Freitag, Januar 16, 2026

Respiratorische Viren begleiten und unser gesamtes Leben

Respiratorische Viren sind Teil unseres Lebens. Jeder Mensch leidet seit von Kindheit an immer wieder unter Infekten mit verschiedenen respiratorischen Viren.

Respiratorische Viren wie Rhinoviren, Enteroviren Coronaviren sowie Parainfluenzaviren sind allgegenwärtig. Jedoch scheint es, dass manche Kinder häufiger von ihnen verursachten Infekten betroffen sind als andere.

Warum Respiratorische Viren bei manchen Kindern offenbar zu häufigeren Virusinfekten der Atemwege kommt, war bisher unklar. Eine Forschergruppe aus China ist dieser Frage nun nachgegangen und hat dafür das respiratorische Virom, also die Gesamtheit der Viruspopulationen in Abstrichen aus dem Nasenrachenraum, von Kindern im durchschnittlichen Alter von 3 bis 6 Jahren mit respiratorischen Infekten untersucht (Yanpeng Li et al., Nature Communications, May 2019).

 

Respiratorische Viren wie Rhinoviren, Influenzaviren und Enteroviren waren nicht mit häufigeren Infektionen assoziiert

Die Autoren haben das Virom von Kindern, die nur einzelne virale Infekte hatten, mit jenem von anderen Kindern verglichen, die innerhalb einiger Monate zwei oder mehr respiratorische Virusinfekte aufwiesen. Bei allen untersuchten Kindern zusammen wurden im Beobachtungszeitraum im Gesamten 22 verschiedene pathogene respiratorische Viren gefunden. Vor allem Rhinoviren, Influenzaviren und Enteroviren.

Außerdem fanden die Wissenschaftler 12 persistente humanpathogene Viren wie Herpesviren oder Papillomviren. Bei den Kindern mit gehäuften Infektionsepisoden wurden mehr respiratorische Viren und mehr Co-Infektionen dieser Viren gefunden.

Eine genauere Analyse von Rhinoviren, Influenzaviren, Enteroviren und Respiratory Syncytial Virus (RSV) im Sekret der Kinder zeigte allerdings, dass keines dieser Viren spezifisch mit einer Häufung der respiratorischen Infekte assoziiert war.

Zusätzlich wurde auch die Bakteriophagenpopulation in den Sekreten näher analysiert. Bakteriophagen sind prokaryotische Viren, die spezifische Bakterienstämme befallen, und einen komplexen Einfluss auf Funktion und Vermehrung dieser Bakterien haben.

 

Propionibacterium Phagen im Respirationstrakt

Überraschenderweise stellte sich bei der Studie heraus, dass bei Kindern mit multiplen respiratorischen Infekten die Präsenz von Propionibacterium Phagen im Respirationstrakt deutlich höher war (in 64% aller untersuchten Sekreten) im Vergleich zu Kindern, die nur einzelne Infekte hatten (6,3%) und dass sie mit der Zahl der Infektionsepisoden anstieg.

Diese Phagen kommen in Propionibakterien vor, das sind kommensale Bakterien, die in verschiedenen Körperregionen vorkommen, wie Haut, Mund, Nase, Gastrointestinal- und Urogenitaltrakt. Im Respirationstrakt wurde das Vorkommen von Propionibakterien bereits mit chronischer Rhinosinusitis und entzündlichen Prozessen in der Lunge assoziiert.

Die Autoren der aktuellen Studie vermuten, dass die erhöhte Präsenz von Propionibacterium Phagen im respiratorischen Sekret der Kinder ein Ungleichgewicht der bakteriellen Flora widerspiegelt, die mit einem entzündlichen Status der Schleimhaut assoziiert ist. Ob dem tatsächlich so ist, muss aber erst in weiteren prospektiven Studien bestätigt werden.

 

Enger Zusammenhang von bakteriellen und viralen Infektionen im Respirationstrakt

Die Studie zeigt einmal mehr, dass es eine sehr enge Verbindung zwischen bakteriellen und viralen Infektionen im Respirationstrakt gibt. Während bisher vor allem die sekundären bakteriellen Infektionen in der Folge schwerer Virusinfekte wie Influenza im Mittelpunkt standen, scheint die Zusammensetzung der bakteriellen Besiedelung des Respirationstrakts von Kindern wiederum eine Vorbedingung für rezidivierende Virusinfekte zu sein.


logo-virusepidemiologische-informationen

Quelle:VIRUSEPIDEMIOLOGISCHE INFORMATION” NR. 12/19-4.

Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer-Stöckl. Department für Virologie der Med. Universität Wien.

 

Latest Articles

Folgt uns auf Facebook!

Fokus Kinder

Behandlung mittels Psychotherapie bei jungen Menschen mit Depression

Psychotherapie wie die kognitive Verhaltenstherapie sollte die erste Behandlung bei jungen Menschen mit Depression sein. Und erst später Medikamente. Laut einer rezenten australischen Studie sollte...
- Advertisement -

Related Articles

Depressionen bei Kindern und im Jugendalter erkennen

Traurigkeit ist häufig ein Anzeichen für Depressionen bei Kindern: Bis zu 2,5 Prozent der Kinder und bis zu 8,3 Prozent im Jugendalter leiden daran,...

Fieber bei Kindern muss man erst senken, wenn das Kind dadurch leidet

Wenn die Temperatur stark steigt, dann hilft das oft gegen Krankheitserreger. Wobei man Fieber bei Kindern nicht senken muss, solange das Kind nicht darunter...

Enuresis – beim Einnässen von Kindern an alles denken

Prinzipiell muss man zwischen der klassischen Enuresis und der nicht organischen und organischen Harninkontinenz unterscheiden. Beim Einnässen von Kindern muss man zwischen erstens der klassischen Enuresis,...