Samstag, April 20, 2024

Mikrobiom – wichtiger Gesundheitsfaktor

Das Mikrobiom als wichtiger Faktor für körperliche und psychische Gesundheit – Sounds and Science-Veranstaltung „Musik und Darm“ am 18. Juni im Wiener Konzerthaus

In und auf dem menschlichen Körper leben etwa zehnmal mehr Mikroorganismen, als wir eigene Zellen besitzen. Sie bilden das Mikrobiom. Allein im Darm sind rund hundert Billionen Bakterien angesiedelt. Viele dieser Keime sind nützlich und helfen zum Beispiel bei der Verdauung. Ein Ungleichgewicht zwischen „guten“ und „bösen“ Keimen kann aber nach heutigem Stand des Wissens u.a. bei der Entwicklung von Depressionen, Diabetes oder Stoffwechselerkrankungen eine Rolle spielen.

Im Mittelpunkt stehen die drei großen Komponisten Ludwig van Beethoven, Modest Mussorgsky und Igor Strawinsky, die alle an chronischen Darm- bzw. Lebererkrankungen litten. Zu diesem Themenbereich gibt es spannende Vorträge von MedUni Wien-ForscherInnen sowie von Herbert Tilg von der Medizinischen Universität Innsbruck, der die Key Note Lecture zum Thema Mikrobiom („Die wunderbare Welt des Mikrobioms“) hält.

Darm als Ursprung von Depressionen

Der Magen-Darm-Trakt kommuniziert über mehrere Informationskanäle mit dem Gehirn: über Hormone, Immunbotenstoffe, sensorische Neurone, aber auch über Signale des Darmmikrobioms. Die Signale, die über diese Bahnen transportiert werden, haben Auswirkungen auf die Stimmungslage, Emotionen, den Appetit, aber auch auf kognitive Prozesse. Petra Munda: „Es gab ein sehr interessantes Experiment von kanadischen Forschern: Ängstlichen Mäusen wurde der Stuhl von mutigen Tieren übertragen. Danach waren sie mutiger. Auch Depressionen können ihren Ursprung im Darm haben.“

Aber auch Stress beeinflusst das Mikrobiom ungünstig, wie kanadische ForscherInnen in einer aktuellen Studie zuletzt feststellten. Musik hat eine vielfältig eingesetzte Wirkung und Musiktherapie ist bei verschiedensten psychischen und physischen Erkrankungen gut etabliert. So wird zum Beispiel in der Bauchhypnose bei Reizdarmsyndrom immer entspannende Begleitmusik verwendet. Daher sind sich die MedUni Wien-ForscherInnen einig: „Auch wenn es derzeit keine aktuellen Studien dazu gibt, aber wir als Musikliebhaber sind uns sicher: Musik wirkt beruhigend auf Magen und Darm.“

Die Idee hinter „Sounds and Science“

Die Idee zu der ungewöhnlichen Konzertreihe hatten ein Musiker, zwei Ärzte und ein Arzt/Musiker der MedUni Wien: Der Philharmoniker Thilo Fechner, die beiden Ärzte bzw. Wissenschafter Marcus D. Säemann und Gere Sunder-Plassmann von der MedUni Wien sowie Arzt und Musiker Manfred Hecking, alle von der Universitätsklinik für Innere Medizin III. Sie interessieren sich für die Krankheiten weltberühmter Komponisten und wollen darüber hinaus die Wissenschaft „zu Gehör“ bringen. Ob das Schaffen der Komponisten mit ihren Erkrankungsgeschichten in Zusammenhang steht, ist dabei unwesentlich. Wichtig ist vielmehr, dass Menschen neue Erkenntnisse über Erkrankungen sowie den neuesten Stand der Forschung im Kontext der Musik neu erleben und verstehen.

Termin:

„Das Mikrobiom beeinflusst viel mehr als bisher gedacht, unter anderem werden wir uns der Bedeutung der ‚Darm-Hirn-Achse‘ immer mehr bewusst“, erklärt Petra Munda, Expertin für Gastroenterologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien anlässlich der „Sounds and Science“-Veranstaltung unter dem Motto „Musik und Darm“ am 18. Juni (18 Uhr) im Wiener Konzerthaus.

Sounds and Science – Musik und Darm am 18.6. 2016. Wiener Konzerthaus, Juni 18. Juni 2016, 18:00 Uhr, Mozart-Saal im Wiener Konzerthaus. Gespielt werden Werke von Ludwig van Beethoven, Modest Mussorgsky und Igor Strawinsky.

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