Montag, April 15, 2024

Vor OP von Schilddrüsenerkrankungen interdisziplinär betreuen

Bei Schilddrüsenerkrankungen sollten vor einer Operation interdisziplinär verschiedene Fachärzte die Schilddrüse untersuchen.

Für viele Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen ist ein chirurgischer Eingriff oft beste, manchmal sogar einzige Behandlungsmöglichkeit. Experten der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO KHC) empfehlen anlässlich ihrer 89. Jahresversammlung in Lübeck, dass Patienten vor einer Operation interdisziplinär – also von verschiedenen Fachärzten – untersucht, beraten und therapiert werden sollten, bevor die Entscheidung zur Operation fällt. Operiert wird am häufigsten bei einer durch Knotenbildung vergrößerten Schilddrüse.

Die kleine Schilddrüse liegt auf Höhe der Luftröhre direkt unterhalb des Kehlkopfs und produziert Hormone – nicht selten zu viel oder zu wenig. „Schilddrüsenhormone sind an der Aufrechterhaltung verschiedener lebensnotwendiger Körperfunktionen beteiligt“, erläutert Privatdozentin Dr. med. Magis Mandapathil von der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde Asklepios St. Georg (Hamburg). „Störungen haben unter anderem Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und den körperlichen Antrieb.“

 

Schilddrüsenerkrankungen entdecken

Häufig ist den Betroffenen nicht bewusst, dass sie an der Schilddrüse erkrankt sind. „Die Diagnose wird meist anlässlich einer Routineuntersuchung beim Hausarzt oder bei einer Blutuntersuchung gestellt“, berichtet Dr. Mandapathil. Die Ärzte überweisen die Patienten dann an einen Facharzt, der sie über die weiteren Behandlungsmöglichkeiten informiert.

 

Schilddrüsenerkrankungen interdisziplinär managen

„Erkrankungen der Schilddrüse können sehr komplex sein. Sie fallen daher in die Zuständigkeit verschiedener Fachärzte“, erklärt die Expertin:

  • Endokrinologen können medikamentös eine Unterfunktion oder Überfunktion des Organs einstellen.
  • Nuklearmediziner können die Hormonproduktion durch Radiojod auf Dauer stoppen.
  • Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Allgemeinchirurgen sind besonders gefragt, wenn eine vergrößerte Schilddrüse Beschwerden beim Schlucken und Atmen macht, andere Therapieoptionen versagen oder der Verdacht auf eine Krebserkrankung besteht.
  • Dann sind auch Pathologen, Strahlentherapeuten und Onkologen an der Betreuung beteiligt.

In vielen Städten haben sich Schilddrüsenzentren gebildet, in denen Experten aller Fachbereiche zusammenarbeiten. „Eine solche Kooperation ermöglicht eine sorgfältige und zielgerichtete Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen,“ so Dr. Mandapathil. Besonders wichtig sei dies, wenn eine Operation erwogen wird. In Deutschland ist . Seltener bei einem Morbus Basedow oder Schilddrüsenkrebs.

„Die Operation sollte am besten an einem Schilddrüsenzentrum von einem erfahrenen Operateur erfolgen“, betont Dr. Mandapathil. So können Komplikationen vermieden werden, die oft lebenslange Folgen haben, wie beispielsweise eine Verletzung des Stimmbandnervs. Diese kann eine dauerhafte Heiserkeit, den Verlust der Stimmhöhe oder eine schnelle Stimmermüdung bis hin zur Atemnot zur Folge haben.

Bei einer Verletzung der Nebenschilddrüsen kann es zu einem Kalziummangel kommen. Insbesondere bei der chirurgischen Behandlung von Schilddrüsenkrebs, welche stets stadien- und tumorgerecht den aktuellen Leitlinien entsprechend zu erfolgen hat, kann bedingt durch die Ausdehnung des Tumors in die benachbarten Strukturen, wie der Luftröhre, Kehlkopf, der Speiseröhre oder Stimmbandnerven, oder der Absiedlung von Tumorzellen in den seitlichen Hals eine chirurgische Kooperation von Allgemeinchirurgen und Hals-Nasen-Ohren-Ärzten in der prä-, intra- und postoperativen Versorgung der Patienten essentiell zur Erzielung optimaler Ergebnisse sein.

Die Erfahrung des Chirurgen ist besonders gefragt, wenn moderne Operationstechniken eine spätere Narbe am Hals vermeiden sollen. Hierzu wurden in den letzten Jahren verschiedene Techniken entwickelt. Dr. Mandapathil erklärt: „Die Operation kann heute in ausgewählten Fällen von der Achsel aus, über einen Schnitt hinter dem Ohr oder sogar durch die Mundhöhle mittels Endoskopen oder einem Operationsrobotor erfolgen und für ein tadelloses kosmetisches Ergebnis sorgen. „Doch auch hier sollten die Sicherheit des Patienten und der Therapieerfolg immer an erster Stelle stehen“, so Dr. Mandapathil. Auch diese neuen alternativen Verfahren profitieren in ihrer Durchführung, insbesondere abhängig vom Zugangsweg, von einer Kooperation von Allgemeinchirurgen und Hals-Nasen-OhrenÄrzten.

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