Donnerstag, Januar 15, 2026

Viele ambulant versorgte Krebspatienten leiden an Mangelernährung

Etwa ein Drittel der Krebspatienten in der ambulanten Versorgung verliert Körpergewicht und leidet möglicherweise an Mangelernährung.

Eine aktuelle Umfrage in Arztpraxen, die sich auf die Behandlung von Krebspatienten spezialisiert haben, ergab, dass etwa jeder dritte Patient an Mangelernährung leidet. Das ist mit negativen Auswirkungen auf die Therapie und Genesung verbunden.

Ernährungsmediziner fordern daher in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2019) ein gezieltes Ernährungsmanagement von Tumorpatienten in der ambulanten Versorgung.



Gewichtsabnahme und Mangelernährung bei ambulanten Krebspatienten

Viele Krebspatienten nehmen infolge des fortschreitenden Krankheitsprozesses an Gewicht ab und leiden deswegen oft an Mangelernährung. Häufig essen sie auch zu wenig, weil Zytostatika und Strahlentherapie Appetitlosigkeit auslösen.

Bei Tumoren im Verdauungstrakt kann die Nahrungsaufnahme zudem durch eine Obstruktion (Verengung) oder operative Eingriffe erschwert sein.

„Nach Schätzungen sterben etwa 20 bis 30 Prozent der Tumorpatienten nicht an ihrer Grunderkrankung, sondern an den Folgen einer damit assoziierten Mangelernährung“, erklärt Professor Hans Hauner, Leiter des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin der TUM Technischen Universität München.

Die Mangelernährung erhöht für die Krebspatienten die Komplikationsrate der Behandlung und gefährdet den Erfolg, warnt der Ernährungsmediziner. Die Folge sind längere Behandlungszeiten und höhere Kosten.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass ein Drittel aller Krebspatienten in Krankenhäusern unter Mangelernährung leidet.

 

Screening auf Mangelernährung

Jetzt hat Hauner erstmals den Ernährungszustand von ambulant versorgten Patienten untersucht. Zwei Mitarbeiter Hauners besuchten 17 onkologische Schwerpunktpraxen in Südbayern und interviewten insgesamt 765 Krebspatienten. Sie benutzten zwei Ernährungsfragebögen, die für das Screening auf Mangelernährung empfohlen werden.



Im „Malnutrition Universal Screening Tool“ (MUST) wiesen 15,4 Prozent der Teilnehmer ein mittleres und 19,5 Prozent ein hohes Risiko für eine Mangelernährung auf. Im „Nutritional Risk-Screening-2002“ (NRS-2002) lag bei 29,1 Prozent ein erhöhtes Risiko vor.

 

Gewichtsverlust

Die befragten Krebspatienten hatten in den letzten drei bis sechs Monaten im Mittel 2,7 kg abgenommen. Bei einem Patienten waren es sogar 35 kg, berichtet Professor Hauner. Bei 13,5 Prozent der Patienten betrug der Gewichtsverlust fünf bis zehn Prozent ihres Ausgangsgewichts, bei weiteren 14,2 Prozent sogar noch mehr.

Obwohl die negativen Folgen der Mangelernährung bekannt sind und die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in einer Leitlinie ein Screening aller Krebspatienten empfiehlt, hatten nur rund 30 Prozent der Befragten eine Ernährungsberatung erhalten.

Nur eine der 17 Praxen gab an, bereits beim Erstkontakt bei allen Patienten nach Ernährungsstörungen zu suchen. Für Professor Hauner und seine Kollegen ist dies unverständlich, da mit MUST und NRS-2002 zwei einfache Screening-Fragebögen zur Verfügung stehen, die eine schnelle Risikoabschätzung erlauben.

 

Dringender Handlungsbedarf

Der Ernährungsexperte sieht einen dringenden Handlungsbedarf, um vorhandene Versorgungslücken zu schließen. Ein Screening und eine darauf abgestimmte frühzeitige Ernährungsberatung sollten ein fester Bestandteil in der ambulanten Betreuung von Patienten mit einer Tumorerkrankung sein.




Literatur:

H. Hauner et al. Häufigkeit eines Risikos für Mangelernährung bei Patienten in onkologischen Schwerpunktpraxen – eine Querschnittserhebung. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2019, online erschienen 13.12.2019


Quelle: Georg Thieme Verlag KG

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