Freitag, Januar 30, 2026

Psychische Erkrankungen durch die moderne Arbeitswelt

Die moderne Arbeitswelt führt zu einem deutlich höheren Risiko für psychische Erkrankungen und dadurch in Folge für eine Arbeitsunfähigkeit.

Die steigende Arbeitsbelastung, umfassende Umstrukturierungen in Unternehmen und wachsende Anforderungen an Flexibilität und Mobilität erhöhen den Bedarf an frühen psychosomatisch-psychotherapeutischen Beratungsmöglichkeiten. Psychische Krankheiten haben in den letzten Jahrzehnten zu Arbeitsunfähigkeit und sogar zu einer Verdopplung der Krankschreibungen geführt. Hingegen blieb die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund anderer Krankheiten weitgehend unverändert. Die heutige Arbeitswelt mit ihren hohen Anforderungen trägt wesentlich zum Trend bei, dass häufiger psychische Erkrankungen auftreten.

 

Schattenseiten der modernen Arbeitswelt: Psychische Erkrankungen nehmen zu

Psychische Erkrankungen prägen unsere Arbeitswelt und sind nun nach Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems der zweithäufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit. Sie sind zudem der Hauptgrund für Frühverrentungen aufgrund von Erwerbsminderung, was für über 40 Prozent dieser Fälle zutrifft. Die meisten Betroffenen erhalten jedoch nicht die angemessene Behandlung, um längeren Krankheitsphasen, Arbeitsunfähigkeit oder Frühverrentung vorzubeugen.

Um diesem Problem zu begegnen, wurde das Konzept der »Psychosomatischen Sprechstunde im Betrieb’« (PSiB) eingeführt. Dies bietet Arbeitnehmern die Möglichkeit, am Arbeitsplatz oder in dessen Nähe Beratung und gegebenenfalls Kurzzeittherapie durch Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen. Der Therapeut kommt hierbei direkt zum Arbeitsplatz, um Betroffene frühzeitig zu erreichen und eine Chronifizierung der Krankheit zu verhindern. Dies führt zu effektiveren und kürzeren Behandlungen.

 

Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt wirksam bekämpfen und damit die häufigen Zeiten mit Arbeitsunfähigkeit verringern

Eine aktuelle Studie hat den formalen Rahmen dieser Sprechstunden sowie bisherige klinische Erfahrungen berücksichtigt und positive Ergebnisse hinsichtlich Nutzerzufriedenheit und der Reduktion von Arbeitsunfähigkeitstagen festgestellt.

So wurden die Arbeitsunfähigkeitstage von 155 Teilnehmern einer solchen Sprechstunde in einem mittelständischen Unternehmen analysiert. Der Vergleich der Zeiträume ein Jahr vor und zwei Jahre nach der ersten Beratung zeigt, dass die Arbeitsunfähigkeitstage im zweiten Jahr nach der Beratung signifikant gesunken sind, von durchschnittlich 65 auf 50 Tage.

Für etwa ein Drittel der Teilnehmer war die Beratung und Kurzzeittherapie ausreichend. Zudem war die Zufriedenheit mit der Behandlung bei einer weiteren Nutzergruppe signifikant höher als bei der regulären Versorgung.

Diese Ergebnisse belegen, dass die »Psychosomatische Sprechstunde im Betrieb« zur besseren Versorgung psychosomatischer Beschwerden beiträgt, die Zufriedenheit der Nutzer mit diesem neuen Angebot steigert und zusätzlich die Arbeitsunfähigkeitstage reduziert.


Quelle:

Statement »Schneller, höher, weiter: Löst die moderne Arbeitswelt Depressionen aus? Wie Kurzzeittherapie und Betriebssprechstunde zur Prävention beitragen « von Professor Dr. med. Harald Gündel – Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinik Ulm

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