Autoinflammatorisches Syndrom bei Kindern: Symptome und Therapie

Ein Autoinflammatorisches Syndrom verursacht bei Kindern verschiedene Symptome, ohne richtige Therapie können bleibende Gelenkschäden entstehen.

Ein Autoinflammatorisches Syndrom beruht auf ererbte Gendefekte und tritt meist bereits im Säuglingsalter und bei kleinen Kindern auf. Es zeigt keine autoaggressive Immunzellen, sondern die Entzündungen werden durch eine angeborene Immunsystemstörung verursacht. Kindern kann jedenfalls viel Leid erspart werden, wenn Mediziner bei auftretenden Symptome frühzeitig an rheumatische Erkrankungen und an ein Autoinflammatorisches Syndrom denken, um die richtige Therapie einleiten zu können.



 

Autoinflammatorisches Syndrom: keine Autoimmunerkrankung

Ein Autoinflammatorisches Syndrom nimmt unter den rheumatischen Erkrankungen eine Sonderrolle ein. Rheumaerkrankungen beruhen als Autoimmunerkrankungen in der Regel darauf, dass sich das Immunsystem der Betroffenen gegen körpereigene Strukturen richtet und so erhebliche Beschwerden verursachen kann. Ein Autoinflammatorisches Syndrom zeigt jedoch keine autoaggressive Antikörper oder Immunzellen. Vielmehr werden die Entzündungen durch eine Störung des angeborenen Immunsystems verursacht.

Autoinflammatorische Syndrome beruhen auf ererbte Gendefekte und treten meist bereits im Säuglingsalter auf. Sie können zu Entwicklungsverzögerungen führen, Schäden an Gelenken, dem zentralen Nervensystem, dem Gehör und anderen Organen verursachen oder gar tödlich verlaufen.

 

Verschiedene Autoinflammationssyndrome

Verschiedene Autoinflammationssyndrome unterscheiden sich deutlich im Hinblick auf ihre genetische Ursache und die Symptomatik. Bereits länger bekannt sind

  • das Familiäre Mittelmeerfieber (FMF),
  • das Mevalonatkinase-Mangelsyndrom (HIDS),
  • das Tumornekrosefaktoralpha-assoziierte periodische Fiebersyndrom (TRAPS) oder
  • das Cryopyrin assoziierte periodische Fiebersyndrom (CAPS).

In den letzten Jahren wurden dabei zunehmende Genvarianten nachgewiesen, deren klinische Relevanz noch nicht klar ist. Mithilfe molekulargenetischer Methoden konnten weitere, bislang unbekannte Autoinflammatorische Syndrome, wie das DIRA-, das DITRA- oder das PAPA-Syndrom identifiziert werden.

All diese Erkrankungen beruhen auf erblichen Störungen von Entzündungsabläufen. Dabei kommt es zu überschießenden Reaktionen von Zellen des angeborenen Immunsystems mit teilweise extrem starken entzündlichen Reaktionen.



 

Symptome und Therapie bei einem Autoinflammatorischen Syndrom bei Kindern

Das wichtigste Symptom bei einem autoinflammatorischen Syndrom ist das Fieber unklarer Ursache (FUO), das wiederkehrende Fieberschübe mit unterschiedlicher Dauer und Häufigkeit verursacht. Diese Fieberschübe sowie Lymphknotenschwellungen, Hautausschläge sowie auch starke Schmerzen (Bauchschmerzen)  ordnen Ärzte oft falsch Infektionen zu.

Die Therapie der Symptome bei Autoinflammatorischem Syndrom ist dann oft unzureichend und gerade auch für Kinder aufgrund drohender Langzeitfolgen gefährlich. Denn da die Diagnose der seltenen genetisch bedingten Rheuma-Erkrankung oft spät erfolgt, können schwere Folgeschäden entstehen, wie bleibende Deformationen der Gelenke.

Aus der besseren Kenntnis der Krankheitsursachen ergeben sich auch neue Möglichkeiten der Therapie. Wurden Autoinflammatorische Syndrome bis vor wenigen Jahren hauptsächlich mit Entzündungshemmern wie Colchizin und Cortison behandelt, stehen heute auch spezielle Interleukin 1- oder Interleukin 6-hemmende Substanzen zur Verfügung, die weniger Nebenwirkungen verursachen.

Einige AIS lassen sich auch mit so genannten Januskinasen-Inhibitoren behandeln, einer ebenfalls neuen Wirkstoffgruppe, die entzündungsfördernde Signalwege unterbricht. Mit den neuen Substanzen und Wirkstoffkombinationen lassen sich Symptome und Folgeschäden bei vielen AIS-Patienten abmildern oder gar verhindern.

 

Interleukin 1b im Blickpunkt der Forschung

Laut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Institute for Research in Biomedicine in Bellinzona, Schweiz können Immunzellen durch den Einfluss bestimmter Mikroorganismen antientzündliche Eigenschaften entwickeln.



Die Forschenden konnten nachweisen, dass bestimmte Pilze Immunzellen, die an der Entstehung dieser Erkrankungen beteiligt sind, aktivieren, während andere Mikroorganismen, insbesondere Bakterien, die natürlicherweise unsere Haut besiedeln, ihnen eine antientzündliche Funktion verleihen.

Damit zeigte sich nicht nur, dass die Zusammensetzung unserer Mikroflora einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung chronischer Erkrankungen hat. Sondern auch, dass die entscheidenden krankheitsverursachenden Zellen einen antientzündlichen ‚Zwilling‘ entwickeln können.

Patienten mit autoinflammatorischen Syndrom (beispielsweise CAPS-Syndrom, Muckle-Wells Syndrom, Schnitzler-Syndrom) weisen eine Überproduktion von Interleukin 1b auf, diese Patienten, vor allem Kinder, leiden wie oben beschrieben an multiplen Symptomen wie Fieber, Arthritis und Hautausschlägen. Die genaue Entwicklung dieser Krankheiten ist jedoch noch weitgehend ungeklärt.

Die Forschenden testeten, ob eine Therapie mit Antikörpern, die Interleukin 1b blockiert, ein antientzündliches Potential in den Immunzellen generieren kann. Tatsächlich produzierten die Immunzellen nach Einleitung dieser Therapie entzündungshemmende Immunbotenstoffe. Sie entwickelten sogar ein Gedächtnis dafür, die Botenstoffe über lange Zeiträume auszuschütten.

Jedenfalls stellt sich Interleukin 1b als ein entscheidender molekularer Schalter dar. Die Forschenden sehen großes Potential in der Therapie entzündlicher Erkrankungen über die Blockade des Botenstoffes Interleukin 1b. Im Gegensatz zu anderen Immuntherapien führt dies nicht zu einer Immunschwächung, sondern erlaubt den Zellen stattdessen, bei Bedarf antientzündlich zu reagieren ohne ihre Fähigkeit zu verlieren, gefährliche Krankheitserreger zu bekämpfen.




Literatur:

Schena F, Penco F, Volpi S, et al. Dysregulation in B cell responses and T follicular helper cell function in ADA2 deficiency patients [published online ahead of print, 2020 Jul 24]. Eur J Immunol. 2020;10.1002/eji.202048549. doi:10.1002/eji.202048549

Brown I, Finnigan NA. Fever of Unknown Origin (FUO). In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls [Internet] December 16, 2019.

Manuel Unger, Georgios Karanikas, Andreas Kerschbaumer, Stefan Winkler, Daniel Aletaha. Fever of unknown origin (FUO) revised. Wien Klin Wochenschr. 2016; 128(21): 796–801. Published online 2016 Sep 26. doi: 10.1007/s00508-016-1083-9

Zielinski CE, Mele F, Aschenbrenner D, Jarrossay D, Ronchi F, Gattorno M,Monticelli S, Lanzavecchia A, Sallusto F. Pathogen-induced human T(H)17 cells produce IFN-γ or IL-10 and are regulated by IL-1β. Nature. 2012 Apr 1. doi: 10.1038/nature10957.

 

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