Der Knochen als endokrines Organ

Der Knochen hat zahlreiche Aufgaben im Körper. Er ist auch ein endokrines Organ. Denn bestimmte Knochenhormone beeinflussen zahlreiche Vorgänge im Knochen.

Bei einem Tennisspieler ist auch nach vielen Jahren der Knochen auf der Seite des Schlägers dicker. Jedenfalls ist die Existenz von Muskeln und Sehnen eine Voraussetzung für Bewegung. Zusammen mit dem Knochen sind sie für Bewegung relevant ist. Der Knochen beeinflusst aber auch das Testosteron beim Mann sowie den Zuckerstoffwechsel durch Verbesserung der Insulinwirkung. Weiters kann die Belastung des Knochens unseren Appetit und möglicherweise auch das Gewicht regulieren.

 

Der Knochen als endokrines Organ

Seit einigen Jahren weiss man, dass der Knochen auch ein endokrines Organ ist. Bestimmte Knochenhormone beeinflussen zahlreiche Vorgänge im Knochen. Das Hormon Osteocalcin spielt zum Beispiel eine entscheidende Rolle. Beispielsweise konnten Forscher an Ratten und Mäusen zeigen, dass bei Beladung mit zusätzlichem Gewicht, sich das Gewicht der Tiere nach 14 Tagen dem Gewicht der Beladung entsprechend reduziert hat. Dies könnte somit bedeuten, dass das gewichtstragende System, somit der Knochen, in der Lage ist, das Gewicht zu regulieren.

 

Seltene Knochenerkrankungen und neue Wirkstoffe

Im Bereich Seltene Knochenerkrankungen wurden einige der innovativsten Medikamente im Bereich des Knochenstoffwechsels entwickelt. Für Patienten, die das Knochenenzym alkalische Phosphatase nicht mehr bilden können, wurde das Medikament Asfotase alfa entwickelt, welches bereits bei Kindern und zum Teil auch bei Erwachsenen das Enzym ersetzt und welches eine der innovativen Entwicklungen der letzten Jahre darstellt und eine dramatische Verbesserung bei den betroffenen Kinder verursacht.

Ein anderes Molekül, das FGF-23, welches der im Knochen liegende Osteozyt synthetisiert, reguliert den Phosphatstoffwechsel. Wird durch genetische Störungen davon zu viel synthetisiert, werden die Menschen krank. Für diese Menschen wurde eine neue Therapie einwickelt, das Burosumab, welches seit circa einem Jahr schon bei Kindern eingesetzt wird. Dieser Osteozyt macht auch den Faktor Sklerostin, ein Molekül, welches einen extremen Hemmstoff des Knochenaufbaus darstellt und auch die Arterienverkalkung beeinflusst.

 

Romosozumab, Sklerostin, Parathormon und Vitamin D

Durch den neuen Wirkstoff Romosozumab fällt die Hemmung weg und der Knochenaufbau kann verstärkt erfolgen. Der Antikörper gegen das Sklerostin konnte in einer großen Anzahl von Studien seine Effektivität mit Anstieg der Knochendichte und Senkung der Bruchrate sogar im Vergleich zur aktuellen Standardtherapie nachweisen. Diese Therapie wird hoffentlich in Kürze einem großen Teil derjenigen mit einer schweren Osteoporose zur Verfügung stehen.

Auch andere Hormone zeigen wichtige Wirkungen im und am Knochen. Man weiss, dass die Knochenzellen eine bestimmte Menge des Stresshormons Cortisol brauchen, um sich zu differenzieren, und dass sie dieses selbst für sich, aber auch für den restlichen Körper herstellen können. Allerdings verbinden die meisten Ärztinnen und Ärzte negative Effekte mit Glukokortikoiden und Knochen. Als wichtigste Hormone des Calciumstoffwechsels spielen das Parathormon und das Vitamin D noch eine entscheidende Rolle für die Funktion und Entwicklung.


Quelle:

Statement Kongressausblick und Knochen als hormonelles Organ. Professor Dr. med. Heide Siggelkow Ärztliche Leiterin MVZ ENDOKRINOLOGIKUM Göttingen. Zentrum für Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, Nuklearmedizin und Humangenetik, Osteologisches Zentrum DVO und DGE-Kongresspräsidentin. 62. Kongress für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). März 2019, Göttingen.

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