Freitag, Januar 16, 2026

Frauengesundheit rückt in den Fokus

In den letzten Jahren konnten Forschungen zur Frauengesundheit zeigen, dass verschiedene Faktoren die Diagnose, Therapie und Behandlung geschlechtsspezifisch beeinflussen.

Frauengesundheit entstammt ursprünglich der Frauenbewegung der 1960er Jahre. Dabei ging es damals um die Rückeroberung, Mitbestimmung und Wissensaneignung des weiblichen Körpers und den damit verbundenen grundlegenden Entscheidungen für das Leben einer Frau zu Sexualität, Schwangerschaft oder Geburt.

Eine große internationale Frauensolidaritätsgemeinschaft engagierte sich für selbstbestimmte Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch. Weitere Themen rankten sich um Fragen der Medikalisierung von »Frauenleiden« wie Depressionen oder Hormonersatztherapie bei Wechselbeschwerden oder damals noch (zu) häufigen Gebärmutterentfernungen.

1992 griff die WHO die Thematik mit einer klaren Aussage einer Betonung von Frauengesundheit als soziale und gesellschaftliche Dimension, die es im Gesundheitssystem und der Forschung mehr zu beachten gilt, auf. Gleichstellung und Frauenrechte sowie die gesellschaftliche Position der Frau und ihre spezifische Lebenssituation mitzudenken, waren die geänderten Paradigmen. Gesundheit und Krankheit haben somit den neutralen geschlechtslosen Blick abgelegt.

 

Frauengesundheit und ­Gender Medizin

Nach und nach machte Frauengesundheitsforschung deutlich, dass viele Faktoren die Diagnose, Therapie und Behandlungsqualität bei Frauen spezifisch anders beeinflussen.

Zum einen fließen sozialisierte Rollenbilder in die Diagnosestellung ein (z.B. Psychiatrie, Kardiologie), zum anderen wurden dank der Gender Medizin, markante biologische Unterschiede transparent (z.B. Symptomatik, Endokrinologie, Neurophysiologie).

Eine große Lücke gibt es nach wievor in der Forschung, daher besteht die Forderung bei klinischen pharmakologischen Tests, Frauen mit in die Untersuchungssamples einzubinden, um den diffizilen Wirkmechanismen Rechnung zu tragen.

Models of good practice

Internationale Programm zur Frauengesundheit haben ihre Arbeitsprogramme auf Schwerpunkte gelegt, die bisher entweder keine Beachtung fanden (Essstörungen, Depressionen bei Frauen, postpartale Depression, körperliche und sexuelle Gewalt), wo die Problematik bei Frauen anders bzw. häufiger ist (Kardiologie, Rheuma, Arthritis, weibliche Krebserkrankungen) oder aber auch Schwerpunkte für spezifisch benachteiligte Zielgruppen (Migrantinnen, wohnungs- oder arbeitslose Frauen, Frauen mit Behinderung). Frauengesundheit realisiert im besonderen Maße Public-Health-Strategien unter Einbindung von Frauengesundheitszentren und NGOs.

Ein Erfolgsrezept von zahlreichen Frauengesundheitsinitiativen ist, dass Frauen sensibler auf ihren Körper und Gesundheitsthemen reagieren, eine große Akzeptanz an Unterstützungsangeboten quer durch alle Schichten und Altersgruppen zu verzeichnen ist und die Programme von solidarischen und engagierten ExpertInnen im interdisziplinären Schulterschluss mit der Gender Medizin entwickelt und umgesetzt werden. Frauengesundheit ist zwar mittlerweile gut etabliert, dennoch gibt es in Bezug auf Forschung und Lehrstühle noch Handlungsbedarf.


Quellen:

Aktualisiert aus Frauengesundheit, MEDMIX 6/2008, Autorin Univ.-Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger.

Weltgesundheitsorganisation. http://www.who.int/topics/womens_health/en/

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