Samstag, Januar 17, 2026

Menschen, die eine bipolare Störung haben, lügen nicht öfter

Es gibt keinen Beweis dafür, dass Menschen, die eine bipolare Störung haben, öfter lügen sollten. Jedoch besteht bei Familie und Freunde oft diese Annahme.

Eine bipolare Störung führt bei erkrankten Menschen dazu, dass sie die Welt oft anders als Menschen in ihrem sozialen Umfeld erleben. Deswegen vermuten viele auch, dass Menschen, die eine bipolare Störung erdulden müssen, auch öfter lügen. Und zwar, um sich anzupassen und ihre wahren Gefühle und Wahrnehmungen im Dunkeln zu lassen. Weil sie befürchten, dass ihre Empfindungen für die Personen in ihrem Umfeld zu seltsam erscheinen könnten. Doch diese Annahme ist nicht bewiesen. Oft empfinden betroffene Patienten die Lüge einfach auch als ihre Realität. Gerade Kindern erkrankter Eltern muss man hier auch speziell helfen. Damit ihre Entwicklung keinen Schaden nimmt.

 

Bipolare Störung, pointierte G’schichten und Lügen

Eine bipolare Störung fördert bei betroffenen Personen die Eigenschaft, regelmäßig Geschichten überspitzt zu erzählen, was dann andere wie Lügen interpretieren. Jedoch es durchaus auch so sein, dass das Erzählte der Realität entspricht. Denn die Erzählung entspricht dann dem, wie sie die erkrankte Person eben an spezielle Situationen erinnert.

In einer manischen Phase können aber auch hektisch getätigte Aussagen wie Lügen erscheinen. Dann sagen Menschen mit bipolarer Störung Dinge gedankenlos. Und später können sie sich nicht mehr daran erinnern.

Zusammenfassend kann man also feststellen, dass sich Personen mit bipolarer Störung einerseits für eine angepasste Realität entscheiden. Und zwar um ihre psychische Störung zu verbergen. Andererseits kommt es zu Lügen, weil sie die Unwahrheit als völlig real empfinden. Jedenfalls sind Lügen bzw. alternative Fakten auch für Ärzte eine große Herausforderung, wenn sie eine Bipolare Störung bei Patienten behandeln.

 

Die Prognose, wie sich die Behandlung von Menschen mit bipolarer Störung auswirkt.

Im Grunde genommen ist es das Ziel jeder Behandlung bei Patienten mit bipolarer Störung, dass man es schafft, dass alle Symptome vollständig verschwinden. Denn Patienten soll es wieder möglich sein, dass sie ihre Beziehungsfähigkeit sowohl im familiären und privaten Umfeld wiederherstellen können. Das gilt auch für den Beruf. Denn sehr oft beeinträchtigt die Erkrankung die Arbeitsfähigkeit. Für einen günstigeren weiteren Verlauf der Erkrankung hilft auch eine frühe Therapie.

Auf Seiten der Medizin wurden Schizophrenien und ­Bipolare Störungen lange als geradezu paradigmatisch für unbeeinflussbare, meist chronisch verlaufende Krankheitsprozesse eingestuft. Es kam zu Stigmatisierung und Ausgrenzung bei den Patienten mit diesen Erkrankungen. Die Entwicklungen zu Medikamenten der letzten Jahrzehnte haben die therapeutischen Möglichkeiten für beide Erkrankungsgruppen allerdings revolutioniert.

 

Realistischer Blick auf die Behandlung

Trotz aller Fortschritte unserer Zeit ist dennoch eine realistische Einschätzung der tatsächlich bestehenden Lebenssituation der Betroffenen wichtig. Es sollten keine unverantwortlichen und uneinlösbaren Hoffnungen auf Heilung versprochen werden. Denn die meisten Patienten, die an bipolarer Störung leiden, benötigen meist eine lebenslange Therapie.


Literatur

Reedtz C, van Doesum K, Signorini G, Lauritzen C, van Amelsvoort T, van Santvoort F, Young AH. Conus P, Musil R, Schulze T, Berk M, Stringaris A, Piché G, de Girolamo G. Promotion of Wellbeing for Children of Parents With Mental Illness: A Model Protocol for Research and Intervention. Front Psychiatry. 2019 Sep 6;10:606. doi: 10.3389/fpsyt.2019.00606. eCollection 2019.

Solé B, Jiménez E, Torrent C, Reinares M, Bonnin CDM, Torres I, Varo C, Grande I, Valls E, Salagre E. Sanchez-Moreno J, Martinez-Aran A, Carvalho AF, Vieta E. Cognitive Impairment in Bipolar Disorder: Treatment and Prevention Strategies. Int J Neuropsychopharmacol. 2017 Aug 1;20(8):670-680. doi: 10.1093/ijnp/pyx032.

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