Freitag, Oktober 31, 2025

Developmental Cognitive Neuroscience als neue Forschungsdisziplin

Developmental Cognitive Neuroscience ist eine Forschungsdisziplin, die vor allem die Gehirnentwicklung und neue Fähigkeiten während der Kindheit und Jugend fokussiert.

Wieso lernen Kinder Dinge mühelos, die Erwachsene nur mit hoher Anstrengung und häufig unvollständig erlernen können? Dies muss in der Gehirnentwicklung begründet sein. Diese zu verstehen, ist Gegenstand einer relativ neuen Forschungsdisziplin – die Developmental Cognitive NeuroscienceForscher untersuchen, unter welchen Bedingungen sich neue Fähigkeiten, zum Beispiel in der Sprache, in der Wahrnehmung oder auch auf der Gefühlsebene entwickeln und im Gehirn verankert werden.

Developmental Cognitive Neuroscience

„Heute wissen wir, dass auf neurobiologischer Ebene bestimmte Rahmenbedingungen gegeben sein müssen, die mit der individuellen Erfahrung der lernenden Person zusammenspielen“, sagt Erich Schröger, Professor für Kognitive und Biologische Psychologie an der Universität Leipzig. Zu den Rahmenbedingungen zählen die sogenannten „sensiblen Phasen“. Manche Fähigkeiten werden am besten innerhalb eines bestimmten Zeitfensters erlernt, vorausgesetzt, dass während dieser Zeit die erforderlichen Erfahrungen gemacht werden können. Fehlen relevante Erfahrungen während der sensiblen Phasen, können bestimmte Fähigkeiten nur mit Mühe und häufig nur unvollständig erworben werden.

Die Erfahrung wiederum hat neurophysiologische und strukturelle Konsequenzen: neuronale Netzwerke differenzieren sich für bestimmte Funktionen aus. „Kennt man solche Zusammenhänge, versteht man auch, dass es einfacher ist, Kindern in diesen sensiblen Phasen die benötigten Lernmöglichkeiten zukommen zu lassen als später über korrektive Maßnahmen zu versuchen Lernen nachzuholen“, sagt Brigitte Röder, Professorin für Biologische Psychologie und Neuropsychologie an der Universität Hamburg.

Welche Fähigkeiten zum Beispiel während „sensibler Phasen“ gelernt werden, wird in zahlreichen Forschungsprojekten untersucht. Die DGPs widmet dem relativ neuen Forschungsfeld auf dem diesjährigen Fachkongress ein eigenes Symposium. Internationale Wissenschaftler diskutieren aktuelle Erkenntnisse über wie sich Lernen im Laufe des Lebens verändert und welche Gehirnprozesse dem zugrunde liegen.

Die Leibniz-Preisträgerin Brigitte Röder wird in ihrem Keynote-Vortrag die Ergebnisse ihrer Forschung zu sensiblen Phasen vorstellen. Mit ihrem Team untersucht sie von Geburt an blinde Menschen, deren Sehen später im Leben wiederhergestellt wurde. Diese Probanden bieten den Forschern eine seltene Gelegenheit, sensible Phasen in der Gehirnentwicklung zu untersuchen. Neu-Sehende haben beispielsweise Probleme damit, Gesichter zu erkennen – ein Hinweis darauf, dass diese Fähigkeit während einer sensiblen Phase ausgebildet wird. Ähnliche Ergebnisse finden Forscher zum Beispiel auch beim Spracherwerb.

Auf der neuronalen Ebene kann gezeigt werden, dass die funktionelle Spezialisierung von bestimmten Bereichen des Gehirns an sensible Phasen gekoppelt ist. Sensible Fenster scheinen jedoch nicht für alle Funktionsbereiche zu existieren; zum Beispiel erlernen Menschen nach sensorischer Restitution Handlungen oder Lebewesen auf der Basis der inhärenten Bewegung zu identifizieren.

Quelle:

Developmental Cognitive Neuroscience: Where Experimental Psychology, Developmental Psychology and Neuroscience Meet. Prof. Dr. Erich Schröger (Universität Leipzig), Prof. Dr. Brigitte Röder (Universität Hamburg). Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

Latest Articles

Folgt uns auf Facebook!

Fokus Kinder

Behandlung mittels Psychotherapie bei jungen Menschen mit Depression

Psychotherapie wie die kognitive Verhaltenstherapie sollte die erste Behandlung bei jungen Menschen mit Depression sein. Und erst später Medikamente. Laut einer rezenten australischen Studie sollte...
- Advertisement -

Related Articles

Depressionen bei Kindern und im Jugendalter erkennen

Traurigkeit ist häufig ein Anzeichen für Depressionen bei Kindern: Bis zu 2,5 Prozent der Kinder und bis zu 8,3 Prozent im Jugendalter leiden daran,...

Fieber bei Kindern muss man erst senken, wenn das Kind dadurch leidet

Wenn die Temperatur stark steigt, dann hilft das oft gegen Krankheitserreger. Wobei man Fieber bei Kindern nicht senken muss, solange das Kind nicht darunter...

Enuresis – beim Einnässen von Kindern an alles denken

Prinzipiell muss man zwischen der klassischen Enuresis und der nicht organischen und organischen Harninkontinenz unterscheiden. Beim Einnässen von Kindern muss man zwischen erstens der klassischen Enuresis,...