Freitag, April 19, 2024

Wirksame Maßnahmen gegen Demenz helfen, ein Drittel aller Fälle zu vermeiden

Die The Lancet-Kommission stellte unter Beweis, dass man mit den richtigen Maßnahmen gegen Demenz ein Drittel aller Fälle potenziell vermeiden könnte.

Die International Commission on Dementia Prevention, Intervention and Care oft The Lancet bekräftigte in den letzten Jahren, dass man mit den richtigen wirksamen Maßnahmen gegen Demenz über ein Drittel aller weltweiten Erkrankungen durch eine Änderung bestimmter Lebensstilfaktoren, die sich auf das individuelle Erkrankungsrisiko auswirken, vermutlich vermeiden könnte. Diese potenziell beeinflussbaren Risikofaktoren konnte man über mehrere Lebensphasen hinweg und nicht nur im Alter identifizieren.

Die bestehenden Ergebnisse geben jedenfalls Anlass zur Hoffnung. Denn auf individueller Ebene besteht für viele Menschen das Potenzial, ihr Risiko eines Abbaus kognitiver Fähigkeiten und vielleicht sogar von Demenz durch einfache, gesundheitsfördernde Maßnahmen und Verhaltensänderungen zu reduzieren. Auf Ebene der öffentlichen Gesundheit könnten Maßnahmen gegen Demenz, die auf diesen Erkenntnissen beruhen, einen enormen Einfluss auf das Management der weltweiten menschlichen und wirtschaftlichen Kosten von Alzheimer und anderen Demenz-Erkrankungen haben.




Vitamin D gegen Demenz wie Alzheimer und psychische Erkrankungen

Vitamin D-Mangel kann als negative Auswirkung das Entstehen einer Demenz fördern. © Kedar Shukla / shutterstock.com
Vitamin D-Mangel kann als negative Auswirkung das Entstehen einer Demenz fördern. © Kedar Shukla / shutterstock.com

Vitamin-D-Mangel erhöht das Alzheimer-Risiko beträchtlich, doch ob auch hohe Konzentrationen an Vitamin D gegen Demenz helfen können, ist unklar. Mehr dazu unter https://medmix.at/vitamin-d-gegen-demenz/


The Lancet International Commission on Dementia Prevention, Intervention and Care

The Lancet-Kommission brachte renommierte internationale Experten zusammen. Diese sollten die riesigen Fortschritte einordnen, die hinsichtlich der aktuell bestehenden Kenntnisse zu den Risikofaktoren von Demenz bestehen. Zudem sollten sie eine entsprechende Behandlung und Betreuung vorschlagen. Infolgedessen sollte man das entstehende Wissen bezüglich der Prävention und dem Management mit Demenz besser konsolidieren können.

Die Kommission führte eine Überprüfung und Meta-Analyse durch. Anhand derer weiteten Experten die aktuellen Risikomodelle aus. Durch die Einbeziehung potenziell beeinflussbarer Risikofaktoren aus allen Lebensphasen konnte man ein neuartiges Risikomodell unterbreiten, das den gesamten Lebensverlauf umschließt und Möglichkeiten zur Vorbeugung auftut. Im Jahr 2020 kamen zu den bekannten Risikofaktoren

  • weniger Bildung,
  • Bluthochdruck,
  • Hörbehinderung, Gehörverlust
  • Rauchen,
  • Fettleibigkeit,
  • Depression,
  • Bewegungsmangel,
  • Diabetes und
  • geringe soziale Kontakte beziehungsweise soziale Isolierung

drei weitere dazu:

  • übermäßiger Alkoholkonsum,
  • traumatische Hirnverletzungen sowie
  • Luftverschmutzung.

MIND-Diät: Mediterrane Ernährung gegen Alzheimer Demenz

Die MIND-Diät halbiert das Alzheimer-Risiko und reduziert das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. © Nataliya Arzamasova / shutterstock.com
Die MIND-Diät halbiert das Alzheimer-Risiko und reduziert das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. © Nataliya Arzamasova / shutterstock.com

Die Mediterrane Ernährung soll gegen die Alzheimer Demenz helfen, speziell die MIND-Diät verlangsamt den altersbedingten kognitiven Abbau. Mehr dazu unter https://medmix.at/mediterrane-diaet-gegen-alzheimer/


Effektive Maßnahmen gegen Demenz-Erkrankungen

Die Experten bieten verschiedene effektive Maßnahmen gegen Demenz-Erkrankungen. Einschließlich eines praktischen Evidenz-basierten Leitfadens zur Reduzierung des Demenzrisikos. Folgende Maßnahmen zählen beispielsweise zu den wichtigsten Empfehlungen gegen Demenz-Erkrankungen.

Starke Förderung von Prävention.

Interventionsmaßnahmen für etablierte Risikofaktoren können potenziell ein Drittel aller Demenz-Erkrankungen verzögern oder sogar vermeiden.

Behandlung kognitiver Symptome.

Um die kognitiven Fähigkeiten zu maximieren, sollte Menschen mit einer Alzheimer- oder Lewy-Körper-Demenz während aller Phasen Cholinesterase-Hemmer bzw. bei schwerer Demenz Memantin angeboten werden.

Individuelle Demenzbetreuung.

Eine gute Betreuung von Demenz-Erkrankungen umspannt medizinische, soziale und unterstützende Pflege und sollte auf sehr individuelle und kulturelle Bedürfnisse, Vorlieben und Prioritäten ausgerichtet sein.

Betreuung von pflegenden Angehörigen.

Pflegende Angehörige haben ein hohes Risiko für Depression. Effektive Interventionsmaßnahmen reduzieren dieses Risiko und behandeln die Symptome und sollten daher zugänglich gemacht werden.

Für die Zukunft planen.

Demenz-Erkrankte und ihre Familien wissen Gespräche über die Zukunft und wichtige anstehende Entscheidungen sehr zu schätzen.

Umgang mit neuropsychiatrischen Symptomen.

Der Umgang mit neuropsychiatrischen Symptomen von Demenz, einschließlich Agitiertheit, Verstimmungen oder Psychose, ist gewöhnlich psychologisch und sozial ausgerichtet sowie umweltorientiert, wobei eine medikamentöse Behandlung für ernsthaftere Symptome vorbehalten ist.

Sterbebegleitung in Betracht ziehen.

Ein Drittel älterer Menschen stirbt jedenfalls mit einer Demenz-Erkrankung. Dementsprechend ist es entscheidend, dass Fachkräfte für Sterbebegleitung prüfen, ob ein Patient an Demenz leidet. Denn womöglich ist die betroffene Person dann nicht in der Lage sind, Entscheidungen bezüglich ihrer Betreuung zu treffen. Oder ihre Bedürfnisse und Wünsche zu äußern.




Grüner Tee und Bewegung helfen gegen Alzheimer Demenz

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Grüner Tee und Bewegung kann gegen das Fortschreiten einer Alzheimer-Demenz helfen, der Inhaltstoff EGCG könnte zu neuen Therapien bei Alzheimer führen. Mehr dazu unter https://medmix.at/gruener-tee-und-bewegung-gegen-alzheimer/


Fokus auf die Prävention mittels effektiver Maßnahmen gegen Demenz

The Lancet-Kommission hat ein neuartiges auf der gesamten Lebensdauer basierendes Risikomodell für Demenz-Erkrankungen eingeführt, dass Interventionsmaßnahmen aufzeigt, die womöglich die kognitiven Fähigkeiten maximieren, mit Besorgnis verbundene Symptome verringern, zu weniger Krisen verhelfen und die Lebensqualität verbessern. Das Team stellt Schätzungen dazu an, inwiefern jeder Risikofaktor zur Gesamtinzidenz von Demenz auf Ebene der Bevölkerung beiträgt. Die bisherigen kombinierten Ergebnisse zeigen, dass rund 35 Prozent aller Demenzerkrankungen neun potenziell beeinflussbaren Risikofaktoren zugeschrieben werden können. Viele dieser Risikofaktoren treten zu bestimmten Lebensphasen auf, aber andere, wie z. B. Rauchen und Bluthochdruck, können während aller Lebensphasen einen Unterschied machen. Die neun beeinflussbaren Risikofaktoren umschließen:

  • Frühe Lebensphase – Bildung bis mindestens 15 Jahre

  • Mittlere Lebensphase – Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Gehörverlust

  • Spätere Lebensphase – Depression, Diabetes, Bewegungsmangel, Rauchen, wenig soziale Kontakte

Risikofaktoren, die häufiger auftreten, wirken sich prozentual stärker auf das Erkrankungsrisiko auf Bevölkerungsebene aus. Beispielsweise schätzen die Autoren, dass acht Prozent (8 %) aller Demenz-Erkrankungen mit einer schlechten frühen Schulbildung und fünf Prozent (5 %) mit Rauchen in Verbindung stehen könnten. Während der Mechanismus, der Bildung, Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen mit Demenz verbindet, relativ gut verstanden wird, gelten Gehörverlust als anerkannter potentieller Risikofaktor und die dazugehörige Forschung noch immer als neu.


Kognitive Flexibilität erhöhen: Omega-3-Fettsäuren gegen Demenz

Durch Omega-3-Fettsäuren verbesserte sich in einer aktuellen Studie die kognitive Leistungsfähigkeit stärker als unter Placebo. © Rido / shutterstock.com
Durch Omega-3-Fettsäuren verbesserte sich in einer aktuellen Studie die kognitive Leistungsfähigkeit stärker als unter Placebo. © Rido / shutterstock.com

Omega-3-Fettsäuren erhöhen die kognitive Flexibilität und können so gegen Demenz wirken, eine gesunde Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle. Mehr dazu unter https://medmix.at/omega-3-fettsaeuren-bei-demenz


Empfehlungen für Maßnahmen gegen Demenz und Strategien zu Gesundheit und kognitiven Fähigkeiten

Die Kommission  unterbreitete Empfehlungen für zielgerichtete öffentliche Gesundheitsstrategien. Denn diese Maßnahmen sollten nach Erwartungen der Forscher die globale Last von Alzheimer und anderen Demenz-Erkrankungen erheblich senken können.

Die Autoren raten beispielsweise stark zu einer gründlichen Behandlung von Bluthochdruck bei Personen mittleren und fortgeschrittenen Alters, die nicht an Demenz leiden.

Andere Interventionsmaßnahmen umschließen eine bessere Bildung während der Kindheit, regelmäßige Bewegung, das Pflegen sozialer Kontakte, mit dem Rauchen aufhören. Weiter den richtigen Umgang mit Gehörverlust, Depression, Diabetes und Fettleibigkeit.

„Während staatliche Gesundheitsmaßnahmen nicht alle potenziell beeinflussbaren Risikofaktoren einer Demenzerkrankung oder kardiovaskuläre Risiken beheben können, könnten geistige Gesundheit und ein gesundes Hörvermögen den Ausbruch für viele Menschen um viele Jahre verzögern“, erklärte Professor Gill Livingston, MD, vom University College London und Autor der The Lancet-Kommission. „Selbst wenn sich ein Teil dieses Versprechens als wahr erweist, könnte dies einen riesigen Unterschied machen, und wir haben bereits bei einigen Populationen gesehen, dass Demenz sich um Jahre verzögert. Die Demenzprävalenz könnte sich halbieren, wenn der Krankheitsausbruch um fünf Jahre verzögert würde.“



 

Generell stehen die Chancen für Vorbeugung – und sobald jemand an Demenz erkrankt – für eine hochwertige, zugängliche Betreuung aktuell gut

Das weltweite Auftreten von Demenz könnte man um Millionen Fälle reduzieren, wenn man die Häufigkeit von sieben grundlegenden Gesundheits- und Lebensstilfaktoren um zehn Prozent verringern könnte. Eine wirksame Maßnahme gegen Demenz, die eine Demenzerkrankung um ein Jahr verzögert, könnte beispielsweise die Anzahl von weltweit an Demenz erkrankten Personen bis 2050 um neun Millionen verringern.

Effektive Maßnahmen gegen Demenz zur Vorbeugung sowie eine entsprechende Betreuung und Behandlung könnte die Zukunft der Gesellschaft verändern. Zudem könnte sie Leben und Tod für Demenzerkrankte und deren Familien erheblich verbessern.


Montessori für Senioren und Menschen mit Demenz

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Montessori für Senioren und Menschen mit Demenz nutzt Methoden und Techniken, um das Gedächtnis erfolgreich zu trainieren und die Lebensqualität zu verbessern. Mehr dazu unter https://medmix.at/montessori-fuer-senioren/


Literatur:

Livingston G, Huntley J, Sommerlad A, Ames D, Ballard C, Banerjee S, Brayne C, Burns A, Cohen-Mansfield J, Cooper C, Costafreda SG, Dias A, Fox N, Gitlin LN, Howard R, Kales HC, Kivimäki M, Larson EB, Ogunniyi A, Orgeta V, Ritchie K, Rockwood K, Sampson EL, Samus Q, Schneider LS, Selbæk G, Teri L, Mukadam N. Dementia prevention, intervention, and care. 2020 report of the Lancet Commission. Lancet. 2020 Aug 8;396(10248):413-446. doi: 10.1016/S0140-6736(20)30367-6. Epub 2020 Jul 30. PMID: 32738937; PMCID: PMC7392084.

Orgeta V, Mukadam N, Sommerlad A, Livingston G. The Lancet Commission on Dementia Prevention, Intervention, and Care: a call for action. Ir J Psychol Med. 2019 Jun;36(2):85-88. doi: 10.1017/ipm.2018.4. PMID: 31187723.

Livingston G, Sommerlad A, Orgeta V, Costafreda SG, Huntley J, Ames D, Ballard C, Banerjee S, Burns A, Cohen-Mansfield J, Cooper C, Fox N, Gitlin LN, Howard R, Kales HC, Larson EB, Ritchie K, Rockwood K, Sampson EL, Samus Q, Schneider LS, Selbæk G, Teri L, Mukadam N. Dementia prevention, intervention, and care. Lancet. 2017 Dec 16;390(10113):2673-2734. doi: 10.1016/S0140-6736(17)31363-6. Epub 2017 Jul 20. PMID: 28735855.

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