Montag, Mai 20, 2024

Adipositas und Depression stehen in starkem Zusammenhang

Adipositas und Depression bedingen und fördern sich gegenseitig. Die Wahrscheinlichkeit für eine Depression steigt mit zunehmendem Body-Mass-Index.

Etwa jeder vierte bis fünfte Mensch mit Adipositas ist depressiv. Betroffene haben nicht nur im doppelten Sinn ein schweres Los. Sondern sie sind auch noch einer doppelten gesellschaftlichen Stigmatisierung ausgesetzt. Auch im Gesundheitswesen ist eine gewichtsbezogene Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit Adipositas leider verbreitet, wenn dann die Symptome einer Depression hinzukommen, ist die Versorgung oft erst recht unzureichend.

 

Zusammenhang Adipositas und Depression

Schweres Übergewicht, Adipositas und Depression bedingen und fördern sich gegenseitig; die Wahrscheinlichkeit für eine Depression steigt mit zunehmendem Body-Mass-Index. Ein Mensch mit schwerem Übergewicht hat eine um 50% höhere Chance depressiv zu werden als ein Mensch ohne schweres Übergewicht. Ebenso hat ein depressiver Mensch eine um 50% höhere Chance schwer übergewichtig zu werden.

Eine Symptomatik einer Depression erschwert zudem eine erfolgreiche Therapie der Adipositas zusätzlich. Sie macht sich meist bemerkbar durch ein mindestens zwei Wochen andauerndes Stimmungstief; Betroffene ziehen sich aus sozialen Beziehungen zurück, leiden unter Schlafstörungen und Lustlosigkeit und haben womöglich suizidale Gedanken oder Tendenzen.

Beide Erkrankungen sollten entsprechend der jeweiligen Leitlinien getrennt, aber nicht losgelöst voneinander behandelt werden. Mediziner und Psychologen sollten schon im Studium besser auf übergewichtige Patienten vorbereitet werden, denn die Mehrheit der Bevölkerung ist bereits übergewichtig, ein Viertel sogar adipös.

Ein Psychosomatiker, Psychiater oder Psychologe, der eine Depression behandelt, kennt in der Regel eine Leitlinien-gerechte Behandlung von Adipositas nicht. Mit fortschreitender Gewichtsabnahme wird eine Depression zwar besser, aber nur vorübergehend; umgekehrt führt eine erfolgreiche Behandlung der Depression allein noch nicht automatisch zu einer nachhaltigen Gewichtsreduktion.

Ein wichtiger Punkt ist, dass übergewichtige depressive Patienten keine Antidepressiva verordnet, die zusätzlich eine Gewichtszunahme fördern.


Literatur:

De Zwaan, M (2012): „Könnten operative Eingriffe die Psychopathologie langfristig besser beeinflussen als evidenzbasierte Psychotherapie? Pro und contra bariatrischer Chirurgie in der Adipositasbehandlung Verhaltenstherapie 2012: 22:199-203 https://www.karger.com/Article/Abstract/341543

Hilbert, A; Ried, J; Zipfel, S; de Zwaan, M (2013): „Stigmatisierung bei Adipositas“ – Positionspapier des Kompetenznetzes Adipositas https://www.schattauer.de/index.php?id=5236&mid=20224&L=0


Quellen:

http://www.adipositas-gesellschaft.de/

Related Articles

Aktuell

Sport und Bewegung verlangsamt den Alterungsprozess

Sport und Bewegung machen Spaß. Damit beugt man Krankheiten vor und verlangsamt den Alterungsprozess. Sport treiben bedeutet auch gesund bleiben und die Lebensqualität steigern. Sporttreibenden...
- Advertisement -

Latest Articles

Das spricht für Kaffee: Koffein verbessert das Gedächtnis

Alle lieben ihn. Er schmeckt gut, macht munter und erwärmt das Herz. Doch Kaffee hilft weitaus mehr, denn das Koffein hat positive Wirkungen auf...

Heilpflanzen für Leber und Galle zum Lindern von Beschwerden

Heilpflanzen und pflanzliche Mittel wie Mariendistel, Kurkuma und Schafgarbe haben eine gute Wirkung auf die Funktion von Leber und Galle. Unter dem Strich arbeiten die Leber...

Ob Snacken ungesund ist, kommt darauf an, was und wann

Snacken in der Nacht oder der Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln könnte möglicherweise ungesund sein. Immer mehr Menschen greifen zu Snacks. Über 70 % der...