Starke Schmerzen akut behandeln

Etwa die Hälfte aller operierten Patienten berichtet über mindestens moderate oder sogar starke Schmerzen nach einer Operation.

Eine rezente Analyse auf der Basis des weltweit größten Registers zur Akutschmerztherapie (QUIPS) zeigte unlängst: Schmerzintensität, schmerzbedingte Funktionseinschränkungen und Zufriedenheit der Patienten variieren erheblich zwischen einzelnen Kliniken. Patienten der „schlechtesten“ 10 % der Krankenhäuser berichteten über starke Schmerzen und eine Schmerzintensität von 6,3 ± 2,2. Patienten der 10 % „besten“ Kliniken berichteten über eine Schmerzintensität von 3,6 ± 2,1 (11-stufige NRS; Mittelwert ± Stdabw.) – unabhängig von den untersuchten Operationen.

 

Starke Schmerzen nach einer Operation können verschiedene Komplikationen mit sich bringen

Starke postoperative Schmerzen erhöhen das Risiko für Komplikationen wie chirurgische Komplikationen, Thrombosen, Lungenentzündungen, verzögerte Mobilisation. Etwa  5% aller operierten Patienten entwickeln Monate nach einer Operation chronische, teils starke Schmerzen. Diese belasten die betroffenen Personen in einem erheblichen Ausmaß.

Je stärker und anhaltender akute postoperative starke Schmerzen in den ersten Tagen nach der Operation sind, desto höher ist das Risiko für diesen Chronifizierungsprozess.

Effektive Methoden zur Schmerzbehandlung sind seit langem bekannt, in den meisten Kliniken vorhanden und nicht sehr kostenintensiv. Bei großen Operationen haben sich insbesondere Regionalanästhesiemethoden bewährt. Auch so einfache Maßnahmen wie eine örtliche Betäubung um das OP-Gebiet herum reduzieren starke Schmerzen nach Operationen.

 

Akutschmerzdienste in Deutschland

Spezialisierte Teams aus Pflegekräften und Ärzten – sogenannte Akutschmerzdienste – existieren in Deutschland bisher nur in ca. 2/3 aller deutschen Krankenhäuser. Diese sind die Voraussetzung dafür, dass fortgeschrittene Therapiemethoden angewendet werden können.

Immer noch zu selten wird mit den Patienten gesprochen. Denn neben Medikamenten führen Informationen und die Einbeziehung in Therapieentscheidungen sowie eine regelmäßige Schmerzerfassung aus Sicht der Patienten zu einer Verbesserung der Behandlungsqualität und Zufriedenheit.

Schließlich können durch regelmäßiges Messen und Vergleichen der Schmerztherapie-Qualität Defizite erkannt werden. Dafür nehmen manche Krankenhäuser an Vergleichsprojekten (QUIPS) oder Zertifizierungen (Certkom) teil.

Informationen: www.quips-projekt.de • www.certkom.com


Literatur:

Meißner W, Komann M, Erlenwein J, Stamer U, Scherag A: Qualität postoperativer Schmerztherapie in deutschen Krankenhäusern, Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 161–7. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0161.


Quelle:

Statement » Akutschmerztherapie und Qualitätsmessung: Wie und warum es wichtig ist, Qualität zu messen « – von Prof. Dr. med. Winfried Meißner Mitglied im Präsidium der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.; Leiter der Sektion Schmerztherapie an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Jena anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses der Deutschen Schmerzgesellschaft e. V. und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V., Oktober 2018, Mannheim

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