Mittwoch, Februar 21, 2024

Gesetzlich vor Tabaksucht schützen

Lungenärzte fordern mehr gesetzliche Tabakkontrolle und Hilfe für Aussteiger, allgemein muss der Gesetzgeber Kinder und Erwachsene vor Tabaksucht schützen.

 

Mit einem neuen Gesetz verbietet die deutsche Bundesregierung den Verkauf von E-Zigaretten und E-Shishas an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Nichtrauchen aktiv an diesem Beschluss mitgewirkt hat, begrüßt die Entscheidung des Bundestags. Sie weist jedoch darauf hin, dass das nicht ausreicht.

Rauchen – Tabaksucht – verursacht Krebs, Herz-Kreislaufschäden und schwere, chronische Lungenerkrankungen. Doch professionelle Angebote für Aussteiger, die das Rauchen aufgeben wollen, gibt es nur vereinzelt. Am 57. DGP-Kongress forderte die Fachgesellschaft Anfang März weitere Schritte zur Tabakkontrolle und staatliche Finanzierung für Tabakentwöhnungs-Programme.

„Das neue Gesetz ist ein weiterer wichtiger Schritt, um Kinder und Jugendliche besser vor den Folgen des Rauchens zu schützen, es geht jedoch nicht weit genug“, sagt DGP-Präsident Professor Dr. med. Berthold Jany aus Würzburg. Die DGP schließt sich an das Vorhaben der Bundesregierung an, das Werbeverbot für Tabakprodukte auszuweiten, den Einsatz von Zusatzstoffen einzuschränken und Warnhinweise auf Zigarettenverpackungen zu vergrößern.

Ein vollständiges Werbeverbot bis zum Mai 2016, zu dem sich Deutschland im Rahmenübereinkommen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verpflichtet hat, ist aber nicht vorgesehen. Zwar wären Plakat- und Kinowerbung für Tabakprodukte in Zukunft verboten, an Verkaufsstelle wie Supermärkten, Zigarettenautomaten und in Kinovorstellungen für ausschließlich volljährige Besucher dürfen die Konzerne aber weiterhin werben. „Hier muss der Nichtraucherschutz noch konsequenter umgesetzt werden“, betont Lungen-Experte Jany. Weitere Forderung der DGP sind mehr Mittel für Prävention vor Tabaksucht an Schulen und Jugendeinrichtungen und ein grundsätzliches Rauchverbot in Anwesenheit von Minderjährigen.

Auch das Gesundheitssystem berücksichtige die Folgen des Rauchens und der Abhängigkeit noch zu wenig, so Professor Dr. med. Stefan Andreas, Ärztlicher Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen. „Rauchen ist kein Lifestyle-Problem sondern eine Sucht – deshalb scheitern die meisten Raucher, wenn sie ohne professionelle Hilfe versuchen aufzuhören“, erklärt der Experte.

Wirksame Hilfen bieten Medikamente, die den Drang zu rauchen unterdrücken, medizinische Beratung und verhaltenstherapeutische Programme. Professionelle Unterstützung ist in Deutschland jedoch bei fehlender Finanzierung nicht flächendeckend verfügbar. Die meisten Kurse und die wirksamen Medikamente muss der Raucher aus eigener Tasche bezahlen.

Auch für Patienten mit Lungenerkrankungen gibt es kaum geeignete Programme zur Tabakentwöhnung. Dabei zeigen Studien, dass ein erfolgreicher Rauchstopp den Krankheitsverlauf bei Lungenpatienten verzögert und die Lebensqualität deutlich erhöht, erklärt Andreas. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass Raucher mit Lungenerkrankungen teure Behandlungen im Krankenhaus bekommen, aber in den seltensten Fällen eine professionelle Tabakentwöhnung.“ Ein ärztliches Gespräch über das Rauchen sollte gleich nach der Diagnose erfolgen.

Quelle:

Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) zur elektronischen Zigarette (E-Zigarette) (PDF)

D. Nowak, H. Gohlke, T. Hering, F.J.F. Herth, B. Jany, T. Raupach, T. Welte, R. Loddenkemper. Pneumologie 2015; 69: 131–134

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