Risiko bei Gestationsdiabetes: Hypertonie, Diabetes, Stoffwechselstörungen

Gestationsdiabetes, Schwangerschaftsdiabetes, erhöht bei betroffenen Frauen das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, und später für Hypertonie und Diabetes Typ 2 sowie Stoffwechselstörungen.

Ein Gestationsdiabetes, auch als Schwangerschaftsdiabetes bekannt, identifiziert nicht nur Frauen mit einem ­höheren Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, sondern auch jene mit einem hohen Risiko, später Diabetes Typ 2, Hypertonie, Stoffwechselstörungen und damit auch Gefäßkomplikationen zu entwickeln. Das Risiko, innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Entbindung einen manifesten Typ-II-Diabetes zu entwickeln, liegt bei 50%. Bereits nach der Geburt ist ein erheblicher Anteil der Frauen selbst bei normaler Glucosetoleranz insulinresistent und erfüllt die Kriterien des metabolischen Syndroms.

 

Stoffwechselstörung und Gestationsdiabetes

Typischerweise findet man bei Frauen nach Gestationsdiabetes ein atherogenes Lipidprofil mit niedrigem HDL-Cholesterin und gering bis mäßig erhöhte Triglyzeridspiegel. Außerdem bereits Zeichen einer Gerinnungsstörung mit erhöhten PAI-Spiegeln im Vergleich zu Frauen ohne Stoffwechselstörung in der Schwangerschaft.

Erhöhte Entzündungsmarker, wie ein erhöhtes sensitives CRP, und erhöhte Zytokinspiegel sowie ungünstige Veränderungen im Adipozytokin-Muster lassen sich, ebenso wie eine Endotheldysfunktion oder eine Verdickung der Intima-Media-Dicke, im Carotis-Ultraschall in klinischen Studien nachweisen.

 

Gestationsdiabetes und Hypertonie in der Schwangerschaft

Frauen mit Gestationsdiabetes haben auch häufiger eine Hypertonie in der Schwangerschaft. Diese ist wiederum oft ein Vorläufer einer chronischen Hypertonie und auch kardiovaskulärer Komplikationen im späteren Leben ist. Die Women’s Health Study belegte, dass der Ausgangsblutdruck oder ein Blutdruckanstieg unabhängige Risikofaktoren für die Entwicklung eines manifesten Typ-II-Diabetes waren. Andere epidemiologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass gerade bei Frauen die postprandiale Hyperglykämie sowie die frühzeitige Kombination einer Glucosestoffwechselstörung mit anderen Risikofaktoren des metabolischen Syndroms mit der Entwicklung einer kardiovaskulären Erkrankung einhergehen.

 

Erhöhtes kardiovaskuläres Risiko

Rauchen, Diabetes, Schwangerschaftshypertonie und die Einnahme oraler Kontrazeptiva erhöhen bei prämenopausalen Frauen das kardiovaskuläre Risiko. Bei milden Stoffwechselstörungen sowie bei manifester diabetischer Stoffwechsellage steigt das kardiovaskuläre Risiko bei Frauen in jeder Altersgruppe stärker an als bei Männern.

Postmenopausale Frauen haben generell ein ähnlich hohes kardiovaskuläres Risiko wie Männer. Die kardiovaskuläre Mortalität nimmt bei Frauen aber trotz verbesserter Prävention und Therapiemaßnahmen in aktuellen Erhebungen weniger ab als bei Männern, weswegen insbesondere Frauen nach Gestationsdiabetes regelmäßig nachuntersucht werden sollen.


Literatur:

Egan AM, Dow ML, Vella A. A Review of the Pathophysiology and Management of Diabetes in Pregnancy [published online ahead of print, 2020 Jul 28]. Mayo Clin Proc. 2020;S0025-6196(20)30202-0. doi:10.1016/j.mayocp.2020.02.019

Francis EC, Li M, Hinkle SN, et al. Adipokines in early and mid-pregnancy and subsequent risk of gestational diabetes. A longitudinal study in a multiracial cohort. BMJ Open Diabetes Res Care. 2020;8(1):e001333. doi:10.1136/bmjdrc-2020-001333

Aburezq M, AlAlban F, Alabdulrazzaq M, Badr H. Risk factors associated with gestational diabetes mellitus. The role of pregnancy-induced hypertension and physical inactivity [published online ahead of print, 2020 Jul 28]. Pregnancy Hypertens. 2020;22:64-70. doi:10.1016/j.preghy.2020.07.010


Quelle:

Gestationsdiabetes und Kardiovaskuläres Risiko. Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer. MEDMIX 1-2/2008.

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