Sonntag, April 14, 2024

Hirnleistungstraining für das Gedächtnis und gegen Demenz im Alter

Da es für das Gedächtnis und gegen kognitives Altern sowie einer Demenz keine Medikamente gibt, wird oft vorbeugendes Hirnleistungstraining empfohlen.

Der Prozess des kognitiven Alterns kann entweder physiologisch ablaufen, ohne dass dabei pathologische Einbußen der Hirnfunktion auftreten, oder es kann im Laufe der Zeit zu einer Demenz-Erkrankung im Alter kommen, die sich aus Vorstufen entwickelt, die als Mild Cognitive Impairment (MCI) bezeichnet werden. In verschiedenen Untersuchungen wurden hauptsächlich zwei Arten von präventiven Maßnahmen untersucht: körperliches Training und geistiges Training. In den letzten Jahren hat die potenzielle Wirksamkeit von kognitivem Training sowohl beim normalen Altern als auch bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) zunehmend an Bedeutung gewonnen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass geistiges Training das Gedächtnis verbessern und präventiv gegen die Entwicklung einer Demenzerkrankung wirken kann.

 

Körperliches Training

Wenn Menschen ihre körperliche Fitness steigern, kann dies präventiv gegen den Abbau kognitiver Fähigkeiten wirken. Zu den wirksamen Methoden zählen körperliches Training wie Yoga, Stretching, Wandern und Schwimmen. Auch Ausdauertraining im Fitnessstudio sowie gelenkschonende Ausdauersportarten können die Hirndurchblutung verbessern und vaskuläre Risikofaktoren reduzieren.

Ein Drittel der Studien mit gesunden Personen und zwei Drittel der Studien mit MCI-Patienten zeigten positive Effekte des Trainings, auch wenn diese oft nicht sehr groß waren. Besonders aerobes Training hatte den stärksten positiven Einfluss auf die Hirnleistung. Dabei verbesserte sich vor allem die Arbeitsgeschwindigkeit und die Leistung im Langzeitgedächtnis.

 

Hirnleistungstraining für das Gedächtnis, um einer Demenz-Entwicklung vorzubeugen

Präventive Maßnahmen mit kognitiven Übungen gehen davon aus, dass ein Hirnleistungstraining in allen Lebensphasen sinnvoll ist. Das Hirnleistungstraining soll das Gedächtnis unterstützen, eine Neurodegeneration verhindern oder verlangsamen und der Entwicklung einer Demenz entgegenwirken.

Die positiven Effekte eines Hirnleistungstrainings lassen sich oft auf das Konzept der zerebralen Plastizität und Neogenese zurückführen, die aus dem experimentellen Bereich stammen.

Eine Vielzahl von Studien hat den Effekt systematischen Hirnleistungstrainings im Alter auf das Gedächtnis und die Demenzprävention untersucht. Die angewendeten Interventionen bestanden hauptsächlich aus dem Erlernen kognitiver Problemlösestrategien, dem Einsatz externer Hilfsmittel und einer effizienteren Informationsverarbeitung. Der Umfang des Trainings variierte dabei zwischen 10 und 540 Stunden.

 

Verwendete Hilfsmittel

Hilfsmittel zum Hirnleistungstraining waren unter anderem Papier-und-Bleistiftmaterialien, Lernunterlagen sowie computerbasierte Übungsprogramme. Dabei trainierten die Probanden auch sehr oft in Gruppen.

Der Trainingseffekt wurde in Form psychometrischer Messverfahren überprüft. Vor allem Gedächtnis, Psychomotorik, Aufmerksamkeit, Reaktionskontrolle sowie Raumverarbeitung waren die Parameter.

Mehrere Studien zeigten einen signifikanten Übungseffekt des angewandten kognitiven Trainings. Das Hirnleistungstraining wirkte teilweise auch noch nach Monaten. Dabei entwickelten sich die positiven Trainingseffekte sowohl bei gesunden Probanden als auch bei Personen mit MCI.

 

Positive Wirkung eines innovativen kognitiven Hirnleistungstrainings sowie von Telerehabilitation bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung

Eine aktuelle Studie bestätigte, die die Wirkung eines kognitiven Virtual-Reality-Rehabilitationssystems (VRRS) von Angesicht zu Angesicht (Arzt, Therapeut und Patient) gegenüber der üblichen kognitiven persönlichen Behandlung für Menschen mit MCI zu vergleichen. Zudem untersuchten die Forscher, ob man die positiven Wirkungen auf das Gedächtnis durch das Telerehabilitationssystem verlängern konnte.

In den letzten Jahren hat das Interesse an der Anwendung von Telerehabilitationsmethoden bei Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen zugenommen. Denn Telerehabilitation über Informations- und Kommunikationstechnologien ist ein innovativer Ansatz zur Überwindung von Hindernissen, die mit persönlichen Behandlungen von Angesicht zu Angesicht verbunden sind. In der multizentrischen, randomisierten Studie wurden dazu die Teilnehmer in drei Gruppen randomisiert:

  • Studienteilnehmer, die eine kognitive VRRS-Behandlung von Angesicht zu Angesicht erhielten, gefolgt von einer kognitiven Telerehabilitation (Klinik-VRRS + Tele @ H-VRRS), wobei die Probanden eine kognitive VRRS-Behandlung von Angesicht zu Angesicht (in der Klinik) erhielten – gefolgt von einer VRRS-Behandlung zu Hause;
  • Probanden, die eine kognitive VRRS-Behandlung von Angesicht zu Angesicht erhielten, gefolgt von einer unstrukturierten kognitiven Stimulation zu Hause (Klinik-VRRS + Tele @ H-UCS);
  • Patienten, die wie gewohnt eine kognitive Behandlung von Angesicht zu Angesicht erhielten (Klinik-TAU).

Und tatsächlich brachte das Hirnleistungstraining mittels VRRS-Telerehabilitation gefolgt von der kognitiven Telerehabilitation zu Hause die beste Wirkung auf Gedächtnis und gegen Demenz.

 

Hirnleistungstraining bringt langanhaltende Traingseffekte für das Gedächtnis und hilft dabei, der Entwicklung einer Demenz entgegenzuwirken

Im Grunde genommen kann also Hirnleistungstraining bei Gesunden und Personen mit Mild Cognitive Impairment MCI positive, oft auch langanhaltende Trainingseffekte auf das Gedächtnis und gegen die Entwicklung einer Demenz bringen. Die zahlreichen Studien haben sich aber im Zusammenhang mit zahlreichen Parametern unterscheiden und hatten teilweise viel zu kleine Stichproben, um allgemein gültige Aussagen zuzulassen. Auch wurde nicht immer zwischen gesundem Altern und MCI unterschieden. Bei vielen Untersuchungen ist es daher fraglich, ob es sich bei den beobachteten Leistungssteigerungen um einen psychometrischen Übungseffekt oder um eine Verbesserung alltagsrelevanter Fähigkeiten handelt.

Völlig unklar ist zudem, welche Form des kognitiven Trainings am effizientesten ist, und ob individuelles kognitives Hirnleistungstraining bessere Ergebnisse für das Gedächtnis bringen kann.

Unter dem Strich kann aber der Nutzen eines körperlichen oder kognitiven Trainings für alternde Menschen generell gut geheißen werden. Wobei es aber nahezu unmöglich ist, dem einzelnen Patienten individuell angepasste Empfehlungen hinsichtlich der Trainingsart beziehungsweise der Erfolgsaussicht zu machen. Jüngste Untersuchungen zu Hirnleistungstraining-Methoden lassen beispielsweise im Zusammenhang mit körperlichen Übungen vermuten, dass nicht nur Ausdauertraining sondern auch Krafttraining positive Effekte auf das kognitive Altern, für das Gedächtnis und gegen eine spätere Demenz bringt.


Literatur:

Manenti R, Gobbi E, Baglio F, Macis A, Ferrari C, Pagnoni I, Rossetto F, Di Tella S, Alemanno F, Cimino V, Binetti G, Iannaccone S, Bramanti P, Cappa SF, Cotelli M. Effectiveness of an Innovative Cognitive Treatment and Telerehabilitation on Subjects With Mild Cognitive Impairment: A Multicenter, Randomized, Active-Controlled Study. Front Aging Neurosci. 2020 Nov 16;12:585988. doi: 10.3389/fnagi.2020.585988. PMID: 33304267; PMCID: PMC7701275.

Corona-Long CA, Tran TT, Chang E, Speck CL, Gallagher M, Bakker A. Comparison of male and female patients with amnestic mild cognitive impairment. Hippocampal hyperactivity and pattern separation memory performance. Alzheimers Dement (Amst). 2020 Aug 3;12(1):e12043. doi: 10.1002/dad2.12043. PMID: 32775595; PMCID: PMC7396843.

Sanford AM. Mild Cognitive Impairment. Clin Geriatr Med. 2017 Aug;33(3):325-337. doi: 10.1016/j.cger.2017.02.005. Epub 2017 May 17.

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