Dienstag, Januar 27, 2026

Feindseligkeit sind ansteckend

Wenn im eigenen Umfeld andere Ethnien angefeindet werden, finden sich leicht Nachahmer, denn Feindseligkeit gegenüber Minderheiten sind ansteckend.

Konflikte zwischen verschiedenen Ethnien eskalieren häufig sehr schnell. Bei der Untersuchung, welchen Einfluss das Umfeld auf derartige plötzliche Feindseligkeit von Menschen gegen über anderen Gruppen hat, konnten Forscher vom Max-Planck-Institut nun herausfinden, dass Anfeindungen gegenüber anderen Ethnien deutlich mehr Nachahmer finden als Anfeindungen gegen Mitglieder der eigenen sozialen Gruppe.

Plötzliches Ausbrüche gewalttätiger Konflikte zwischen verschiedenen Ethnien, die lange friedlich zusammengelebt haben, kamen auch in jüngster Vergangenheit immer wieder vor. Der Balkankrieg ist dafür das bekannteste Beispiel unserer jüngsten europäischen Geschichte. Bisher gab es keine befriedigende wissenschaftliche Erklärung, warum Aggressionen eine solche Dynamik entfalten können.

 

Joy of Destruction game

Jana Cahlíková vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen untersuchte nun gemeinsam mit Kollegen aus Tschechien und der Slowakei das Verhalten von Jugendlichen aus Schulen in der östlichen Slowakei gegenüber Angehörigen der Minderheit der Roma, gegen die es latente Vorurteile und in den letzten Jahren auch zunehmend Aggressionen gibt.

Wie das soziale Umfeld Feindseligkeit und diskriminierendes Verhalten gegenüber anderer Ethnien beeinflusst, wurde mit dem Spiel „Joy of Destruction game“ untersucht, in dem die Teilnehmer wenn erwünscht Boshaftigkeit ausleben durften. Zwei Spieler erhalten jeweils zwei Euro und sollen gleichzeitig entscheiden, ob sie 20 Cent ausgeben, um den Betrag des jeweils anderen um einen Euro zu verringern, oder das Geld einfach nur behalten möchten. Die Spieler bleiben dabei anonym, und spielen jeweils nur einmal gegeneinander. Anhand einer Liste mit typischen Namen informierten die Forscher die Teilnehmer darüber, ob das Gegenüber ein Angehöriger der slowakischen Mehrheitsbevölkerung oder der Roma-Minderheit war.

Jeweils drei Jugendliche aus der gleichen Schulklasse mussten kurz nacheinander ihre Entscheidung fällen, die nachfolgenden Spieler wussten, wie ihre Klassenkameraden gehandelt hatten. Dabei zeigte sich, dass boshaftes Verhalten der Mitschüler einen signifikanten Einfluss auf die Entscheidung der Jugendlichen hatte. Die Bereitschaft, ebenfalls aggressiv zu agieren, wuchs deutlich. Auffällig war, dass sich dieser Einfluss mehr als verdoppelte, wenn sich die Feindseligkeit gegen Roma richtete statt gegen die eigene soziale Gruppe.

Auch in einem zweiten, darauf aufbauenden Versuch wurde deutlich, dass das Verhalten des Umfelds wesentlich dazu beiträgt, ob eine Handlung als sozial angemessen bewertet wird oder nicht. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass fragile soziale Normen dazu führen, dass sich das individuelle Verhalten gegenüber anderen ethnischen Gruppen plötzlich verändern kann – von gutem Zusammenleben hin zu Aggression“, sagt Max-Planck-Wissenschaftlerin Jana Cahlíková. Daher sei es wichtig politisch motivierte Straftaten konsequent zu verfolgen und zu bestrafen. Sie und ihre Kollegen weisen zudem darauf hin, dass Politik und Gesellschaft sehr sensibel reagieren sollten, wenn Vorurteile und Feindseligkeiten gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen zunehmen.

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft – www.mpg.de

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