Donnerstag, Juni 13, 2024

Glutenunverträglichkeit und idiopathische Sterilität

Idiopathische Sterilität – ungewollte Kinderlosigkeit ohne diagnostizierbare Ursache – und Glutenunverträglichkeit stehen im Zusammenhang.

Neue Studienergebnisse stellen idiopathische Sterilität – also ungewollter Kinderlosigkeit ohne diagnostizierbare Ursache – und Glutenunverträglichkeit in einen Zusammenhang. „Bei rund 30% aller Paare kann keine handfeste Ursache für ihren unerfüllten Kinderwunsch gefunden werden“, berichtet Dr. Corinna Mann, Oberärztin im Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz. „Ein Zusammenhang zwischen Glutenunverträglichkeit und ungeklärter Sterilität wurde bereits seit längerem vermutet. Nun liegt der wissenschaftliche Beleg vor.“

Idiopathische Sterilität und Glutenunverträglichkeit in italienischer Metastudie untersucht

Oberärztin Dr. Corinna Mann, Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz © Kinderwunschzentrum
Oberärztin Dr. Corinna Mann, Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz © Kinderwunschzentrum

Eine aktuelle Metaanalyse eines italienischen Forscherteams zeigt, dass Frauen mit idiopathischer Sterilität fünfmal häufiger unter einer Glutenunverträglichkeit leiden als die restliche Bevölkerung. Bei Frauen mit wiederholten Fehlgeburten tritt die Sensibilität auf das Klebereiweiß gar sechsmal häufiger auf.

Rund 20 bis 50% der Betroffenen weisen keine klassischen Symptome wie Durchfälle, Übelkeit, Blutarmut oder Müdigkeit auf. Die aktuelle Studie belegt jedoch, dass auch Zyklusunregelmäßigkeiten oder Unfruchtbarkeit Folgen sein können. Corinna Mann bewertet die Ergebnisse daher als sehr relevant: „Die Studie legt dar, dass eine Glutenunverträglichkeit auch ohne übliche Beschwerden vorliegen und trotzdem einen bedeutenden Einfluss auf die Erfüllung eines Kinderwunsches haben kann.“

 

Glutenunverträglichkeit mittels glutenfreier Diät effektiv begegnen

„Die gute Nachricht ist, dass die Fruchtbarkeit durch eine glutenfreie Diät wieder auf eine normale, altersentsprechende Fertilitätsrate angehoben werden kann“, so Mann. Dies ist auch der Grund, warum die Ergebnisse vor allem für Betroffene mit einer (bislang unbekannten) Glutensensitivität und weniger mit der Autoimmunerkrankung Zöliakie – die zu einer Schädigung in der Dünndarmschleimhaut führt – relevant sind: „Wer unter Zöliakie leidet, ernährt sich in der Regel sowieso glutenfrei. Und damit wirkt sich die Unverträglichkeit nicht auf die Fruchtbarkeit aus“, erläutert die Oberärztin.

 

Glutenunverträglichkeit erkennen

Mittels einfacher Blutabnahme kann auf spezielle Antikörper untersucht werden, die auf eine Glutenunverträglichkeit hinweisen. Heilbar ist weder die Sensitivität noch die Autoimmunerkrankung Zöliakie. Durch eine glutenfreie Diät können Beschwerden jedoch vermindert und Gesundheitsrisiken reduziert werden. Das Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz hat den Bluttest in seine Voruntersuchungen standardmäßig aufgenommen.

Quellen: Tersigni C, Castellani R, de Waure C, Fattorossi A, De Spirito M, Gasbarrini A, Scambia G, Di Simone N. Celiac disease and reproductive disorders: meta-analysis of epidemiologic associations and potential pathogenic mechanisms. Hum Reprod Update. 2014 Jul-Aug;20(4):582-93.
Singh P, Arora S, Lal S, Strand TA, Makharia GK. Celiac Disease in Women With Infertility: A Meta-Analysis. J Clin Gastroenterol. 2016 Jan;50(1):33-9.
Fasano A, Berti I, Gerarduzzi T, Not T, Colletti RB, Drago S, Elitsur Y, Green PH et al. Prevalence of celiac disease in at-risk and not-at-risk groups in the United States: a large multicenter study. Arch Intern Med 2003;163:286-292.

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