Sonntag, März 1, 2026

Das Vitamin Niacin beeinflusst Darm-Mikrobiom und Zuckerhaushalt

Vorbeugend gegen Diabetes: Das Vitamin Niacin kann die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms und auch den Zuckerhaushalt positiv beeinflussen.

Die Bakterien, die im Darm eines erwachsenen Menschen leben, wiegen etwa eineinhalb Kilo. Dieser keineswegs unnütze Ballast – das häufig zitierte  Darm-Mikrobiom – kann großen Einfluss auf die Gesundheit des Menschen ausüben. Mediziner um den Kieler Internisten, Endokrinologen und Diabetologen Professor Dr. med. Matthias Laudes fügten dem unlängst einen weiteren wichtigen Aspekt hinzu. In einer aktuellen Studie konnten sie zeigen, dass das Vitamin Niacin – Vitamin B3 – zunächst die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms und in der Folge auch den Zuckerhaushalt des Trägers positiv beeinflusst, was für die Diabetes-Vorbeugung relevant sein kann.

 

Vitamin Niacin gegen Diabetes

Bereits vor wenigen Jahren wurden im Mausmodell erste Hinweise entdeckt, dass Niacin hilft, die mikrobielle Vielfalt im Darm aufrechtzuerhalten zu erhalten. Laudes und seine Kollegen konnten diesen Zusammenhang nun bei knapp 500 menschlichen Probanden bestätigen: Je mehr Niacin diese mit der täglichen Nahrung aufnahmen, desto mehr Bakterienarten fanden sich in ihrem Stuhl. Besonders schien der Bakterienstamm der Bacteroidetes von der Niacin-Aufnahme zu profitieren.

„Interessanterweise war dieser Effekt aber nur bei übergewichtigen Individuen mit Insulinresistenz statistisch signifikant“, erläutert Professor Dr. med. Jürgen Schölmerich, Vorsitzender der DSIM aus Frankfurt. Auch sei starkes Übergewicht mit einer Verarmung des Mikrobioms und hier besonders mit einer Abnahme der Bacteroidetes assoziiert gewesen. Aus diesen Befunden habe der Preisträger einen neuartigen Ansatz zur Diabetes-Prävention abgeleitet, bei dem versucht werde, über Niacin-Gaben die Darmflora und so letztlich den Zuckerhaushalt positiv zu beeinflussen.

 

Niacin-Mikrokapseln setzen das im Dickdarm freisetzen

Um diese Möglichkeit zu untersuchen, entwickelten die Kieler Forscher Niacin-Mikrokapseln, die Magen und Dünndarm unbeschadet passieren und das Vitamin erst im Dickdarm freisetzen, wo sich die meisten Darmbakterien befinden.

Zehn stoffwechselgesunde Probanden nahmen diese Mikrokapseln dann über sechs Wochen hinweg in steigender Dosierung ein. In dieser Zeit stieg die Zahl der Bacteroidetes-Bakterien im Darm der Testpersonen stetig an, gleichzeitig nahmen biochemische Marker ab, die auf eine Insulinresistenz oder einen Prädiabetes hindeuten.

Da das verkapselte Niacin nicht über den Dünndarm resorbiert werden konnte und daher nur in geringen Mengen in den übrigen Körper gelangte, konnten die Forscher ausschließen, dass die positiven Stoffwechseleffekte auf eine direkte Wirkung des Vitamins zurückzuführen waren. Außerdem konnten mögliche Nebenwirkungen, wie etwa Gesichtsrötungen oder Leberschäden, auf diese Weise praktisch ausgeschlossen werden.


Literatur:

Fangmann D, Theismann EM, Türk K, et al. Targeted Microbiome Intervention by Microencapsulated Delayed-Release Niacin Beneficially Affects Insulin Sensitivity in Humans. Diabetes Care. 2018;41(3):398‐405. doi:10.2337/dc17-1967

Kirkland JB, Meyer-Ficca ML. Niacin. Adv Food Nutr Res. 2018;83:83-149. doi: 10.1016/bs.afnr.2017.11.003. Epub 2018 Feb 1. PMID: 29477227.

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