Dienstag, Juni 18, 2024

Demenz erkennen mit einer Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns

Wenn man mittels Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns früher Demenz erkennen könnte, würde das die Versorgung der Betroffenen und auch die Unterstützung für die Angehörigen verbessern.

Unter dem Strich ist Alzheimer die häufigste Ursache, für eine Erkrankung an Demenz im Alter. Wenn man nun mittels Diagnostik (Gehirn-MRT, Magnetresonanztomografie) früher eine Demenz erkennen können, so würde das dabei helfen, dass die Patienten einen besseren Zugang zu spezifischen Versorgungsangeboten haben. Außerdem könnten sie dadurch ungeeignete Behandlungen beenden und eine geeignete Therapie mit Medikamenten zu starten. Schließlich würde es auch die Angehörigen unterstützen. Allerdings kommt es im aktuellen Versorgungssystem zur Diagnose Demenz in weniger als 50 % der betroffenen Fälle. Ein Grund hierfür ist der Mangel an breit verfügbaren diagnostischen Ansätzen zur Demenz wie eben ein Gehirn-MRT, der Magnetresonanztomografie.



 

MRT des Gehirns: Mittels Magnetresonanztomografie Demenz erkennen

Bereits seit vielen Jahren setzt die Medizin die Bildgebung des Gehirn, und zwar insbesondere die Magnetresonanztomografie (MRT), die helfen soll, Ursachen für eine Demenz erkennen beziehungsweise ausschließen zu können. Dazu gehören beispielsweise Schlaganfälle, Hirntumoren oder erhöhter Hirndruck.

 

Positronen-Emissions-Tomographie/Magnetresonanztomographie (PET/MRI) bei Demenz

In den letzten Jahren hat die Positronen-Emissions-Tomographie-Magnetresonanztomographie (PET/MRI) als hybride Bildgebung immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Die Forschung zeigt einen vergleichbaren Nutzen zu aktuellen Methoden wie der PET-Computertomographie (PET/CT) zur Neurobildgebung. Eine rezente Analyse hat die Literatur von 2016 bis 2021 unter Verwendung von einer PET/MRT zur Untersuchung von Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung oder Demenz kritisch bewertet.

Dabei zeigte sich, dass das PET/MRT wichtige Einblicke in die zugrunde liegenden anatomischen, metabolischen und funktionellen Veränderungen des Gehirns im Zusammenhang mit Demenz bietet. Und zwar insbesondere in Bezug auf Gehirnregionen einschließlich Hippocampus und dem Default-Mode-Netzwerk (Ruhezustandsnetzwerk). Zudem bietet der verbesserte diagnostische Nutzen vom PET/MRI des Gehirns, das man Patienten mit Demenzcbesser klassifizieren kann. Das ist wiederum wichtig für die klinische Behandlung.

 

Zahlreiche Studien zeigten in den letzten Jahren, dass die Vermessung regionaler Veränderungen des Hirnvolumens einen direkten Hinweis auf das Vorliegen einer Alzheimer-Krankheit geben kann.

Auch ältere Personen mit Gedächtnisstörungen, aber noch ohne alltagsrelevante Einschränkungen, weisen bereits eine Abnahme des Volumens oder der Funktion bestimmter Hirnregionen auf, wenn bei Ihnen ein erhöhtes Risiko besteht, in den nächsten Jahren eine Alzheimer-Demenz zu entwickeln.

So konnten große internationale multizentrische Studien mit mehreren Tausend Teilnehmern zeigen, dass die Vermessung der Hippocampus-Formation – einer Region des Gehirns, die für die Gedächtnisbildung bedeutsam ist – das Auftreten einer Alzheimer-Demenz bei Personen mit leichten Gedächtniseinbußen mit einer Genauigkeit von über 70 % in den folgenden drei Jahren voraussagen kann.



Solche Vermessungen können mittlerweile mittels automatisierter Programme in Sekundenschnelle durchgeführt werden. Zudem liegen bereits große Datenbanken von Vergleichsdaten vor, um individuelle Abweichungskarten und Risikoprofile zu erstellen. Die Anwendung solcher Verfahren ist daher bereits Gegenstand einer spezialisierten Diagnostik in universitären Memory-Kliniken.

 

Diagnostik nur bei Personen mit Gedächtnisbeschwerden sinnvoll

Dabei ist zu beachten, dass solche Verfahren nur im Kontext einer spezialisierten Diagnostik und nur für Personen in Betracht kommen, die bereits Gedächtnisbeschwerden aufweisen. Eine Anwendung solcher Verfahren als bloßes Screening-Instrument für Personen ohne kognitive Einschränkungen außerhalb von Forschungsprojekten ist aktuell klar abzulehnen.

Gründe hierfür sind die unzureichende individuelle Aussagekraft bei unbeeinträchtigten Personen bezüglich der Manifestation einer Alzheimer-Demenz und die fehlende Behandlungskonsequenz außerhalb klinischer Studien. Dennoch finden sich Angebote für solche Untersuchungen als Selbstzahlerleistungen für Personen ohne jegliche Gedächtnisbeschwerden.

MRT-Untersuchungen und automatisierte Analyseverfahren stehen in unseren Breiten grundsätzlich breit zur Verfügung, was das Verfahren auch für den Einsatz in der Routinediagnostik interessant macht.



Für die Beurteilung der zukünftigen Anwendung in der Routinediagnostik zum Erkennen einer Demenz ist es wichtig, den Nutzen der MRT auch bei älteren Personen mit beginnenden Gedächtniseinschränkungen aus der primärärztlichen Versorgung zu untersuchen. Denn fast alle vorliegenden Ergebnisse wurden bislang aus hochselektionierten Patientenkohorten spezialisierter Gedächtnissprechstunden gewonnen.

 

Alzheimer-Demenz und MRT

Marker der Alzheimer-Demenz – einschließlich Markern aus der MRT-Untersuchung des Gehirns – sollte man zukünftig nicht nur in spezialisierten Stichproben überprüfen. Hingegen sollte man auch in Stichproben aus der allgemeinen Versorgung analysieren.

Damit könnte man sicherstellen, dass neue diagnostische Verfahren auch in der Routineanwendung die wirklich betroffenen Personen identifizieren. Damit die wirklich Betroffenen von Angeboten und einer Therapie profitieren können.

Eine zuverlässige Frühdiagnose der Alzheimer-Demenz, um früher beispielsweise mittels MRT eine Demenz zu erkennen, könnte einen wesentlichen Beitrag leisten, um die gegenwärtig noch unzureichende Versorgung älterer Patienten mit kognitiven Einschränkungen zu verbessern.




Literatur:

Lorking N, Murray AD, O’Brien JT. The use of positron emission tomography/magnetic resonance imaging in dementia. A literature review. Int J Geriatr Psychiatry. 2021 Oct;36(10):1501-1513. doi: 10.1002/gps.5586. Epub 2021 Jun 12. PMID: 34490651.

Lombardi G, Crescioli G, Cavedo E, Lucenteforte E, Casazza G, Bellatorre AG, Lista C, Costantino G, Frisoni G, Virgili G, Filippini G. Structural magnetic resonance imaging for the early diagnosis of dementia due to Alzheimer’s disease in people with mild cognitive impairment. Cochrane Database Syst Rev. 2020 Mar 2;3(3):CD009628. doi: 10.1002/14651858.CD009628.pub2. PMID: 32119112; PMCID: PMC7059964.


Quelle: » Demenz früher erkennen mit automatisiertem Magnetresonanztomografie (MRT)? «. Professor Dr. med. Stefan Teipel, Gruppenleitung Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin, Universitätsmedizin Rostock. 62. wissenschaftliche Jahrestagung der DGKN, Berlin

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