Mittwoch, Juli 10, 2024

Rotaviren: die häufigsten Verursacher für schweren Durchfall bei Kindern

Rotaviren sind die häufigste Ursache für einen schweren Durchfall bei Kindern, der sehr häufig eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus erforderlich macht.

Sowohl in der westlichen Welt als auch in den Entwicklungsländern kommt es weltweit jährlich zu fast 500.000 Todesfällen, über 2 Millionen Spitals­aufenthalten und etwa 25 Millionen Arztbesuchen, die durch Rotaviren bei Erwachsenen und Kindern verursacht werden. Die meisten Todesfälle finden sich in den Entwicklungsländern. Eine jüngste Studie aus den Niederlanden zeigt exemplarisch die dadurch verursachten enormen Kosten für das Gesundheitssystem.

Das Auftreten von Infektionen mit Rotaviren zeigt typische saisonale Schwankungen mit dem häufigsten Auftreten in der Übergangszeit von Winter auf das Frühjahr. Die Ansteckungszeit beträgt 1 bis 3 Tage, wobei etwa die Hälfte der betroffenen Kindern bereits am Tag zuvor und etwa ein Drittel eine Woche nach Beendigung der Symptome Rotaviren im Stuhl ausscheiden.

Rotavirus-Infektionen erfolgen meist als fäkal-orale Schmierinfektion von Mensch zu Mensch: 10 bis 100 Partikel reichen dafür aus, in einem Milliliter Stuhl eines erkrankten kindlichen Patienten können bis zu 100.000 Millionen Rotaviren gefunden werden.

 

Infektionen mit Rotaviren können bei Kindern

Im Grunde genommen können Infektionen mit Rotaviren bei Kindern sehr gefährlich sein. Und zwar insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern im Alter von 6 Monaten bis 2 Jahren. Jedenfalls gehören Rotaviren zu den häufigsten Ursachen für schwere Durchfallerkrankungen bei Kindern weltweit. Das kann können zu Austrocknung, Elektrolytstörungen sowie in seltenen Fällen sogar zum Tod führen.

Die Symptome einer Rotavirus-Infektion bei Kindern können von mild bis schwer variieren. Gängige Beschwerden sind Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen sowie Fieber. Wobei sich die meisten Kinder innerhalb von 3 bis 7 Tagen wieder erholen. Allerdings kann es bei einigen zu schweren Komplikationen kommen. Die Gefahr ist besonders groß, wenn betroffene Kinder bereits geschwächt sind oder andere medizinische Probleme haben.

 

Hohe Durchseuchungsquote der Rotaviren

Unter dem Strich gehört das Rotavirus zu den erfolgreichsten Viren überhaupt gehören, wie die beschriebenen Gründe zeigen. Es erreicht bereits mit 5 Jahren eine Durchseuchungsquote von an die 100%. Hingegen beispielsweise Varizellen mit 18 Jahren nur 97% erreichen. 2005 wurde die erfolgreiche Verminderung von nosokomialen Rotavirus-Infektionen um 75% beschrieben.

Um diesen Erfolg zu erreichen waren jedoch folgende Voraussetzungen notwendig. Denn zwei eigens dafür abgestellten Personen beobachteten während der Studie das Verhalten aller Personen im Krankenzimmer. Außerdem bekamen die Eltern ausführliche Informationsschreiben in mehreren Sprachen. Schließlich gab es auch ausgedehnte Ausbildungsprogramme über die Händedesinfektion für Schwestern, Ärzte sowie Studenten. Allerdings kann man diesen Aufwand in der Praxis normalerweise aus finanziellen Gründen nicht betreiben.

Deswegen treten Rotavirus-Infektionen auch weiterhin in großer Zahl. Dies gilt vor allem für die Wintermonaten in nahezu allen Kinderkliniken. übrigens sind Todesopfer durch Rotavirus-Infektionen in unseren Breiten glücklicherweise selten.

 

Behandlung von Infektionen mit Rotaviren bi Kindern

Ziel der Therapie von durch Rotaviren-Infektion verursachten Durchfall bei Kindern ist der möglichst rasche Ausgleich der Flüssigkeitsverluste. Dazu sind spezielle Lösungen zur Rehydration verfügbar. Übrigens bestätigten zahlreiche Untersuchungsergebnisse, dass die orale Rehydration effizienter und besser wirkt als eine parenterale.

Um dem Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust bei starkem Durchfall entgegenzuwirken, sollten die betroffenen Kinder vor allem auch viel Tee trinken. Außerdem sollten sie mit fettarmer Nahrung behutsam wieder zu Kräften kommen. Hilfreich ist übrigens der Einsatz von Probiotika. Unterstützend wirken zudem verschiedene naturmedizinische Präparate.

Wenn der Durchfall bei Kindern länger anhält, kann der Einsatz einer Normolytlösung das Austrocknen – eine Dehydrierung – durch den starken Flüssigkeitsverlust verhindern. Spezielle Durchfallmittel sind in meisten Fällen von Durchfall bei Kindern vorerst nicht notwendig. Erst bei länger andauernden Durchfällen können Medikamente die Bewegung des Darmes vermindern und den Verlust an Mineralstoffen einschränken.


Literatur:

Caddy S, Papa G, Borodavka A, Desselberger U. Rotavirus research: 2014-2020. Virus Res. 2021 Oct 15;304:198499. doi: 10.1016/j.virusres.2021.198499. Epub 2021 Jul 2. PMID: 34224769.

Pijnacker et al. Incidence and economic burden of community-acquired gastroenteritis in the Netherlands: Does having children in the household make a difference? PLoS One. 2019; 14(5): e0217347. Published online 2019 May 23. doi: 10.1371/journal.pone.0217347

Latest Articles

Folgt uns auf Facebook!

Fokus Kinder

Enuresis – beim Einnässen von Kindern an alles denken

Prinzipiell muss man zwischen der klassischen Enuresis und der nicht organischen und organischen Harninkontinenz unterscheiden. Beim Einnässen von Kindern muss man zwischen erstens der klassischen Enuresis,...
- Advertisement -

Related Articles

Einnässen bei Kindern: Ursachen abklären, seelische Belastung verringern

Ursachen für nächtliches Einnässen bei Kindern frühzeitig medizinisch abklären, um seelische Belastungen wie Scham, Ängste und Sorgen zu verringern. Unter dem Strich ist Einnässen bei...

Eine Atemwegsinfekt (Bronchitis) tritt häufig vor einer Mittelohrentzündung (Otitis Media) auf

Vor einer Mittelohrentzündung (Otitis Media) tritt oft ein Atemwegsinfekt (Bronchitis) auf, wobei dann Viren und Bakterien aus dem Nasenraum ins Mittelohr wandern. Die akute Mittelohrentzündung – Otitis...

Arzneimittel für Kinder und pflanzliche Mittel als alternative Behandlung

Arzneimittel für Kinder werden häufig Off-Label eingesetzt, für pflanzliche Mittel gelten besondere Aspekte für die Anwendung bei Kindern. Im Grunde genommen setzen Ärzte und Therapeuten...