Wildpilze in Deutschland und Österreich

Wildpilze filtern vermehrt Schwermetalle aus dem Erdboden – die Belastung mit Schwermetallen ist vergleichsweise hoch, maßvoll verzehren ist daher angebracht.

Wildpilze wie Steinpilze, Pfifferlinge, Morcheln oder Schwammerln filtern natürlicherweise vermehrt Schwermetalle, insbesondere Quecksilber, aus dem Erdboden heraus, auf dem sie wachsen. Die Belastung mit Schwermetallen ist daher bei ihnen im Vergleich zu anderen Lebensmitteln hoch, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilte. Auch eine Radioaktive Belastung ist in Deutschland regional noch denkbar.

 

Wildpilze gezielt auf Blei, Cadmium, Quecksilber, Aluminium, Arsen und Nickel untersucht

Die Lebensmittelüberwachungsämter der deutschen Bundesländer haben im Rahmen verschiedener bundesweit koordinierter Überwachungsprogramme gezielt Wildpilze auf ihren Gehalt an Blei, Cadmium, Quecksilber, Aluminium, Arsen und Nickel untersucht. In allen 164 Proben aus dem Jahr 2013 wurden von frischen und tiefgefrorenen Wildblätter- und Wildröhrenpilzen sowie von Wildpilz-Konserven erhöhte Quecksilberkonzentrationen ermittelt. In etwa 60 Prozent der Proben lagen die Gehalte über dem gesetzlich festgelegten Höchstgehalt von 0,01 mg/kg. Die Mittelwerte bei den Untersuchungen lagen zwischen 0,103 mg/kg bei Röhrenpilzen und 2,42 mg/kg bei getrockneten Wildpilzen, während bei anderen Lebensmitteln gewöhnlich Mittelwerte von 0,002 oder 0,003 mg/kg Quecksilber gefunden wurden.

In getrockneten Pilzerzeugnissen konzentriert sich das Quecksilber durch den Trocknungsprozess. Die Quecksilberbefunde der 40 getrockneten und pulverisierten Pilzerzeugnisse lagen daher erwartungsgemäß deutlich höher als bei frischen Pilzen oder Pilzkonserven. Der höchste gemessene Quecksilbergehalt wurde mit 4,71 mg/kg in einem getrockneten, pulverisierten Steinpilzerzeugnis ermittelt. Bei frischen Pilzen wurden die höchsten Quecksilberbefunde ebenfalls bei Steinpilzen gemacht.

Die Ergebnisse bestätigen eine frühere Untersuchung von Wildpilzen aus dem Jahr 2011. Dort wurde auch die Belastung mit anderen Schwermetallen untersucht. Die untersuchten Wildpilze wiesen auch hinsichtlich der Konzentrationen an Blei, Cadmium und Aluminium eine vergleichsweise höhere Belastung auf. Die Befunde für Arsen und Nickel wurden dagegen als gering eingestuft.

 

Wildpilze in Süddeutschland und Österreich radioaktiv belastet

Aufgrund des Reaktorunfalls von Tschernobyl 1986 bestehen für Lebensmittel aus bestimmten Drittstaaten, die von der radioaktiven Belastung besonders betroffen waren, Einfuhrbestimmungen in die EU. Diese gelten auch für Wildpilze, da ihre Kontamination mit radioaktivem Cäsium noch kaum zurückgegangen ist.

Pilze, die in Süddeutschland wachsen, können, so das zuständige Bundesamt für Strahlenschutz, je nach Region und Bodenart noch radioaktiv belastet sein.

In Österreich sind laut Bundesministerium für Gesundheit und Frauen höher belastete Gebiete vor allem im westlichen Niederösterreich, der westlichen Obersteiermark, in weiten Teilen Oberösterreichs und Salzburgs sowie im Koralpengebiet anzutreffen. Grundsätzlich könne man Steinpilze aus radiologischer Sicht praktisch aus allen Regionen Österreichs bedenkenlos genießen, auch der Konsum von Eierschwammerln, deren radioaktive Belastung im Mittel deutlich unter dem Grenzwert liegt, stellt praktisch kein Gesundheitsrisiko dar, so das Ministerium. Eierschwammerl aus höher belasteten Regionen sollte man jedoch aus Vorsorgegründen nicht in allzu großen Mengen konsumieren. Auf den Konsum von Maronenröhrlingen sollte generell eher verzichtet werden. Unabhängig von der radioaktiven Belastung sei aber auch in Österreich ein übermäßiger Konsum von Wildpilzen wegen der Belastung mit Schwermetallen nicht ratsam.

 

Empfehlung: Nicht mehr als 200 bis 250 Gramm Wildpilze pro Woche

Angelehnt an Empfehlungen der Weltgesundheitsbehörde (WHO) rät das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) vor dem Hintergrund der erhöhten Schwermetallgehalte und der möglichen radioaktiven Belastung Verbrauchern, bei regelmäßigem Verzehr pro Woche nicht mehr als 200 bis 250 Gramm Wildpilze zu essen. Für Kinder reduziert sich die Menge entsprechend ihres Körpergewichts. Gegen den gelegentlichen Verzehr auch größerer Mengen beständen dagegen keine Bedenken.

Weiterführende Links

Jahresberichte zu importierten Lebensmitteln aus Ländern, die vom Tschernobyl-Unglück betroffen waren: www.bvl.bund.de/radioaktivitaet

Berichte zum Monitoring: www.bvl.bund.de/monitoring

Infoblatt des Bundesamtes für Strahlenschutz „Wildpilze – Bedenkenloser Genuss?“: http://www.bfs.de/SharedDocs/Downloads/BfS/DE/broschueren/ion/info-wildpilze.pdf

Verbrauchertipp des Bundesumweltministeriums: Wildpilze nur gelegentlich verzehren: http://www.bmub.bund.de/themen/gesundheit-chemikalien/gesundheit-und-umwelt/lebensmittelsicherheit/verbrauchertipps/#c11250

Für Österreich: http://www.bmgf.gv.at/home/Gesundheit/Gesundheitsfoerderung_
Praevention/Strahlenschutz/Radioaktivitaet_in_Wildpilzen_und_
Wildfleisch_aus_Oesterreich

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