Metformin in der Schwangerschaft

PCOS-Patientinnen, die Metformin in der Schwangerschaft zur Blutzucker- und Testosteronsenkung bekommen, gebären etwas kleinere Kinder.

Der Wirkstoff Metformin wird zur Reduktion des Blutzuckerspiegels und der Testosteronkonzentration bei Patientinnen mit Polyzystischem Ovarialsyndrom eingesetzt. Er soll die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft erhöhen und wird dafür als Off-Label Therapie, also ohne offizielle Zulassung, eingesetzt. Wenig bekannt sind bislang die Wirkungen von Metformin in der Schwangerschaft auf Wachstum und Entwicklung des Embryos.

 

Polyzystisches Ovarialsyndrom

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCO) ist eine Stoffwechselstörung, bei der es zu einer erhöhten Konzentration männlicher Geschlechtshormone, Zyklusstörungen und Bildung ungewöhnlich vieler Eizellen und weitere Stoffwechselprozesse kommt. Das führt bei vielen PCOS-Patientinnen zu Übergewicht und einem gestörten Zuckerstoffwechsel, der Insulinresistenz, die wiederum das Risiko sehr erhöht. Metformin ist seit vielen Jahrzehnten eine Klassiker in Diabetestherapie.

 

Welche Wirkungen Metformin in der Schwangerschaft auf die Entwicklung des Kindes im Mutterleib hat

Norwegische Wissenschaftler untersuchten unlängst die Wirkung von Metformin in der Schwangerschaft bei 252 Frauen mit PCO-Syndrom. Diese hatten während ihrer Schwangerschaft entweder 2000 mg Metformin oder ein Placebo erhalten. Die Forscher werteten Kopfumfang, Größe und Gewicht der Kinder während der Schwangerschaft und nach der Geburt aus.

Bei übergewichtigen Müttern führte der Einsatz von Metformin in der Schwangerschaft zu einer Vergrößerung der Köpfe der Feten in Schwangerschaftswoche 32 und bei der Geburt (35,6 cm vs. 35,1 cm in Placebogruppe).

Die Neugeborenen von normalgewichtigen Frauen mit Metformin waren etwas kleiner und leichter als Neugeborene der Placebogruppe. Die Forscher verglichen ebenfalls die Kinder von Frauen mit PCO-Syndrom und gesunden Kontrollpersonen – ohne Behandlung mit Metformin.

Im Vergleich fiel auf, dass die Kinder bei PCOS-Patientinnen bei Geburt kleiner waren, aber ein ähnliches Gewicht und einen ähnlichen Kopfumfang zeigten.

Die Skandinawische Studie belegt, dass Metformin in der Schwangerschaft Kopfumfang, Größe und Gewicht des Neugeborenen beeinflusst. Wobei allerdings die PCO-Patientinnen auch ohne die Einnahme von Metformin kleinere Kinder zur Welt bringen.

 

Zusammenhang von Metformin und mögliche Schwangerschaft bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom, die sich einer In-Vitro-Fertilisation unterziehen

Eine systematische Überprüfung und Metaanalyse hat aktuell den Zusammenhang der Wirkung von Metformin bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) und den möglichen Ergebnissen einer In-vitro-Fertilisation untersucht. Auch die Metformin-Wirkung bei künstlichen Befruchtung mit intrazytoplasmatischer Spermieninjektion sowie bei Embryotransfer (IVF / ICSI-ET) ist umstritten.

In der rezenten Studie war unter demn Strich die Behandlung mit Metformin mit einem verringerten Risiko für ein ovarielles Überstimulationssyndrom verbunden. Es zeigte sich jedoch keinen Zusammenhang mit der klinischen Gesamtschwangerschaftsrate oder der Lebendgeburtenrate bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom, die mittels Embryotransfer behandelt wurden.


Literatur:

Wu Y, Tu M, Huang Y, Liu Y, Zhang D. Association of Metformin With Pregnancy Outcomes in Women With Polycystic Ovarian Syndrome Undergoing In Vitro Fertilization. A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Netw Open. 2020;3(8):e2011995. Published 2020 Aug 3. doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.11995

Hjorth-Hansen A, Salvesen Ø, Engen Hanem LG, et al. Fetal growth and birth anthropometrics in metformin exposed offspring born to mothers with PCOS. J Clin Endocrinol Metab. November 2017. doi:10.1210/jc.2017-01191.

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