Montag, Juli 8, 2024

Feinstaub und Luftverschmutzung

Wie groß die gesundheitsgefährdenden Folgen von Luftverschmutzung und Feinstaub sind, lässt sich derzeitig nicht eindeutig bestimmen.

Mehr Forschung zu gesundheitlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung und von schädlichen Feinstaub ist zweifelsfrei notwendig, denn wie groß die gesundheitsgefährdenden Folgen der Luftverschmutzung tatsächlich sind, lässt sich aufgrund der derzeitigen wissenschaftlichen Datenlage nicht eindeutig bestimmen. Allerdings bestätigen und erhärten die aktuelle Daten aus Langzeitstudien, dass Luftverschmutzung – Feinstaub, Stickoxide und Rußpartikel – eine beträchtliche Gefahr für die Gesundheit darstellt. Diese jüngsten Untersuchungen belegen auch ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs bei Erwachsenen, Lungenentzündungen bei Kleinkindern sowie eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lungenfunktion in allen Altersbereichen.

 

Aktuelle Daten aus Deutschland zu Luftverschmutzung und Feinstaub

Die Feinstaubwerte sind laut Daten des deutschen Umweltbundesamts (Stand Januar 2017) die beispielsweise in der wegen Feinstaubs immer wieder in die Schlagzeilen geratenen Stadt Stuttgart seit 1990 rückläufig: Vorrangig an stark verkehrsbelasteten Knotenpunkten wie dem Stuttgarter Neckartor werden die Tagesgrenzwert der europäischen Luftqualitätsrichtlinie immer noch an mehr als den zulässigen 35 Tagen pro Jahr überschritten.

Die heute geltenden Grenzwerte basieren auf Langzeitstudien, die in Nordamerika ausgeführt wurden. Wobei dort andere Klimaverhältnisse herrschen und die Abgase durch Verkehr, Industrie und Hausbrände eine andere Zusammensetzung haben. Somit sind diese Daten zur Ermittlung von Grenzwerten nur sehr eingeschränkt auf europäische oder deutsche Verhältnisse übertragbar.

 

ESCAPE-Studie

Die European Study of Cohorts for Air Pollution Effects ESCAPE-Studie ist ein Ansatz, um die gesundheitlichen Langzeit-Auswirkungen der Luftverschmutzung in europäischen Ländern genauer zu erfassen. Dafür werden bereits existierende Daten aus 22 Kohorten in ganz Europa genutzt. Mehrere europäische Forschungsteams analysieren dabei, inwiefern sich einzelne Bestandteile von Abgasen auf die Lungengesundheit auswirken.

Feinstaub besteht aus einem komplexen Gemisch fester und flüssiger Partikel in einer Größe zwischen 10 (PM10), 2,5 (PM2,5) bis hin zu 0,1 Mikrometer. Die Zusammensetzung dieses Gemischs spielt eine wichtige Rolle bei der Bestimmung der gesundheitlichen Risiken. So ergab die Auswertung bei gesunden Probanden, die einer erhöhten Konzentration von PM10-Feinstaub-Partikeln ausgesetzt waren, nach fast 13 Jahren Beobachtungszeit ein um 22 Prozent erhöhtes Lungenkrebs-Risiko.

Französische Untersuchungen zeigen, dass PM10 und Stickoxide sich negativ auf die Lungenfunktion auswirken. Eltern sollten ihre Säuglinge und Kleinkinder vor Feinstaub schützen. Wissenschaftler des ESCAPE-Projekts entdeckten nämlich einen Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen und Lungenentzündungen bei den kleinsten Kindern.

 

Lungenpatienten sollten hohe Feinstaubbelastung meiden

Auch Menschen mit bestehenden Lungen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten Standorte mit hoher Feinstaubbelastung meiden, da die erkrankte Lunge eingeatmete Schadstoffe nur sehr schlecht rausfiltern kann. Freizeitsportler sollten in diesen Regionen nicht trainieren, da die Lunge bei körperlicher Belastung vermehrt Schadstoffe aufnimmt. Auch Schwangere sollten sich vor Feinstaub schützen: Wissenschaftler entdeckten, dass Luftschadstoffe Lungenentzündungen bei Neugeborenen verursachen können.

Die Ergebnisse der ESCAPE-Studie erhärten jedenfalls den Verdacht, dass die Schadstoffbelastung in verschiedenen Gebieten Mitteleuropas auch unterhalb der Grenzwerte gesundheitsschädlich ist. Doch um das zu evaluieren, müssen weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um die gesundheitlichen Risiken noch besser einschätzen zu können und wirkungsvolle Maßnahmen zur Feinstaub-Reduktion zu entwickeln.

Quelle: PA zum 58. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)

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