Mittwoch, Februar 21, 2024

Folsäure präventiv gegen Neuralrohrdefekt früh genug einnehmen

Die Aussichten für Kinder, die mit Neuralrohrdefekt geboren werden, sind schlichtweg katastrophal, zur Prävention ist Folsäure sehr wirksam.

Jedes Jahr werden tausende Kinder mit einem »offenen Rücken« – dem Neural­rohrdefekt – geboren. Diese Fehlbildung kann die Lähmungen und Inkontinenz zur Folge haben. Deshalb sollten Frauen Folsäure bereits vor der Schwangerschaft einnehmen, raten Experten. Denn es kann viele Wochen dauern, bis die Folatspiegel der roten Blutkörperchen zwischen 1050 und 1340 nmol / l erreicht sind. Wobei diese Folsäure-Werte für die Verringerung des Risikos eines Neuralrohrdefekts optimal sind. Daher sollten Frauen mit Kinderwunsch die Folsäure-Supplementierung 5 bis 6 Monate vor der Empfängnis beginnen.

 

Neural­rohrdefekt – Spina bifida – Meningomye­lozele

Im Volksmund nennt man einen Neural­rohrdefekt »das offene Rückenmark«. Fachlich bezeichnet man die gefürchtete Fehlbildung als »Spina bifida« oder »Meningomye­lozele«. Dabei ist die Wirbelsäule eines Neugeborenen nicht vollständig geschlossen und das Rückenmark frei liegt.

Kinder mit einem Neural­rohrdefekt leiden ihr ganzes Leben lang – an Lähmungen der Beine, an der Unfähigkeit Blasen- und Darmfunktion steuern zu können etc.

Zur Prävention gegen einen Neural­rohrdefekt hat sich Folsäure als sehr wirksam erwiesen. Folsäure ist ein Vitamin, das zum Vitamin-B-Komplex gehört.

 

Neuralrohr und Folsäuremangel

22 bis 28 Tage, nachdem das Kind gezeugt wurde, schließt sich das Neuralrohr, die spätere Wirbelsäule. Bei einem Folsäuremangel schließt sich das Neuralrohr nicht komplett, sondern bildet einen Spalt. Experten empfehlen Frauen, dass sie schon vor der Schwangerschaft Folsäure einnehmen. Das Zeitfenster endet spätestens in der fünften Schwangerschaftswoche, sobald sich das Neuralrohr schließt. Danach hat Folat auf das Neuralrohr keinen Einfluss mehr.

Gynäkologen warnen, dass viele werdende Mütter über diese Maßnahmen nicht Bescheid wissen. Mehr als die Hälfte der Frauen gehen erst nach der fünften Schwangerschaftswoche zum Gynäkologen. Damit kann man auch nicht rechtzeitig informieren.

Deswegen muss man verstärkt das Bewusstsein bei werdenden Müttern schaffen. Denn wie auch bei der Anpassung und Umstellung von Ernährungs-, Rauch- und Trinkgewohnheiten sollte die werdende Mutter vor und zu Beginn der Schwangerschaft an die Versorgung mit Folsäure denken.

 

Neuralrohrdefekt führt zu schweren Behinderungen

Die Aussichten für jene Kinder, die mit Neuralrohrdefekt geboren werden, sind schlichtweg katastrophal. Sie sind meist an beiden Beinen gelähmt, stuhl- und harninkontinent und enden mit maximalem Handicap im Rollstuhl. Zusätzlich kommt es zu einem Hydrozephalus (»Wasserkopf«).

Damit verbunden ist eine große Zahl weitere Risiken und Komplikationen. Die Prognose ist mit anderen Worten sehr traurig, die psychische und neurologische Entwicklung schwerstens beeinträchtigt.

 

Prophylaxe mit Folsäure

Folsäure und Folate sind beides Begriffe für eine Art von B-Vitamin, dem Vitamin B9. ist Beispielsweise enthalten Orangen, Bananen, Spargel oder Broccoli Folsäure. Eine hohe Dosis erhält man, wenn man das Obst und Gemüse ungewaschen oder ungekocht verzehrt. Eine Vorbeugung mit synthetischer Folsäure ist einfach, billig und effektiv.

 

Folsäure gegen Neuralrohrdefekt

Im Grunde genommen sollten Frauen, die eine Schwangerschaft planen, jedenfalls zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung 400 μg Folsäure pro Tag oder äquivalente Dosen anderer Folate in Form eines Supplements einnehmen.


Literatur:

Ismail S, Eljazzar S, Ganji V. Intended and Unintended Benefits of Folic Acid Fortification-A Narrative Review. Foods. 2023 Apr 11;12(8):1612. doi: 10.3390/foods12081612. PMID: 37107407; PMCID: PMC10137700.

van Gool JD, Hirche H, Lax H, De Schaepdrijver L. Folic acid and primary prevention of neural tube defects: A review. Reprod Toxicol. 2018 Sep;80:73-84. doi: 10.1016/j.reprotox.2018.05.004. Epub 2018 May 16. PMID: 29777755.


Quelle:

https://www.nlm.nih.gov/medlineplus/ency/article/002408.htm

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.

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