Ovarialkarzinom früh erkennen

Ein Ovarialkarzinom muss man früh genug erkennen, denn sonst kann sich der Krebs bereits über Eierstock und Eileiter hinaus auch im Bauchraum ausgedehnt haben.

Das Ovarialkarzinom gehört zu den seltenen aber aggressiven Krebserkrankungen, im Sinne der Vorsorge und rechtzeitigem Erkennen können neue molekulare Untersuchungen heute entscheidende Risiko-Gene nachweisen. Je früher ein Karzinom aufgespürt wird, desto besser sind die Therapiechancen. Diese Vorsorgeuntersuchungen sind vor allem bei genetischer Vorbelastung sehr wichtig.

Eierstockkrebs wird fachmedizinisch als Ovarialkarzinom bezeichnet. Allgemein spielen bei der Entstehung von Krebs vielfältige Aspekte eine Rolle. Unter anderem sorgen Genmutationen dafür, dass sich Zellen plötzlich auf Kosten anderer Zellen vermehren. Dabei entziehen sie sich den natürlichen Kontrollmechanismen des Körpers.
Ein Ovarialkarzinom wird meist erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt. Die Eierstöcke haben etwa die Größe einer Mandel und sind damit sehr klein. Erst wenn sich die Krebsgeschwulst über den Eierstock und Eileiter hinaus auch im Bauchraum ausgedehnt hat und Beschwerden macht, wird sie in der Regel erkannt.

 

Mutationen im BRCA-Gen

Welche Krebsart bei einer Patientin entsteht, hängt auch davon ab, welche Gene von einer Mutation betroffen sind. Bei einem Teil der Ovarialkarzinom-Erkrankungen ist es das sogenannte BRCA1- oder BRCA2-Gen. Etwa 20 Prozent aller Frauen mit einem Ovarialkarzinom-Erkrankungen tragen diese Mutation von Geburt an in ihren Körperzellen und haben diese also ererbt. Der Mediziner spricht hier von einer Keimbahnmutation.

In Familien mit Keimbahnmutationen im BRCA1/2-Gen sind Frauen häufiger von Ovarialkarzinomen und/oder Brustkrebs betroffen, außerdem meist rund zehn bis zwanzig Jahre früher im Vergleich zu Patientinnen ohne erbliche Vorbelastung. Häufiger treten in diesen Familien auch andere seltenere Tumoren wie z.B. Bauchspeicheldrüsenkrebs auf. Bei zirka 10 Prozent der Ovarialkarzinome liegen sogenannte somatische BRCA-Mutationen vor, die nur im Tumor, nicht aber in der Keimbahn, das heißt nicht im Blut, vorkommen.

 

Neue Erkenntnisse dank molekularer Tests

Neue molekulare Methoden bieten mit dem Next Generation Sequencing (NGS) die Möglichkeit, Panels mit mehr als 150 Genen gleichzeitig zu analysieren. Jüngste Ergebnisse haben weitere Gene entschlüsselt, die wie BRCA eine Rolle bei der Entstehung von Mamma- und Ovarialkarzinomen spielen.

ATM, CHEK2, BRIP1-, PALB2 und RAD51 sind ebenfalls Risiko-Gene für diese Krankheitsbilder. Hier dürfen wir in den kommenden Jahren mit neuen Erkenntnissen rechnen, auf deren Basis mit Sicherheit auch innovative Wirkstoffe für die Therapie entwickelt werden.

 

Ovarialkarzinom erkennen durch regelmäßige Vorsorge – wichtig bei erblicher Vorbelastung

Aufmerksam werden sollte jede Frau, wenn in ihrer Familie Fälle von Brust- und Eierstockkrebs mehrfach vorgekommen und diese deutlich vor dem durchschnittlichen Erkrankungsalter von Mitte 60 aufgetreten sind.

Auf der Website der Deutschen Krebsgesellschaft (www.krebsgesellschaft.de) und des Deutschen Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs (www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de) kann eine Checkliste zur Erfassung der erblichen Vorbelastung für Brust- und/oder Eierstockkrebs heruntergeladen werden.

Wenn das Ergebnis ergibt, dass eine Patientin zur Risikogruppe zählt, sollte unbedingt ein Bluttest durchgeführt werden. Betroffene und Ratsuchende können sich an eines der bundesweit 17 spezialisierten Zentren des deutschen Konsortiums wenden. Hierbei werden Keimbahnanalysen bei der Risikopatientin und gegebenenfalls auf Wunsch auch bei Angehörigen vorgenommen. Sollte von verstorbenen Familienmitgliedern eventuell noch in pathologischen Archiven verfügbares Gewebe vorliegen, wird auch das untersucht.

Wird die erbliche Vorbelastung bestätigt, haben die Betroffenen Anspruch auf umfangreiche Vorsorgeuntersuchungen. Bei Frauen mit einem stark erhöhten Risiko kann auch eine Entfernung der Eierstöcke und Eileiter sowie des Brustdrüsengewebes sinnvoll sein. In etwa drei Prozent dieser prophylaktisch entfernten Eierstöcke und Eileiter finden sich klinisch bis dahin unbekannte tumoröse Veränderungen. Ein solcher Eingriff ist für die Betroffenen natürlich eine schwere Entscheidung, nimmt aber vielen die enorm belastende Angst und bedeutet eine Entscheidung für das Leben.


Quelle: Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, Berlin 2018.

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