Dienstag, Juli 9, 2024

Sport und gezielte Bewegung gegen Demenz

Bewegung und Sport kräftigen die Patienten, wirken gegen Depressionen sowie Sturzangst, verbessern die geistigen Funktionen und helfen so gegen Demenz.

Dass körperliche Aktivitäten alten Menschen gut tun, ist seit langem bekannt. Verschiedene Studienergebnisse konnten in den letzten Jahre aber auch zeigen, dass Patienten mit Demenz von einem ambulanten Trainingsprogramm mit gezielter Bewegung und Sport profitieren können. In der Behandlung im Krankenhaus nutzt in unseren Breiten die Geriatrie die Prinzipien der Frührehabilitation und Bewegungstherapie nach akuter Erkrankung und Operationen schon länger. Die Teilnahme an wichtigen Aktivitäten wie Sport und Bewegung in der Freizeit helfen schließlich dabei, das Risiko für eine Demenz zu verringern.

 

Sport und Bewegung senken Risiko für eine Demenz

Es gibt somit zunehmend Hinweise darauf, dass die Teilnahme an Freizeitaktivitäten, Sport und Bewegung mit dem Risiko für eine Demenz in Zusammenhang stehen kann. Es ist jedoch nicht bewiesen, Mechanismus dieser Assoziation zugrunde liegen. Man vermutet, dass solche Freizeitaktivitäten zur kognitiven Reserve beitragen können. Tatsächlich stützen beispielsweise mehrere Ergebnisse die Hypothese, dass kognitiv stimulierende Freizeitaktivitäten mit Sport und gezielter Bewegung den Ausbruch von Demenz bei in einer Gemeinschaft lebenden älteren Menschen verzögern können.

Sport und Bewegung bei Alzheimer-Demenz

Die fortschreitende neurodegenerative Erkrankung Alzheimer-Demenz beeinträchtigt das Gedächtnis sowie das kognitive Urteilsvermögen. Betroffene Personen leiden sehr an der erheblichen sozialen Belastung sowie einer erhöhten Morbidität und Mortalität. Aufgrund der schlechten Wirksamkeit von Medikamenten haben Studien Sport und Bewegung als Behandlung für präklinische Alzheimer-Demenz, Alzheimer-Demenz im Spätstadium sowie als Strategie zur Vorbeugung einer Demenz in Betracht untersucht.

Denn körperliche Aktivitäten scheinen die Durchblutung des Gehirns zu verbessern. Damit kann man das Volumen des Hippocampus erhöhen und die Bildung von Nervenzellen (Neurogenese) verbessern.

Prospektive Studien weisen darauf hin, dass körperliche Inaktivität einer der häufigsten vermeidbaren Risikofaktoren für die Entwicklung einer Alzheimer-Demenz ist. Hingegen kann eben ein höheres Maß an körperlicher Aktivität – viel Sport und gezielte Bewegung das Risiko für eine Demenz verringern.

Dementsprechend unterstützt Sport und Bewegung die Behandlung einer Alzheimer-Demenz. Es kommt bei den Patienten zu einer Verbesserung der kognitiven Funktionen, weiter treten weniger neuropsychiatrische Symptome auf. Schließlich nehmen die Betroffenen dadurch auch länger am täglichen Leben teil. Es hat sich zudem gezeigt, dass Sport im Vergleich zu Medikamenten weniger Nebenwirkungen hat und eine bessere Therapietreue der Patienten mit Alzheimer-Demenz bringt.

 

Selbstwirksamkeit unterstützt Patienten gegen Demenz

Die motorischen Fähigkeiten von Patienten mit Demenz verbessern sich durch Sport und Bewegung ähnlich wie bei nicht dementen Teilnehmern. Wobei Patienten mit Demenz, die regelmäßig gezielt Sport treiben und trainieren, deutlich mehr Kraft haben. Das hilft ihnen infolgedessen sehr beim Gehen und Aufstehen. Ein wichtiger zusätzlicher Vorteil ist dabei auch, dass sich Patienten mit Demenz wieder als Menschen erleben, die aus eigener Kraft heraus etwas bewirken können. Ein derartiges Erfolgserlebnis, welches auf das eigene Handeln zurückgeführt werden kann, wird auch als Selbstwirksamkeit bezeichnet.

Unter dem Strich ist diese Selbstwirksamkeit ist im Alter sehr selten. Die Patienten mit Demenz leiden durch Sport und Bewegung sowie Training seltener unter Depressionen. Außerdem kommen sie im Alltag besser zurecht. Dementsprechend wird auch die Gefahr zu stürzen kleiner.

Studienergebnisse zu Selbstwirksamkeit und gezieltem Sport und Bewegung gegen Demenz zeigen, dass derartige Behandlungsmethoden für die Patienten sinnvoll und wichtig sind. Allerdings gibt wes nach wie vor zu wenige erfahrene Trainer, die im Umgang mit den Patienten und mit gezielten Trainingsprogrammen gegen Demenz vertraut sind.


Literatur:

Cammisuli DM, Franzoni F, Scarfò G, Fusi J, Gesi M, Bonuccelli U, Daniele S, Martini C, Castelnuovo G. What Does the Brain Have to Keep Working at Its Best? Resilience Mechanisms Such as Antioxidants and Brain/Cognitive Reserve for Counteracting Alzheimer’s Disease Degeneration. Biology (Basel). 2022 Apr 24;11(5):650. doi: 10.3390/biology11050650. PMID: 35625381; PMCID: PMC9138251.

Cass SP. Alzheimer’s Disease and Exercise: A Literature Review. Curr Sports Med Rep. 2017 Jan/Feb;16(1):19-22. doi: 10.1249/JSR.0000000000000332. PMID: 28067736.

Akbaraly TN, Portet F, Fustinoni S, Dartigues JF, Artero S, Rouaud O, Touchon J, Ritchie K, Berr C. Leisure activities and the risk of dementia in the elderly: results from the Three-City Study. Neurology. 2009 Sep 15;73(11):854-61. doi: 10.1212/WNL.0b013e3181b7849b. PMID: 19752452.

Verghese J, Lipton RB, Katz MJ, Hall CB, Derby CA, Kuslansky G, Ambrose AF, Sliwinski M, Buschke H. Leisure activities and the risk of dementia in the elderly. N Engl J Med. 2003 Jun 19;348(25):2508-16. doi: 10.1056/NEJMoa022252. PMID: 12815136.


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) 

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