig: Die Tabletten dürfen niemals abgesetzt oder pausiert werden, auch nicht bei Impfungen. Das Konsensuspapier hält fest, dass die Therapie bei einer Impfung unverändert fortgeführt wird. Wer im Herbst eine Grippe- oder Corona-Impfung 2026 plant, sollte das daher nicht vermeiden, sondern mit der behandelnden Ärztin besprechen. Ein Risiko besteht übrigens auch bei langer Cortison-Behandlung anderer Erkrankungen: Wer hohe Dosen plötzlich absetzt, kann laut Übersichtsarbeit eine verdeckte Nebenniereninsuffizienz entwickeln. Mehr dazu im Beitrag Nebenniereninsuffizienz – Nebennierenunterfunktion.

Wann zum Arzt? Notfallspritze, Notfallausweis und Rettung

Tabletten helfen nur, solange sie im Körper bleiben. Das Konsensuspapier empfiehlt deshalb, dass jede Person mit Nebenniereninsuffizienz ein Notfallset mit einer Hydrocortison-Spritze besitzt und einen Notfallausweis immer bei sich trägt. Sinnvoll kann zusätzlich ein Armband oder eine Halskette mit medizinischem Hinweis sein. Die Spritze kann in den Muskel oder unter die Haut gegeben werden, auch von geschulten Angehörigen. Lassen Sie sich die Anwendung ärztlich zeigen und üben Sie sie, bevor ein Notfall eintritt.

Die Notfallspritze und sofortige ärztliche Hilfe sind laut Konsensuspapier nötig bei:

  • wiederholtem Erbrechen, besonders innerhalb von 30 Minuten nach der Tabletteneinnahme
  • länger anhaltendem Erbrechen oder Durchfall
  • schwerer Erkrankung oder einem Unfall
  • Benommenheit, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörung

Nach der Spritze heißt es: sofort ins Krankenhaus, auch wenn es Ihnen danach besser geht. Bei Bewusstseinsstörung, Kreislaufproblemen oder wenn niemand die Spritze geben kann, wählen Sie den Notruf 144 und nennen Sie die Diagnose. Dort wird laut Übersichtsarbeit mit Cortison in die Vene und Kochsalz-Infusionen behandelt. Bei unklaren Beschwerden ohne Warnzeichen hilft die Gesundheitsberatung 1450 rund um die Uhr weiter.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Addison-Krise

Was ist eine Addison-Krise?

Eine Addison-Krise, auch Nebennierenkrise genannt, ist ein lebensbedrohlicher Mangel an Cortisol. Sie tritt bei Menschen mit Nebenniereninsuffizienz auf, wenn der Körper bei Fieber, Infekt oder Unfall mehr Cortisol braucht, als die Tabletten liefern. Blutdruck und Kreislauf brechen dann ein. Ohne rasche Behandlung mit Cortison und Flüssigkeit kann sie tödlich enden.

Wie schnell entwickelt sich eine Addison-Krise?

Laut österreichischem Konsensuspapier entwickeln sich die Beschwerden meistens über mehrere Stunden. Anfangs stehen Schwäche, Übelkeit, Bauchschmerzen und Müdigkeit im Vordergrund, später können Kreislaufschwäche und Benommenheit dazukommen. Diese Zeitspanne sollten Betroffene nutzen: Dosis nach Plan erhöhen und bei Erbrechen nicht abwarten, sondern die Notfallspritze verwenden und ins Krankenhaus fahren.

Was löst eine Addison-Krise aus?

Am häufigsten sind Infekte. Bei Erwachsenen stehen Erbrechen und Durchfall an erster Stelle, eine Übersichtsarbeit nennt Magen-Darm-Infekte bei 35 bis 45 Prozent der Krisen und Fieber bei 17 bis 24 Prozent. Weitere Auslöser sind Unfälle, schwere Erkrankungen und abgesetzte Tabletten. Auch das plötzliche Absetzen einer hoch dosierten Cortison-Therapie kann eine Krise begünstigen.

Wer bekommt in Österreich ein Notfallset?

Das österreichische Konsensuspapier von 2022 empfiehlt für alle Menschen mit Nebenniereninsuffizienz einen Notfallausweis, ein Notfallset mit Hydrocortison zur Injektion und eine Schulung zu den Regeln an Krankheitstagen, auch für Angehörige. Ansprechpartner ist Ihre Endokrinologin oder Ihr Endokrinologe. Fragen Sie aktiv nach, falls Sie noch kein Set oder keinen Ausweis haben.

Darf man mit Morbus Addison gegen Grippe oder Corona impfen?

Laut österreichischem Konsensuspapier wird die Cortison-Therapie bei einer Impfung unverändert weitergeführt, die Tabletten dürfen also nicht pausiert werden. Dass eine Impfung eine Krise auslöst, ist in der Literatur zwar beschrieben, gleichzeitig sind Infekte der häufigste Auslöser. Besprechen Sie Grippe- und Corona-Impfung sowie die Dosis an Impftagen mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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