Sonntag, April 14, 2024

Kamille und Fenchel meist als Tee mit gesunder Wirkung für die ganze Familie

Die wohltuenden Wirkungen der Heilpflanzen Kamille und Fenchel sind vor allem als Tee sehr beliebt und bewährt, vor allem bei Magen-Darm- Beschwerden.

Kamille und Fenchel schreibt man zahlreiche gesundheitliche Wirkungen zu, die altbewährten Heilpflanzen kommen vor allem als Tee-Zubereitungen bei leichten Magenkrämpfen und anderen Magen-Darm-Beschwerden zum Einsatz. Denn die Kräuter von Kamille und Fenchel zeigen blähungslindernde, entzündungshemmende und beruhigende Wirkungen.

Unter dem Strich schätzt man Kamille- und Fenchel-Tee wegen des guten Geschmacks und der zusätzlich wohltuenden Wirkung. Bekanntlich sind beide Teesorten auch eine große Hilfe für Babys. Sowohl Kamille- als auch Fenchel-Tee sollte man am besten etwa zehn Minuten lang Ziehen lassen. Im Grunde genommen sollte man für das Aufgießen bei Kamille knapp siedendes Wasser, bei Fenchel kochendes Wasser verwenden.

 

Echte Kamille

Die Echte Kamille – lateinisch Matricaria chamomilla – gehört heute zu den beliebtesten Heilpflanzen in Europa. Die Heilpflanze stammt ursprünglich allerdings aus Klein­asien.

Die kleine Kamille gehört zu den Korbblütlern und ist auf humusreichen Böden in Mittel- und Südeuropa heimisch, wächst buschig verzweigt und wird 20 bis 50 cm hoch. Sie ist eine einjährige Pflanze mit 2- bis 3fach fein gefiederten Blättern, die Blütezeit dauert von Mai bis August. Das Blütenköpfchen besteht aus den auf dem hohlen kegeligen Blütenboden angeordneten, dicht gedrängt sitzenden gelben Röhrenblüten mit weißen Zungenblüten am Rand.

Im Grunde genommen kommen heutzutage die Kamillen aus Kulturen. Dadurch kann man Verwechslungen nahezu ausschließen. Zudem darf man als Konsument auch einen guten Ölgehalt erwarten. Beim Zerreiben riechen die frischen Blüten kräftig aromatisch und angenehm, weil sie ätherisches Öl enthalten.

Inhaltsstoffe der Blüten für medizinische Anwendungen

Die Blüten der echten Kamille lassen sich auch medizinisch verwenden. Die gründlich erforschten Inhaltsstoffe haben eine vielfältige Wirksamkeit wegen ihrer Zusammensetzung. Allen voran ist das Matricin zu erwähnen, aus dem beim Destillieren das Chamazulen wird. Dieses gibt dem Kamillenöl und den vielen Präparaten daraus seine ­charakteristische blaue Färbung.

Weitere Inhaltsstoffe sind Bisabolol, Levomenol und Flavonoide, Apigeninglykoside und Cumarine. Besonders wertvoll ist die Kamille, weil nur wenige Nebenwirkungen – und eine nicht allzu häufige Überempfindlichkeit gegen Korbblütler wie bei Arnika, Ringelblume oder Schafgarbe – beschrieben werden.

Die Echte Kamille ist eine sehr alte Heilpflanze, der Wirkungen vor allem bei Magen- und Darmbeschwerden sowie bei Entzündungen nützlich ist.

Die Kamille besitzt krampflösende und entzündungshemmende sowie antibakterielle Wirkung. Weiter erzielt man bei ihrer Anwendung wund­heilende und blähungslindernde ­Erfolge. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass arzneiliche Kamille, das heißt in Arzneibuchqualität, verwendet wird. Das garantiert einen bestimmten Mindestgehalt an wertvollen Inhaltsstoffen, die in der Lebensmittelqualität nicht regelmäßig enthalten sind.

 

Anwendungsgebiete der Kamille

Die Anwendungsgebiete sind – auch und wegen der milden Wirkung im besonderen in der Kinderheilkunde – mannigfaltig. Dazu gehören Innerliche und äußerliche Entzündungen – Mundschleimhaut und Magen-Darmtrakt; Haut­läsionen, Riss- und Schürfwunden. Beispielsweise soll bei der Gastritis eine Rollkur mit Kamillenöltropfen helfen, um die Entzündung hemmen zu können.

Zur innerlichen Anwendung wird Kamillentee durch Übergießen (nicht kochen) der Droge mit knapp siedendem Wasser (ein Esslöffel Droge mit 150 ml) und 10 Minuten Ziehen lassen hergestellt. Im Grunde genommen sollte man Kamillentee immer frisch zubereiten, aber nie heiß trinken.

Äußerlich werden Bäder, Umschläge (alkoholische oder wässrige Auszüge aus drei Esslöffel Droge und 100 ml Lösung), Inhalationen, Gurgel- oder Spüllösungen angewendet, die am günstigsten durch Verdünnen von standardisierten Kamillenflüssigextrakten aus der Apotheke bereitet werden.

Kamillenextrakte sind in zahlreichen Mitteln zur Hemmung von Entzündungen (Antiphlo­gistika) zur äußeren oder inneren Anwendung im Handel. Auch Salben mit Kamillenöl finden heute bei schlecht heilenden Wunden wirksame Anwendung.

Viele Tee-Zubereitungen mit Fenchel und auch Kamille können wegen ihrer zahlreichen Wirkungen es als Karminativa, Milchbildungstees, Einreibungen, Hustenteemischungen und Abführmittel.

Eine karminative Wirkung, insbesondere die blähungstreibende Wirkung wird durch die Windsalbe – eine aromatische Salbe mit anderen ätherischen Ölen – beispielsweise mit Fenchelöl – erreicht, die bei ­Babys und Kleinkindern durch Einreiben im Uhrzeigersinn (Darmbewegung von rechts unten nach oben und nach links unten) angewendet wird.

Eine rezente Untersuchung zeigte wiederum, dass man Mundspülungen mit Kamille als wirksames Hilfsmittel während der nicht-chirurgischen Parodontaltherapie bei chronischer Parodontitis einsetzen kann.

Wichtiger Hinweis: Die Augen werden von den feinen Härchen der Kamillenblüten stark gereizt. Dies auch dann, wenn der Tee »gut abgeseiht« ist, weil die Härchen durch normale Siebe gehen. Daher sollte man nie Kamillentee in die Augen geben. Allenfalls kann durch ein faserfreies, eng gewebtes Kolliertuch oder einen Mikrofilter filtriert werden.

 

Fenchel: das gesunde und vielseitige Gemüse und Gewürz hat auch als Heilpflanze seit jeher Bedeutung

Der Fenchel – latienisch Foeniculum vulgare – ist eine lange bekannte Heilpflanze, die auch als beliebtes Speisegewürz Anwendung findet. Fenchel ist mediterranen Ursprungs, war aber weiland bereits auch in Arabien und China schon bekannt. Seine Samen ähnlichen Früchte und seine Wurzel kommen in der Pflanzenheilkunde vor allem bei Husten und Blähungen zur Anwendung.

In der Volksmedizin hat der Fenchel seit jeher eine bedeutende Stellung eingenommen. Die ein- bis mehrjährige Pflanze wird bis zu zwei Meter hoch und weist eine meist fleischig verdickte Grundachse auf.

Man unterscheidet beim Fenchel zwischen mehren Unterarten, von denen die beiden Varietäten des Gartenfenchel – Süßfenchel und Bitterfenchel – verwendet werden.

Zur medizinischen Anwendung gelangt der Bitterfenchel mit seinen kleinen und dunklen Früchten, als Gewürz werden die hellen Früchte des Süßfenchels verwendet. Je nach Erntemethode sind beim Bitterfenchel zwei unterschiedliche Qualitäten zu unterscheiden.

»Kämmen der Pflanze«: Bei der Ernte kämmt man die Früchte ohne Mähen zum optimalen Reifezeitpunkt ab und erntet sie si. Beim Strohfenchel wird die Pflanze gemäht, getrocknet und der Fenchel »ausgedroschen«.

Wichtige Inhaltsstoffe sind beispielsweise die ätherischen Öle Anethol mit 50 bis 70% sowie Fenchon bis 15%. Weiter fettes Öl, Terpene, Flavonoide, ­Cumarine, Zucker und Stärke. Im Grunde genommen ist das Anethol für den süßlichen, anisartigen Geschmack des Fenchel verantwortlich. Hingegen gibt ihm das Fenchon seinen bitteren und kampferartig schmeckenden ­Geschmack.

Unter dem Strich soll Anethol die sekretolytische, schleimlösende, und spasmolytische, krampflösende, Wirkung bringen. Hingegen ordnet man die antibakterielle und antimykotische sowie pilzhemmende Wirkung dem ­Fenchon zu.

Die Gewürz- und Arzneipflanze Fenchel war schon in der Antike bei den Ägyptern und Griechen für ihre wohltuende Wirkung beliebt.

Fenchelöl wirkt schleimlösend und Auswurf fördernd. Es fördert die Verdauung durch Beeinflussung der Bewegungen des Magen-Darmtraktes und hat Appetit anregende und krampf­lösende Wirkung.

Bei stillenden Müttern fördert der Fenchel die Milchabsonderung. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte man kein Fenchel­öl sondern Fencheltee verwenden, der bei Blähungen oder bei Erkältungen mit Husten gute Wirkung erzielt. Interessant ist auch Fenchel-Honig, der unter Rednern und Sängern bei Heiserkeit als Geheimtipp gilt.

Schwangere sollten Fenchelöl meiden und – wenn unbedingt nötig – in kleinen Dosen und nicht über längere Zeit einnehmen.

Seine blähungstreibende und krampflösende ­Wirkung hilft Kleinkindern – vereint mit dem Kamillenöl – in Form einer Windsalbe zur Unterstützung der Verdauung und gegen Verdauungsbeschwerden.

Vielerlei Fenchel-Zubereitungen gibt es als Karminativa, Milchbildungstees, Ein­reibungen, Hustenteemischungen und Abführ­mittel.

Eine 2012 veröffentlichte Untersuchung zu Fenchel konnte übrigens auch positive Effekte im Zusammenhang mit postmenopausalem Knochenverlust und Osteoporose zeigen. In der Studie, veröffentlicht im International Journal of Molecular Medicine, stellten die Forscher fest, dass der Verzehr der Samen von Fenchel eine positive Wirkung auf den Verlust der Knochendichte sowie auf den Mineralgehalt der Knochen hat.

Schließlich konnte eine rezente Untersuchung antioxidative und antihyperglykämische Wirkungen von Blatt- und Wurzelstockextrakten der Foeniculum vulgare zeigen. Das unterstützt verschiedene ethnomedizinischen Anwendungen von Fenchel bei Diabetes.


Literatur:

Agarwal A, Chaudhary B. Clinical and microbiological effects of 1% Matricaria chamomilla mouth rinse on chronic periodontitis. A double-blind randomized placebo controlled trial. J Indian Soc Periodontol. 2020 Jul-Aug;24(4):354-361. doi: 10.4103/jisp.jisp_441_19. Epub 2020 Jun 5. PMID: 32831509; PMCID: PMC7418554.

Sayah K, El Omari N, Kharbach M, Bouyahya A, Kamal R, Marmouzi I, Cherrah Y, Faouzi MEA. Comparative Study of Leaf and Rootstock Aqueous Extracts of Foeniculum vulgare on Chemical Profile and In Vitro Antioxidant and Antihyperglycemic Activities. Adv Pharmacol Pharm Sci. 2020 Sep 1;2020:8852570. doi: 10.1155/2020/8852570. PMID: 32954350; PMCID: PMC7481954.

Badgujar SB, Patel VV, Bandivdekar AH. Foeniculum vulgare Mill: a review of its botany, phytochemistry, pharmacology, contemporary application, and toxicology. Biomed Res Int. 2014;2014:842674. doi: 10.1155/2014/842674. Epub 2014 Aug 3. PMID: 25162032; PMCID: PMC4137549.

Kim TH, Kim HJ, Lee SH, Kim SY. Potent inhibitory effect of Foeniculum vulgare Miller extract on osteoclast differentiation and ovariectomy-induced bone loss. Int J Mol Med. 2012 Jun;29(6):1053-9. doi: 10.3892/ijmm.2012.950. Epub 2012 Mar 23.

Singh O, Khanam Z, Misra N, Srivastava MK. Chamomile (Matricaria chamomilla L.): An overview. Pharmacogn Rev. 2011 Jan;5(9):82-95. doi: 10.4103/0973-7847.79103. PMID: 22096322; PMCID: PMC3210003.

Srivastava JK, Shankar E, Gupta S. Chamomile: A herbal medicine of the past with bright future. Mol Med Rep. 2010;3(6):895–901. doi:10.3892/mmr.2010.377

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