Tamoxifen zur Prävention gegen Brustkrebs wirksam

Selektive Estrogenrezeptormodulatoren – kurz SERM, wie Tamoxifen aber auch Raloxifen – können als Prävention gegen Brustkrebs wirken.

Tamoxifen senkt bei ­Patientinnen mit erhöhtem Risiko im Kampf gegen den Brustkrebs die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken. Und zwar geht das Risiko um etwa 40 Prozent zurück. Bereits in Studien in den 1980-iger und 1990-iger Jahren zeigte sich Tamoxifen als Option zur Prävention bei Brustkrebs. Demgegenüber stand allerdings vor allem in höherem Alter ein erhöhtes Risiko schwerwiegender unerwünschter Effekte für die Patientinnen.



 

Meta-Analyse zu Tamoxifen und Raloxifen gegen Brustkrebs

Eine im Lancet publizierte Meta-Analyse der Cancer Research UK bestätigte einerseits die bekannte chemopräventive Wirkung von Tamoxifen. Sie zeigte aber auch, dass mit der Dauer der Therapie die Wirkung abnimmt. Eine Senkung der Brustkrebs spezifischen Mortalität oder der Gesamt­sterblichkeit war nicht nachweisbar.

In der Metaanalyse wurden die Daten von über 83.000 Frauen, die vorbeugend entweder Tamoxifen, Raloxifen, Arzoxifen oder Lasoxifen – verglichen mit Placebo oder Tamoxifen – einnahmen, analysiert. Die SERM-Gabe senkte das Brustkrebs-Risiko um 38 Prozent. Die »Number needed to treat« von 42 ergab, dass man 42 Frauen fünf Jahre lang mit einem SERM behandeln muss, um während der Chemoprävention und den darauf folgenden fünf Jahren einen Brustkrebs-Fall verhindern kann. Der Schutzeffekt war aber nur bei Estrogen-Rezeptor-positiven Tumoren gegeben, was dem Wirkmechanismus der Wirkstoffe geschuldet ist.

Als unerwünschte Wirkungen erhöhten alle abgewandten SERM das Risiko für eine Thrombose. Unter Tamoxifen wurden mehr Endometriumkarzinome entwickelt. Alle SERM senkten aber auch das Risiko für Wirbelbrüche.

 

Prävention bei Brustkrebs mit Tamoxifen seit mehr als 20 Jahren

Die Tamoxifen-Chemoprävention wurde erstmals in den 1980er Jahren entdeckt, als Patienten in Studien zur adjuvanten Hormontherapie seltener an einem kontralateralen Mammakarzinom erkrankten, wenn sie das Tamoxifen einge­nommen hatten. Seit 1998 ist Tamoxifen bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko zur Chemo­-Prävention bei Brustkrebs zugelassen, seit 2007 gilt dies auch für Raloxifen. Experten legen die Chemoprävention Frauen mit familiärem Risiko nahe.

Struckturformel von Tamoxifen.

Tamoxifen ist ein substituiertes trans-Stilben, welches die peripheren Wirkungen der Östrogene durch Bindung an die Östrogenrezeptoren blockiert. Daneben besitzt es eine geringe agonistische Restaktivität. Es wird zur adjuvanten und palliativen Therapie des Mammakarzinoms angewandt. Als seltene Nebenwirkungen sind u.a. auch Thromboembolien und eine erhöhte Inzidenz von Endometrium­karzinom beschrieben.

Tamoxifen mit seinen antiproliferativen und antitumoralen Eigenschaften wirkt je nach Art des Gewebes Östrogen antagonistisch oder Östrogen agonistisch. So wirkt die Substanz auf das Brustgewebe als Antagonist. Auf die Gebärmutterschleimhaut, die Knochen und die Blutlipide wirkt der Wirkstoff als Agonist. Tamoxifen wird deshalb wie oben erwähnt auch als SERM bezeichnet (Selective Estrogen Receptor Modulator).

 

Fazit

Tamoxifen scheint zur Vorbeugung von Brustkrebs bei Frauen mit erhöhtem Risiko grundsätzlich geeignet zu sein. Die Erkrankungsrate lässt sich um durchschnittlich 40% reduzieren. Die prophylaktische Gabe kann allerdings nur nach umfassender ärztlicher Beratung unter Berücksichtigung des individuellen  Risikoprofils sinnvoll sein.




Literatur:

Prof Jack Cuzick, Ivana Sestak, Bernardo Bonanni, Joseph P Costantino, Steve Cummings, Andrea DeCensi, et al. Selective oestrogen receptor modulators in prevention of breast cancer. An updated meta-analysis of individual participant data. The Lancet. VOLUME 381, ISSUE 9880, P1827-1834, MAY 25, 2013: April 30, 2013DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(13)60140-3

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