Developmental Cognitive Neuroscience als neue Forschungsdisziplin

Developmental Cognitive Neuroscience ist eine Forschungsdisziplin, die vor allem die Gehirnentwicklung und neue Fähigkeiten während der Kindheit und Jugend fokussiert.

Wieso lernen Kinder Dinge mühelos, die Erwachsene nur mit hoher Anstrengung und häufig unvollständig erlernen können? Dies muss in der Gehirnentwicklung begründet sein. Diese zu verstehen, ist Gegenstand einer relativ neuen Forschungsdisziplin – die Developmental Cognitive NeuroscienceForscher untersuchen, unter welchen Bedingungen sich neue Fähigkeiten, zum Beispiel in der Sprache, in der Wahrnehmung oder auch auf der Gefühlsebene entwickeln und im Gehirn verankert werden.

Developmental Cognitive Neuroscience

„Heute wissen wir, dass auf neurobiologischer Ebene bestimmte Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, die mit der individuellen Erfahrung der lernenden Person zusammenspielen“, sagt Erich Schröger, Professor für Kognitive und Biologische Psychologie an der Universität Leipzig. Zu den Rahmenbedingungen zählen die sogenannten „sensiblen Phasen“. Manche Fähigkeiten werden am besten innerhalb eines bestimmten Zeitfensters erlernt, vorausgesetzt, dass während dieser Zeit die erforderlichen Erfahrungen gemacht werden können. Fehlen relevante Erfahrungen während der sensiblen Phasen, können bestimmte Fähigkeiten nur mit Mühe und häufig nur unvollständig erworben werden.

Die Erfahrung wiederum hat neurophysiologische und strukturelle Konsequenzen: neuronale Netzwerke differenzieren sich für bestimmte Funktionen aus. „Kennt man solche Zusammenhänge, versteht man auch, dass es einfacher ist, Kindern in diesen sensiblen Phasen die benötigten Lernmöglichkeiten zukommen zu lassen als später über korrektive Maßnahmen zu versuchen Lernen nachzuholen“, sagt Brigitte Röder, Professorin für Biologische Psychologie und Neuropsychologie an der Universität Hamburg.

Welche Fähigkeiten zum Beispiel während „sensibler Phasen“ gelernt werden, wird in zahlreichen Forschungsprojekten untersucht. Die DGPs widmet dem relativ neuen Forschungsfeld auf dem diesjährigen Fachkongress ein eigenes Symposium. Internationale Wissenschaftler diskutieren aktuelle Erkenntnisse über wie sich Lernen im Laufe des Lebens verändert und welche Gehirnprozesse dem zugrunde liegen.

Die Leibniz-Preisträgerin Brigitte Röder wird in ihrem Keynote-Vortrag die Ergebnisse ihrer Forschung zu sensiblen Phasen vorstellen. Mit ihrem Team untersucht sie von Geburt an blinde Menschen, deren Sehen später im Leben wiederhergestellt wurde. Diese Probanden bieten den Forschern eine seltene Gelegenheit, sensible Phasen in der Gehirnentwicklung zu untersuchen. Neu-Sehende haben beispielsweise Probleme damit, Gesichter zu erkennen – ein Hinweis darauf, dass diese Fähigkeit während einer sensiblen Phase ausgebildet wird. Ähnliche Ergebnisse finden Forscher zum Beispiel auch beim Spracherwerb.

Auf der neuronalen Ebene kann gezeigt werden, dass die funktionelle Spezialisierung von bestimmten Bereichen des Gehirns an sensible Phasen gekoppelt ist. Sensible Fenster scheinen jedoch nicht für alle Funktionsbereiche zu existieren; zum Beispiel erlernen Menschen nach sensorischer Restitution Handlungen oder Lebewesen auf der Basis der inhärenten Bewegung zu identifizieren.

Quelle:

Developmental Cognitive Neuroscience: Where Experimental Psychology, Developmental Psychology and Neuroscience Meet. Prof. Dr. Erich Schröger (Universität Leipzig), Prof. Dr. Brigitte Röder (Universität Hamburg). Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

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