Montag, Januar 19, 2026

Lutetium-177 PSMA-617 gegen Prostatakrebszellen vielversprechend

Das für die Therapie von Prostatakrebs entwickelte therapeutische Radiopharmakon Lutetium-177 PSMA-617 zerstört Prostatakrebszellen von innen.

Das Prostata-spezifische Membranantigen PSMA ist zwar auch auf der Oberfläche gesunder Prostatazellen, doch wesentlich häufiger auf Prostatakrebszellen vorhanden. Da dieses Membranantigen anderswo Körper kaum anzutreffen ist, gilt PSMA als ideales Zielmolekül für Diagnostik und zielgerichtete Therapien von Prostatatumoren. Forscher der Abteilung Radiopharmazeutische Chemie im Deutschen Krebsforschungszentrum haben das kleine Molekül PSMA-617 zu entwickelt, das spezifisch an PSMA andocken kann und sich mit verschiedenen radioaktiven Substanzen, so genannten Radionukliden, markieren lässt. Speziell gegen Prostatakrebs ist das entwickelte therapeutische Radiopharmakon Lutetium-177 PSMA-617 sehr vielversprechend.

 

PSMA-617 gebunden an Gallium-68, Lutetium-177

Gebunden an das schwach strahlende diagnostische Radionuklid Gallium-68 kann PSMA bei PET-Untersuchungen (Positronen-Emissions-Tomographie) selbst kleinste Ansammlungen von Prostatakrebszellen sehr sensitiv sichtbar machen. Damit können Ärzte kleine Krebsabsiedlungen in anderen Organen aufspüren oder sehr genau verfolgen, ob eine Therapie anschlägt. Bisher klinisch eingesetzte Diagnostika haben längst nicht diese Empfindlichkeit.

Für die Krebstherapie dagegen entwickelten wir das therapeutische Radiopharmakon Lutetium-177 PSMA-617. Dieses Radiopharmakon wird von Tumorzellen, die das Zielmolekül PSMA tragen, aufgenommen und zerstört sie von innen. Besonders für Patienten mit hormonresistenten Prostatakarzinomen, die schwierig zu behandeln sind, könnte es eine vielversprechende Behandlungsalternative sein oder mit bereits vorhandenen Behandlungsmethoden kombiniert werden. PSMA-617 reichert sich stark in Tumoren und Metastasen an und wird gut in den Krebszellen gespeichert. Damit lässt sich Prostatakrebs „von innen heraus“ bestrahlen.

 

Lutetium-177 PSMA-617 in Einzelheilversuchen erfolgreich

Der im Deutschen Krebsforschungszentrum entwickelte Wirkstoff PSMA-617 kann spezifisch an Prostatakrebszellen andocken. Der Wirkstoff lässt sich mit verschiedenen radioaktiven Substanzen markieren: Gekoppelt an das stark strahlende diagnostische Lutetium-177 kann er Prostatakrebszellen gezielt vernichten.

Weltweit ist Lutetium-177 PSMA-617 bereits in verschiedenen individuellen Einzelheilversuchen eingesetzt worden, teilweise mit bemerkenswertem Erfolg. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte australische Pilotstudie an 30 Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs zeigte nach Behandlung mit Lutetium-177 PSMA-617 bei 57 Prozent der Behandelten einen Rückgang des Prostatakrebs-Biomarkers PSA im Blut.

In Heidelberg wird derzeit gerade die Wirksamkeit von Actinium-225 PSMA-617 untersucht. Das radioaktive Actinium-225 ist ein Alphastrahler und verfügbar über das Institut für Transurane (ITU) Karlsruhe. Dieser Strahler weist eine noch bessere biologische Wirksamkeit als der Beta-Strahler Lutetium-177 auf.

Parallel zur Evaluation von PSMA-617 wird derzeit das ebenfalls am DKFZ entwickelte Vorgängermolekül, PSMA-11 gekoppelt mit Gallium-68 als PET-Tracer zur Diagnostik von Prostatakrebs mittels PET klinisch evaluiert. An der im Deutschen Krebskonsortium DKTK konzipierten klinischen Phase-I/-II-Studie nehmen insgesamt 11 Prüfzentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil.

Bereits 2014 hat das DKFZ das Patent für PSMA-617 an das deutsche Biotech-Unternehmen ABX GmbH zur frühen klinischen Entwicklung auslizensiert. Der Lizenzvertrag verpflichtete das Unternehmen, bestimmte Schritte der klinischen Entwicklung weiterzutreiben. Beim Erreichen vorab festgelegter „Milestones“ profitiert das DKFZ finanziell von der Entwicklung. Im Herbst 2017 übertrug ABX eine Unterlizenz an das US-Unternehmen Endocyte, das nun eine klinische Zulassungsstudie für Lutetium-177 PSMA-617 starten wird.


Quelle:

Neue radioaktive Wirkstoff-Klasse lenkt Strahlen gezielt auf Prostatakrebszellen. Prof. Dr. Klaus Kopka, Leiter der Abteilung Radiopharmazeutische Chemie, Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ und Deutsches Krebskonsortium DKTK.

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