Die zusätzliche Gabe von Chrom bei Diabetes ist riskant

Die Einnahme von Chrom bei Diabetes zur zusätzlichen Senkung des Blutzuckerspiegels könnte stark krebserregende Chrom-Verbindungen mit sich bringen.

Eigentlich gilt Chrom bei Diabetes als hilfreich in der Behandlung, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Deshalb gibt es vor allem in der orthomedizinischen Praxis die empfehlung, das Spurenelement als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Wie allerdings unlängst australische und amerikanische Wissenschaftler in der Zeitschrift »Angewandte Chemie« schrieben, oxidieren die Körperzellen das zugegebene Chrom teilweise in Chrom höherer Oxidationsstufen. Diese sind nachgewiesenermaßen krebserregend und erbgutschädigend. Aufgrund dieser Ergebnisse sollte man den möglichen Nutzen von Therapien mit Chrom bei Diabetes noch kritischer hinterfragen.



 

Präparate mit Chrom bei Diabetes können die Wirkung von Insulin und oralen Antidiabetika verstärken

Unter dem Strich können Präparate, die Chrom in der Oxidationsstufe III enthalten, die Wirkung von Insulin und oralen Antidiabetika bei Diabeteserkrankungen verstärken. Daher haben Experten vorgeschlagen, täglich Chrom zu sich zu nehmen, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

 

Chrom in höheren Oxidationsstufen krebserregend

In höheren Oxidationsstufen kann Chrom jedoch nachweislich die DNA schädigen. Dementsprechend gelten Chrom(V) und Chrom(VI)-Verbindungen als stark krebserregend.

Ob die Zellen selbst das Chrom(III) oxidieren können, haben die Forscher mit der Röntgenfluoreszenzmikroskopie (XFM) und der Röntgen-Nahkanten-Absorptionsspektroskopie (µ-XANES) untersucht. Die XFM-Analyse zeigte den Forschern, dass das Chrom in kleinen Bereichen, sogenannten „Hotspots“, in der Zelle vorhanden war. Die µ-XANES-Spektren bewiesen, dass die Hotspots nicht nur aus Chrom(III) bestanden. Dieser Befunde bestätigten, dass eindeutig höhere Oxidationsstufen von Chrom vorliegen. Durch Modellrechnungen identifizierten sie dann Chrom(V)- und Chrom(VI)-Verbindungen in den Hotspots.

Warum die Chrom(III)-Präparate in der Zelle oxidiert werden können, erklären die Wissenschaftler dadurch, dass insbesondere während der insulinbedingten Signalkaskaden der Zelle starke Oxidationsmittel wie Wasserstoffperoxid gebildet würden. Diese könnten die Oxidation von Chrom(III) zu den reaktiven Chrom(V)- und Chrom(VI)-Verbindungen auslösen.

 

Vorsicht geboten

Deswegen haben die Forscher große Bedenken, dass Chrom(III)-Präparate krebserregend sein können – vor allem bei einer längeren Einnahme von Chrom(III)-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln. Obwohl es solche Bedenken schon länger gibt, empfehlen manche Therapeuten immer noch Chrompräparate.




Literatur:

Wu et al. Carcinogenic Chromium(VI) Compounds Formed by Intracellular Oxidation of Chromium(III) Dietary Supplements by Adipocytes. Angewandte Chemie. First published:  22 December 2015. http://dx.doi.org/10.1002/ange.201509065

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