Immuntherapie: moderne Therapie von Kopf- und Hals-Tumoren

Die Therapie von Kopf-Hals-Tumoren mittels Immuntherapie soll das Immunsystem dazu bringen, Krebszellen zu erkennen und dann zu elimineren.

Das menschliche Immunsystem kann pathologisch veränderte Zellen erkennen und zerstören, bevor sie zu einem Tumor heranwachsen. Moderne Immuntherapien unterstützen unsere körpereigenen Abwehrstrategien und helfen, den Tumor für sogenannte Immunzellen besser sichtbar zu machen. Auch bestehen bereits diverse Formen der Immuntherapie, die man als neue Therapie speziell gegen Kopf-Hals-Tumoren effektiv einsetzen kann.

 

Die verschiedenen Formen von Kopf- und Hals-Tumoren gelten weltweit als die sechshäufigsten Krebserkrankungen

Die Entstehung von Kopf- und Hals-Tumoren wird besonders durch Tabakrauch, den übermäßigen Konsum von hochprozentigen Alkoholika und humane Papillomviren gefördert. Aufgrund ihrer Nähe zu lebenswichtigen Strukturen können Kopf- und Halskrebs nicht immer vollständig operativ entfernt werden. Auch bei einer Bestrahlung kann das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft gezogen werden. Gerade in diesem Bereich ist die Entwicklung von Immuntherapien, die spezifisch gegen den Tumor vorgehen, für die Therapie von Kopf- und Hals-Tumoren besonders wichtig.

 

Immuntherapie gegen Kopf und Hals-Tumoren

Im Fokus der Immuntherapie stand lange Zeit der Versuch, das Immunsystem stärker zu aktivieren. Seit einigen Jahren hat man jedoch erkannt, dass auch die Lösung von Blockaden eine wichtige Rolle spielt. Denn Krebszellen weichen der Immunabwehr oft aus, indem sie den Immunzellen eine Art molekulares Stoppschild entgegenhalten. Treten diese Stopp-Signale in Kontakt mit passenden Rezeptoren auf der Oberfläche der Immunzellen, dann werden diese deaktiviert – die Immunabwehr kommt zum Erliegen.

Spezifische Antikörper gegen die tumoreigenen Stopp-Signale können diese Blockade durchbrechen und sind zum Teil schon zur Tumortherapie zugelassen. Als Beispiel nennt der Experte den Antikörper Nivolumab, der verhindert, dass Stopp-Signale den so genannten PD-1-Rezeptor auf T-Zellen erreichen. Dieser wird zurzeit nur bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren eingesetzt, die auf andere Therapien nicht mehr ansprechen. Nivolumab kann das weitere Wachstum der Tumoren verlangsamen und die Überlebenszeit der Patienten leicht erhöhen können.

 

Immunsystem scharf stellen

Ein weiterer immuntherapeutischer Ansatz ist es, das Immunsystem auf bestimmte Tumorantigene „scharf zu stellen“ und den Tumor so besser angreifbar zu machen. Das kann über eine Art Impfung geschehen, aber auch über eine gezielte Veränderung von T-Zellen, die den Patienten zuvor entnommen wurden.

Mithilfe molekularbiologischer Methoden werden die T-Zellen mit einem speziellen Rezeptor ausgestattet, dem so genannten CAR. Das Kürzel CAR steht für „chimärer Antigenrezeptor“. Denn der künstliche Rezeptor ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt. Ein Teil ist für die Erkennung spezieller Tumormoleküle zuständig, ein anderer dafür, die T-Zellen zusätzlich zu aktivieren. Solchermaßen aufgerüstete T-Zellen konnten in einer britischen Phase-1-Studie bei rund der Hälfte der Patienten das weitere Wachstum fortgeschrittener Kopf-Hals-Tumoren aufhalten.


Literatur:

Papa, S., Adami, A., Metoudi, M. Achkova, D., van Schalkwyk, M., Parente Pereira, A., Bosshard-Carter, L., Whilding, L., van der Stegen, S., Davies, D. M., Guerrero-Urbano, T., Jeannon, J. P., Spicer, J., Maher, J. (2017). T4 immunotherapy of head and neck squamous cell carcinoma using Pan-ErbB targeted CAR T-cells. American Association for Cancer Research; DOI: 10.1158/1538-7445.AM2017-CT118 Published July 2017.

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Weiss J, Sheth S, Deal AM, et al. Concurrent definitive immunoradiotherapy for patients with Stage III-IV Head and Neck Cancer and Cisplatin contraindication [published online ahead of print, 2020 May 5]. Clin Cancer Res. 2020;clincanres.0230.2020. doi:10.1158/1078-0432.CCR-20-0230

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