Donnerstag, Juni 13, 2024

Der DDP-4-Hemmer Sitagliptin hat sich bei Diabetes Typ 2 erneut bewährt

Der DDP-4-Hemmer Sitagliptin ist ein gut verträgliches, wirksames Antidiabetikum für die Mono- sowie auch Kombinationstherapie bei Diabetes Typ 2.

Im Grunde genommen setzt man den antidiabetischen Wirkstoff Sitagliptin zur Behandlung von Patienten mit Diabetes Typ 2 ein, um die Kontrolle des Blutzuckerspiegels zu verbessern. Und zwar meist als Zusatztherapie zur Diät und zu körperlichen Aktivitäten, oft in Kombination mit Metformin. In einer aktuelle Studie erhielten neu diagnostizierte Patienten mit Diabetes Typ 2 Sitagliptin in einer Dosierung von 100 mg. Zum Zeitpunkt der Diagnose zeigte sich bei den Patienten eine signifikante Verringerung der Beta-Zellfunktion und der Serum-GLP-1-Konzentrationen. Nach der Behandlung mit Sitagliptin 100 mg pro Tag erzielten sie signifikante Verbesserungen der Betazellfunktion, der peripheren Insulinsensitivität und der Insulinresistenz. Die Serum-GLP-1-Konzentrationen waren signifikant auf diese Werte in der Kontrollgruppe erhöht und korrelierten mit der peripheren Insulinsensitivität und Insulinresistenz bei Patienten, deren Beta-Zellfunktionen sich verbesserten.

 

Blutzuckerspiegel senken

Orale Antidiabetika zur Behandlung von Diabetes Typ 2 senken den Blutzuckerspiegel mehr oder weniger stark. Allerdings zeigen aber meist das Phänomen der zunehmenden Insulinresistenz bei gleichzeitig abnehmender pankreatischer Beta-Zell-Funktion. Alternativ kommen Inkretin-aktive Substanzen zum Einsatz, die einen physiologischen Wirkmechanismus benutzen, der glukoseabhängig – damit selbstlimitierend – den Blutzuckerspiegel senkt.

Hierzu haben umfangreiche klinische Erfahrungen die glykämische Wirksamkeit von Sitagliptin bestätigt, und zwar bei verschiedenen Patienten mit Diabetes Typ 2. Einschließlich adipöser, älterer und nierenbehinderter Patienten sowie Patienten mit bestehender kardiovaskulärer Erkrankung.

In einer rezenten 7-Jahres-Beobachtungsstudie zeigte sich beispielsweise auch, dass Sitagliptin besser auf das Lipidprofil wirkt. Und zwar im Vergleich zu Sulfonylharnstoffen oder Thiazolidindionen.

 

Der Dipeptidyl-peptidase-4-inhibitor (DDP-4-Hemmer) Sitagliptin für Patienten mit Diabetes Typ 2

Der DDP-4-Hemmer Sitagliptin (ein Dipeptidyl-Peptidase-4-Inhibitor mit Handelsnamen Januvia) soll vor allem bei Patienten mit Diabetes Typ 2 die Blutzuckerkontrolle in Kombination mit Metformin verbessern. Und zwar, wenn Diät und Bewegung plus Metformin den Blutzucker nicht ausreichend senken können.

Sitagliptin ist ein Dipeptidyl-Peptidase-4-Inhibitor (DDP-4-Hemmer), der den Abbau der Inkretinhormone Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1) und Glucose-dependentinsulinotropic Peptid (GIP) im Körper blockiert und somit deren Plasmakonzentrationen erhöht, die Arzneiform wurde als schnell freisetzend konzipiert – nach oraler Gabe wird Sitagliptin somit schnell resorbiert und erreicht nach ein bis vier Stunden die maximalen Plasmakonzentrationen.

Die hohe Bioverfügbarkeit von 87%, die lange Halbwertszeit von 12,4 Stunden sowie die niedrige Plasmaproteinbindung von 37% versprechen ein einfaches Handling der Substanz. Etwa 79% Sitagliptin werden unverändert über die Niere eliminiert. Dadurch spielen Wechselwirkungen nur eine geringe Rolle. Wegen der hohen renalen Ausscheidungsquote sollte bei mäßiger bis schwerer Niereninsuffizienz die Substanz nicht angewendet werden.

Die Inkretinhormone GLP-1 und GIP werden pulsatil über den Tag hinweg vom Darm in die Blutbahn abgegeben. Sie sind Teil eines endogenen Systems zur Erhaltung der Glukohomöostase. Nach einer Mahlzeit setzen Darmzellen die beiden ­Inkretine vermehrt frei und regen damit die Beta-Zellen des Pankreas in Anwesenheit von Glukose zur verstärkten Insulinabgabe an. Gleichzeitig wird die Glukagonfreisetzung in den Alpha-Zellen des Pankreas durch GLP-1 gebremst und die hepatische Glukoneo­genese gehemmt. Beide Effekte normalisieren nahrungsbedingte erhöhte Blutglukosespiegel.

Bekanntlich reagieren Typ 2-Diabetiker auf orale Glukosezufuhr mit ­einem geringeren Inkretinhormon-Respons. Da an der postprandialen Insulinantwort von Gesunden die Inkretine zu rund 50 bis 70% beteiligt sind, führt dieses ­Defizit bei Diabetiker zur insuffizienten Insulinantwort. Das abbauende Enzym DPP-4 begrenzt die Aktivität beider Inkretine.

 

Anwendung von Sitagliptin

Sitagliptin wird zur Behandlung von Patienten mit Diabetes Typ 2 eingesetzt, um die Kontrolle des Blutzuckerspiegels zu verbessern. Der Wirkstoff kommt als Zusatztherapie zu Diät und körperlicher Bewegung in verschiedenen Fällen zur Anwendung.

  • Patienten wenden Sitagliptin als Monotherapie ein, wenn Diät und körperlicher Bewegung allein nicht zufriedenstellend wirken und Patienten das Metformin nicht vertragen.
  • Angezeigt ist die Kombinationstherapie sowohl mit Metformin als auch mit einem Sulfonylharnstoff oder PPAR-Gamma-Agonisten. Und zwar bei Patienten, bei denen die beiden Arzneimitteln nicht zufriedenstellend wirken.
  • Als Kombinationstherapie mit Insulin mit oder ohne Metformin bei Patienten, die mit einer stabilen Dosis Insulin nicht zufriedenstellend eingestellt werden können.

 

Sicherheit von Sitaglitpin

Schwere Nebenwirkungen von Sitagliptin sind eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse – Pankreatitis undallergische Reaktionen (Überempfindlichkeit, hier darf man Sitagliptin nicht anwenden). Eine Hypoglykämie wurde bei der Kombinationstherapie mit einem Sulfonylharnstoff und Insulin beobachtet. Die vollständige Auflistung der im Zusammenhang mit Januvia berichteten Nebenwirkungen ist der Packungsbeilage zu entnehmen.

 

Fazit

Jedenfalls ist der Wirkstoff Sitagliptin ein potenter und hoch ­selektiver Dipeptidyl-Peptidase-4-Inhibitor, der den ­enzymatischen Abbau von GLP-1 und GIP verhindert. Laut Studien zu Sitagliptin konnte bei 1× tägliche Gabe beispielsweise die zirkulierenden GLP-1-Spiegel um das zwei- bis dreifache angehoben werden. Als Ergebnis verbesserte sich die glykämische Kontrolle nüchtern und postprandial.


Literatur:

Le TD, Nguyen NTP, Nguyen ST, et al. Sitagliptin Increases Beta-Cell Function and Decreases Insulin Resistance in Newly Diagnosed Vietnamese Patients with Type 2 Diabetes Mellitus. Diabetes Metab Syndr Obes. 2020;13:2119-2127. Published 2020 Jun 19. doi:10.2147/DMSO.S255071

Scott LJ. Sitagliptin: A Review in Type 2 Diabetes. Drugs. 2017 Feb;77(2):209-224. doi: 10.1007/s40265-016-0686-9.


Quelle: Januvia – Sitagliptin: http://www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Summary_for_the_public/human/000722/WC500039055.pdf

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