Sonntag, März 3, 2024

Training zu Achtsamkeit im professionellen Sport

Training zu Achtsamkeit im professionellen Sport ist effektiver ist als die klassischen sportpsychologischen Programme.

Unter dem Strich soll ein neu entwickeltes Programm zum Training von Achtsamkeit im professionellen Sport den Sportlerinnen und Sportlern dabei helfen, die Konzentrationsfähigkeit und den Umgang mit Stress zu verbessern. In einer experimentellen Studie hat man dazu 46 Studierende der Sportwissenschaft per Zufall entweder das Achtsamkeitstraining, oder einer Vergleichsgruppe zugewiesen. Das achtwöchige Achtsamkeitstraining beinhaltete praktische Meditationsübungen und Informationen über die psychologischen Wirkmechanismen von Achtsamkeit. In der Vergleichsgruppe erlernten und erprobten die Teilnehmer zur selben Zeit klassische sportpsychologische Techniken wie Visualisierung und den Aufbau von Selbstvertrauen.

Wöchentliche Auswertungen der Fragebögen belegten, dass die Teilnehmer des Achtsamkeitskurses eine steigende achtsame Wahrnehmung entwickelten. In der Vergleichsgruppe jedoch sanken die Werte auf der Achtsamkeitsskala deutlich, womöglich bedingt durch den steigenden Stresspegel der Studenten im Verlauf des Semesters.

 

Achtsamkeitstraining zur Stressprävention

Den Ergebnissen zufolge eignet sich das Achtsamkeitstraining tatsächlich zur Stressprävention. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Training der Achtsamkeit effektiver ist als klassisches Sport-psychologisches Training. Die Forscher der Humboldt-Universität planen nun, in weiteren Studien die genauen Wirkmechanismen des Trainings und seine langfristigen Effekte zu untersuchen.

 

Was ist Achtsamkeit?

Im Grunde genommen definiert man Achtsamkeit als Fokus der eigenen Aufmerksamkeit auf die augenblickliche Situation oder Erfahrung. Das Ziel dabei ist ein Verweilen im Hier und Jetzt, ohne die empfundenen Gefühle, Gedanken oder Wahrnehmungen zu bewerten. Achtsamkeit basierte Techniken haben viele Parallelen zu den etablierten Sport-psychologischen Methoden. Man wendet sie aber eigentlich mit einer anderen Zielsetzung an.

Während etwa die gängige Methode der Aktivationsregulation darauf abzielt, den Erregungszustand zu verändern, versucht die achtsame Meditation nicht, diesen Zustand zu beeinflussen. Anstatt negative Gedanken und Emotionen zu beseitigen und positive Gedanken und Emotionen zu kontrollieren, zielt der achtsamkeitsbasierte Ansatz auf ein nichtbewertendes Bewusstsein und die Akzeptanz des eigenen psychischen Zustands ab.

 

Achtsamkeit im professionellen Sport

Trotz vereinzelter Bekenntnisse aus dem professionellen Sport galten die Praktiken der Achtsamkeit und der Meditation lange als religiös-spirituell und unwissenschaftlich. Erst durch die Aufnahme achtsamkeitsbasierter Verfahren in das Repertoire der klinischen Psychologie und eine systematische Überprüfung ihrer Wirksamkeit hat sich ihr Image gewandelt. Denn die Ergebnisse von Evaluationsstudien zeigen, dass das Achtsamkeitstraining sowohl in klinischen als auch in nicht-klinischen Populationen zur Reduzierung der Symptome von Stress, Angst und Depression führt. Außerdem hilft es dabei, einen effektiven Umgang mit Emotionen zu schulen.

In der Folge hat sich eine Diskussion über die Möglichkeiten eines Einsatzes der Achtsamkeit basierten Verfahren im professionellen Sport auch in den wissenschaftlichen Kreisen der Sportpsychologie entwickelt. Da ein effektiver Umgang mit eigenen Emotionen und Gedanken eine Voraussetzung für Höchstleistungen ist, liegt eine Übertragung dieses Konzepts auf den sportpsychologischen Kontext auf der Hand.


Literatur:

Jekauc, D. , Kittler, C. and Schlagheck, M. (2017) Effectiveness of a Mindfulness-Based Intervention for Athletes. Psychology, 8, 1-13. doi: 10.4236/psych.2017.81001.

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