Montag, Februar 26, 2024

Herzviren können Myokarditis und Kardiomyopathie verursachen

Grippaler Infekte und Magen-Darm-Infektionen können direkt das Herz schädigen. Denn kardiotrope Herzviren können eine Myokarditis verursachen.

Die genauen Zusammenhänge zwischen ­einem Krankheitsbild und einer Virusinfektion aufzuklären, ist oft äußerst schwierig – auch im Zusammenhang mit Herzviren. Infektionen durch Herzviren können eine Myokarditis verursachen. In weiterer Folge kann sich aus einer Virusmyokarditis eine dilatative Kardiomyopathie (DCM) entwickeln, die in über 70% der Fälle zu einer Herzinsuffizienz und in der Folge zur Notwendigkeit einer Herztransplantation führt.

 

Enteroviren, Parvovirus B19, Adenoviren oder Herpesviren können sich zu schädigenden Herzviren entwickeln

Verschiedenste Infektionen mit Herzviren werden für einen Teil dieser DCM-Fälle verantwortlich gemacht. So gehören vor allem Enteroviren, Parvovirus B19, Adenoviren oder Herpesviren zum Kreis der Verdächtigen. Aber auch viele andere Viren wurden bereits in Verbindung mit einer Myokarditis oder dilatativen Kardiomyopathie gebracht.

 

Dilatative Kardiomyopathie

Die Pathogenese einer dilatative Kardiomyopathie ist allerdings äußerst schwierig nachzuvollziehen, da sich das Krankheitsbild chronisch entwickelt und oft ohne vorausgehende klinisch manifeste Myokarditis entsteht.

Ein Zusammenhang zwischen Virus­infektion und einer Myokarditis sowie einer dilatativen Kardiomyopathie ist vor allem für das Coxsackie Virus B3, CVB3, bewiesen. Dieses Virus wurde in verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen in Schnitten von Herzmuskelbiopsien sowohl bei akuter Myokarditis als auch bei dilatativer Kardiomyopathie nachgewiesen. So ist die Infektion mit CVB3 ein unabhängiger Voraussagefaktor für eine dilatative Kardiomyopathie.

Nachwievor steht die Frage im Raum, wie die Schädigung der Herzzellen vor allem bei dilatativer Kardiomyopathie geschieht. Eine Möglichkeit wäre die direkte Schädigung von Herzzellen durch Herzviren. Das wäre z.B. durch das Vorhandensein eines bestimmten Virusenzyms der Proteinase 2A denkbar, das in der Lage ist, bestimmte Muskelproteine zu spalten und so Defekte im Muskelaufbau zu verursachen.

Einige Wissenschaftler vermuten, dass es sich bei der Schädigung der Herzzelle eher um ein autoimmunes Geschehen handelt, das durch die Virusinfektion in Gang gebracht wird. Generell ist auch eine genetische Prädisposition für die dilatative Kardiomyopathie bekannt. Es ist deshalb auch nicht auszu­schließen, dass genetische Faktoren für den Verlauf der Virusinfektion im Herzmuskel infrage kommen. Neuerdings verdichten sich auch Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen einer Parvovirus B19-Infektion und dem Auftreten einer Myokarditis.

Im Hinblick auf die offenen Fragen zur virologischen Genese bei Myokarditis und dilatativer Kardiomyopathie scheint eine möglichst frühe und breite virusdiagnostische Abklärung bei entzündlichen Ereignissen im Bereich des Herzmuskels notwendig zu sein. Dafür ist es unbedingt notwendig, nicht nur Serum für den Antikörpernachweis, sondern auch Rachenspülflüssigkeit und Stuhl für den Virusnachweis mittels PCR und der Virusisolierung einzusenden.

 

Praktisch alle Infektionen durch Bakterien und Viren können das Herz schädigen

Herzmuskelentzündungen treten in Europa und in den USA vor allem im Rahmen grippaler Infekte und Magen-Darm-Erkrankungen mit Entero- und Adenoviren auf. Bei etwa zehn Prozent der Patienten mit Herzmuskelentzündung können im Herzen Adenoviren und bei etwa 20 bis 30 Prozent Enteroviren nachgewiesen werden.

Grundsätzlich kann das Herz bei nahezu allen bakteriellen und viralen Infektionskrankheiten in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Symptome sind dann meist uncharakteristisch und äußern sich überwiegend als stechend empfundene Schmerzen im linken Brustbereich, die unabhängig von der körperlichen Belastung auftreten. Weiters kann es zu Herzrhythmusstörungen und bei Belastung zu Atemnot kommen.

Diese Symptome zeigen sich meistens in der Anfangsphase zahlreicher Infektionskrankheiten. Gelegentlich werden asymptomatische Rhythmusstörungen (Sinustachykardie, absolute Arrhythmie, Extrasystolien) oder Wandbewegungsstörungen des Herzmuskels mittels EKG und Echokardiographie auch nur zufällig entdeckt. Diese krankhaften Untersuchungsbefunde verschwinden meistens innerhalb weniger Tage oder Wochen ohne Folgen zu hinterlassen.

 

Entzündung des Herzmuskels kann Herzversagen verursachen

Bestimmte Viren wie z.B. Entero- und Adenoviren können ausgeprägtere Schäden an verschiedenen Strukturen des Herzgewebes (Reizleitungssystem, Herzmuskulatur) hervorrufen. In seltenen Fällen werden durch die Entzündung große Bereiche des Herzmuskels innerhalb weniger Tage und Wochen zerstört, sodass gegen das daraus folgende Herzversagen nur noch eine Herztransplantation helfen kann. In diesen Fällen leiden die Patienten unter schwerer Atemnot und völliger Leistungsunfähigkeit. Auch kommt es zu Wassereinlagerungen in den Körper.

Wenn nach einer Infektion mit Herzviren Herzbeschwerden oder krankhafte Befunde im EKG, im Ultraschall und im Röntgenbild fortbestehen und andere Ursachen ausgeschlossen werden können, liegt der Verdacht auf das Vorhandensein einer chronisch-entzündlichen Herzmuskelerkrankung nahe. Diese muss weiter abgeklärt werden , wobei hier eigentlich nur die sehr aufwendige Untersuchung von Herzmuskelbiopsien zielführend sind, rein histologische Untersuchungen sind in der Regel nicht ausreichend.

 

Langsame Verläufe

Wesentlich häufiger als die – meist dramatisch verlaufende – akute Herzmuskelentzündung sind chronische Entzündungen des Herzmuskels, bei denen die Herzbeschwerden nach den Infekten durch Herzviren nicht verschwinden oder sogar schlimmer werden.

Bei solchen subakut verlaufenden Herzviren-Erkrankungen sind die Symptome der Patienten häufig eine unklare Leistungseinschränkung des Körpers, weiterhin Schmerzen im Brustkorb oder die Atemnot bei körperlicher Belastung.

Das Beschwerdebild steht dabei häufig in keinem Verhältnis zu den medizinischen Befunden – also trotz normaler Befundung durch ein Röntgenbild des Brustkorbes, einem EKG und einer Ultraschalluntersuchung des Herzens klagt der Patient über schwere Atemnot bei Belastung.

Hingegen können bei jungen Patienten krankhafte Veränderungen im Ultraschallbild des Herzens zu sehen sein, ohne das es subjektive Beschwerden gibt.

 

Wie durch Herzviren der Herzmuskel erkrankt

Herzviren befallen die Herzmuskelzellen. Normalerweise gelingt es dem Körper recht schnell, durch Aktivierung des Immunsystems die Herzviren zu eliminieren. Gelingt dies aber nicht. so kann sich ein chronischer Erkrankungsprozess bzw. chronische Schäden am Herzmuskel entwickeln, wobei die Gründe für das Immunsystemversagen noch nicht bekannt sind.

Aber nicht nur Herzviren, sondern auch eine krankhaft übertriebene Immunantwort kann chronische Schäden am Herzmuskelgewebe hervorrufen – eine Autoimmunmyokarditis. Dies geschieht häufig erst nach der erfolgreichen Bekämpfung der Herzviren, wobei sich die durch die Virusinfektion gebildeten Entzündungszellen verselbständigen und gesundes Herzgewebe attackieren.

 

Verlauf der Herzmuskelentzündung

Der Verlauf einer Herz-Muskel-Erkrankung ist schwer voraussagbar. Oft verbessert sich die Krankheit innerhalb von drei bis sechs Monaten und verschwindet. Es gibt aber auch Fälle, bei denen nach einer beschwerdefreien Zeitspanne – das können Monate oder sogar Jahre sein – wiederum Funktionseinschränkungen des Herzens wie Luftnot, Leistungsschwäche und Rhythmusstörungen auftreten. Daher sollten auch beschwerdefreie Patienten, die eine schweren Infektion mit Herzviren überstanden haben, über einen längeren Zeitraum mittels Ultraschall nachkontrolliert werden.

Eine irgendwann entstandene Schädigung des Herzmuskels ist auch unter Behandlung nur bedingt rückbildungsfähig. Einige Patienten entwickeln dann eine chronische Herzschwäche, die zu einer deutlichen Zunahme der Herzgröße führt. Man spricht dann von einer dilatativen Kardiomyopathie, die auch die Hauptursache für die Notwendigkeit einer Herztransplantation darstellt.

 

Molekularbiologische Verfahren und Herzviren

Es gibt keine serologischen oder nichtinvasiven Untersuchungsmethoden wie EKG und Echokardiographie, die die Diagnose einer Myokarditis oder ein Abschätzen des Erkrankungsverlaufes ermöglichen. Sowohl der Virusbefall der Herz-Muskel-Zellen als auch die chronische Entzündungsreaktion des Herzens können wie oben erwähnt nur durch eine Herzmuskelbiopsie erfasst bzw. ausgeschlossen werden. Die schmerzlose Entnahme der Gewebeproben im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung erfolgt in spezialisierten Kliniken und wird heutzutage bei geringem Zeitaufwand ohne wesentliche Risiken für Patienten routinemäßig durchgeführt.

Die alleinige histologische Untersuchung dieser Gewebeproben reicht aber nicht aus. Daher wurde zur Erfassung der chronisch-entzündlichen Herzmuskelentzündung federführend durch Kardiologen des Universitätsklinikums Benjamin Franklin / Freie Universität Berlin die Aufarbeitung der Gewebeproben durch immunhistologische Verfahren erweitert. Doch selbst mit diesen sehr aufwendigen immunhistologischen Verfahren konnte nur in 90 Prozent aller Fälle eine chronischen Herzmuskelentzündung aufgedeckt werden.

Neben der Begutachtung der Gewebeproben mit den erwähnten Verfahren kommen spezielle molekularbiologische Nachweisverfahren (Polymerase Kettenreaktion (PCR)) für die Virusdiagnostik zur Anwendung. Erst durch die Einführung dieser molekularbiologischen Techniken in die Diagnostik der Herzmuskelentzündung gelang es, im Herzmuskelgewebe Herzviren nachzuweisen.

 

Was im Zusammenhang mit Herzviren wichtig ist

Grundsätzlich sollte man verhindern, ist das Herzviren auf den Herzmuskel übergreifen. Daher sollte bei jeder Infektion mit oder ohne Fieber – wie bei Grippe, grippalen Infekten aber Auch Magen-Darm- und Herpes-Infektionen – auf zu viel körperliche Belastung und vor allem Sport verzichtet werden. Dies gilt auch sehr wohl im Kindesalter, wo es oft zu keinelei körperliche Symptomen kommt und dennoch der Herzmuskel mit Herzviren befallen ist.

Vor allem bei einer bereits diagnostizierten Myokarditis ist absolute körperliche Schonung angezeigt und Bettruhe empfohlen. Erst nach Verschwinden körperlicher Funktionseinschränkungen wie Atemnot und Schmerzen in der Brust, kann hier wieder langsam das normale Alltagsleben geführt werden. Ein Infektion mit Herzviren ist jedenfalls ein sehr ernste Sache, die Monate und Jahre lang Beschwerden hervorrufen kann. Die Behandlung des Patienten muss auf jeden Fall von einem kompetenten Experten geleitet und überwacht werden.

Meistens heilt eine Infektion mit Herzviren, eine entstandene Myokarditis, folgenlos aus. Doch manche Fällen werden chronisch und führen zu einer bleibenden Herzschwäche. Bei Entwicklung einer ernsthaften dilatativer Kardiomyopathie kann dies sogar eine Herztransplantation notwendig machen.


Quellen:

http://www.fu-berlin.de

Institut für Virologie der Universität Wien

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