Sonntag, Januar 18, 2026

Leitlinie Interstitielle Zystitis zu Diagnostik und Therapie

Im Jahr 2018 hatten die DGU und der ICA die erste, bis 2023 gültige Leitlinie zur Diagnostik und Therapie für die Interstitielle Zystitis veröffentlicht.

Unter dem Strich sind es überwiegend weibliche Patienten, den durch eine Interstitielle Zystitis (IC) unter enormem Leidensdruck stehen. Die Erkrankung bedeutet stechende Unterleibsschmerzen und Harndrang mit bis zu 60 Toilettengängen über Tag und Nacht. Das kann dann häufig auch in die soziale Isolation und in die Erwerbsunfähigkeit führen.



Zudem ist das Krankheitsbild noch immer relativ unbekannt und die chronische Entzündung der Blasenwand bis heute schwer zu diagnostizieren. Im Durchschnitt dauert es neun Jahre bis zur Diagnosestellung. Bei der Hälfte der Patienten sind mehr als 20 Arztbesuche notwendig bis ihr quälendes Leiden einen Namen bekommt.

Mit der Erstellung der deutschen Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis (IC/BPS) haben die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Förderverein für Interstitielle Zystitis, der ICA-Deutschland e.V. (ICA), einen entscheidenden Schritt für eine bessere Versorgung der Betroffenen erreicht.

 

AWMF Leitlinie für Interstitielle Zystitis

Die Leitlinie zur interstitiellen Zystitis erschien unter Federführung der DGU auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) online.

Die Diagnose Interstitielle Zystitis wird nach oft jahrelanger Arzt-Odyssee schließlich zu 99 Prozent von Urologen gestellt. Die interdisziplinäre Leitlinie bietet Ärzten die Möglichkeit, sich über die Fachgebiete hinweg zu informieren, die Sensibilität der Ärzte zu schärfen und die Versorgungsqualität zu optimieren.

Adressaten der Leitlinie sind vor allem Ärzte und Behandler der Fachrichtungen Urologie, Gynäkologie, Allgemeinmedizin, Schmerztherapie und Physiotherapie. Leitlinien-Koordinator war Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Bschleipfer für die Fachgesellschaft. Die Experten sind jedenfalls zufrieden. Denn nach jahrzehntelangen Bemühungen um Standards für Diagnostik und Therapie für Interstitielle Zystitis sieht man in der Leitlinie der Qualität S2k ein entscheidenden Meilenstein.



Interstitielle Zystitis nicht heilbar

Heilbar ist die Interstitielle Zystitis nicht. Multimodale Therapien, u.a. medikamentöse Therapien, Blaseninstallationen und Schmerztherapie, können lediglich ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern und Symptome lindern. Die Ursachen für Interstitielle Zystitis sind nicht hinlänglich bekannt. Allerdings geht sie mit Begleiterkrankungen wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Migräne, depressiven Verstimmungen, Allergien, Dickdarm- sowie Magenproblemen einher.

Man beschreibt die Interstitielle Zystitis als ein Immun- und Barrieredefekt im Gewebe der ableitenden Harnwege. Im Besonderen der schützenden sogenannten GAG-Schicht der Harnblase. Dadurch ist die Blasenwand vermehrt schädigenden Bestandteilen des Urins ausgesetzt. Und das kann einen andauernden Entzündungsprozess auslösen. Schätzungen zufolge sind in Europa 18 von 100.000 Frauen betroffen, die Dunkelziffer gilt als sehr hoch.

 

Interstitielle Zystitis Therapie mit Natrium-Pentosanpolysulfat

Für eine erstattungsfähige Medikation hatte man lange gekämpft. Mit der Zulassung des Wirkstoffs Natrium-Pentosanpolysulfat für die Therapie der Interstitiellen Zystitis durch die europäische Arzneimittelagentur (EMA) steht den Betroffenen seit Oktober 2017 erstmals ein Medikament zur Verfügung, das von den Krankenkassen bezahlt wird.

Im Grunde genommen sollen die betroffenen Patienten von ihren starken Schmerzen befreit werden. Natrium-Pentosanpolysulfat kommt in oraler Form in der Indikation Interstitielle Zystitis/ Blasenschmerzsyndrom (IC/BPS). Die Zulassung besteht, wenn gleichzeitig Glomerulationen (petechiale Schleimhautblutungen in der Blasenwand) oder Hunner-Läsionen (Ulcera in der Blasenschleimhaut) bei Erwachsenen mit mittelstarken bis starken Schmerzen sowie Harndrang und Miktionshäufigkeit vorliegen.

Wegen der schwachen gerinnungshemmenden Wirkung sollten Patienten Natrium-Pentosanpolysulfat nicht anwenden, wenn sie aktiv bluten. Wobei es aber sehr wohl während der Menstruation möglich ist.

 




Die AWMF Leitlinie Interstitielle Zystitis online:
https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/043-050.html


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU)

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