Dienstag, April 16, 2024

Weisheiten zur Ernährung der Hildegard von Bingen

Weisheiten zur Ernährung von Hildegard von Bingen entsprechen modernen Erkenntnissen. Dazu gehört, die tägliche Nahrungsaufnahme mit Warmen zu beginnen.

Dinkelmehl, Dinkelbrot, Dinkelnudeln, Dinkelreis, Dinkelgrieß sind Basisnahrungsmittel für die Rezepte der Hildegard von Bingen. Das Essen sollte schmecken und dem eigenen Körper gut tun. Hildegard von Bingen empfahl hierzu verschiedene Weisheiten.„Wenn der Mensch noch nüchtern ist, soll er als erstes eine Speise essen, die aus Feldfrüchten und aus dem Mehl bereitet wird. Außerdem soll er zuerst ein warmes Essen zu sich nehmen, damit es seinen Magen-Darm-Trakt anheizt und ja nicht irgendeine kalte Speise. Denn wer zuerst ein kaltes Essen verspeist, unterkühlt seinen Magen derart, dass dieser sich von den nachfolgenden warmen Speisen nicht mehr erwärmen kann. Darum soll man als erstes eine warme Speise essen.“



 

Ein warmes Frühstück zum Start in den Tag gehört zu den wichtigsten Weisheiten der Hildegard von Bingen!

Ein gesundes, warmes Frühstück besteht laut Hildegard von Bingen somit aus einer gekochten Getreidespeise. Das gekochte Getreide ist laut Hildegard besser verträglich und sättigt besser. Speziell Patienten mit empfindlichen Magen, Neigung zu Blähungen und Verdauungsproblemen wird empfohlen, ein Hildegard-Habermus-Frühstück zu probieren.

Wenn man danach ein kaltes Essen verspeist, soll die Wärme in Magen und Darm das kalte nachfolgende Essen problemloser verarbeiten können. Auch soll man Obst und rohe Gemüsesorten bei der ersten Mahlzeit meiden.

Kälteempfindliche Personen, die ständig frieren, können durch Genuss eines warmen Frühstücks sowie einer warmen Speise, z.B. Suppe, bzw. eines warmen Getränkes, z.B. Tee, als Beginn jeder Mahlzeit eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden erzielen.

In einigen Regionen wird als besondere Spezialität ein klassisches Porridge-Frühstück serviert – eine Variation des Hildegard-Habermus-Frühstück je nach Verträglichkeit zusammengesetzt aus Dinkelmehl oder -flocken, Äpfel, Quitten, Mandeln, Rosinen, Zimt, Bertram, Galgant, Flohsamen, warmem Wasser – gesüßt mit Rohrzucker, Honig oder Apfelsaft.

Alternativ kann ein Dinkelgrießbrei – aus Dinkel Grieß, Honig, Butter sowie Salz, Zucker und Zimt – als Frühstück verzehrt werden.



Beide Frühstückvarianten – das Hildegard-Habermus-Frühstück und ein Dinkelgrießbrei – eignen sich auch als leichtes Abendessen. Zu beachten ist, dass auch die TCM-Ernährungslehre nach den 5 Elementen ein gekochtes Frühstück empfiehlt.

Dazu passend ist auch die alte Weisheit aus Uromas Zeiten, dass eine warme Suppe am Morgen gegen etwaige Infektionskrankheiten (speziell gegen Erkältung) gute Dienste leistet.

 

Was Hildegard von Bingen zu einzelnen Obstsorten meinte

Apfel: „Gekocht und gebraten sind die Äpfel gut für Kranke und Gesunde. Kranken Menschen schaden rohe Äpfel etwas. Sind aber die Äpfel alt geworden und hat sich die Schale runzlig zusammengezogen, etwa im Winter, dann sind sie auch für Kranke roh gut zu essen.“ (PL 1277).

Tatsächlich sind Äpfel in gekochter oder gebratenen Form oder gut abgelegene runzelige Äpfel gut verträglich. Einerseits können rohe Äpfel bei empfindlichen Personen zu Verdauungsproblemen führen beziehungsweise diese verschlimmern.

Andererseits könnten gekochte, gebratene oder runzelige Äpfel aufgrund ihrer die Verdauung regulierende Wirkung sowohl bei Durchfall als auch bei Verstopfung nach Hildegard von Bingen therapeutisch einsetzbar sein.



Die Birne

„Birnen verursachen im Menschen schädliche Säfte, wenn sie vorher nicht gekocht werden. Wer daher Birnen essen will, koche sie in Wasser oder dörre sie am Feuer.

Auch gekochte Birnen liegen dem Esser etwas schwer im Magen, weil sie alles Faulige in ihm aufsuchen, vermindern und auflösen, wobei sie ihm eine gute Verdauung bereiten und das Faulige aus dem Körper ausleiten. Äpfel hingegen verdauen sich leicht, aber sie führen bei ihrer Verdauung die Fäulnis nicht mit sich hinaus.“ (PL 1218 C).

Birnen sollten also laut Hildegard nach Möglichkeit nur in gekochter oder gebratener Form verzehrt und von Personen mit empfindlichem Magen überhaupt gemieden werden. Für Patienten mit chronischer Obstipation sollen gekochte Birnen hingegen als mildes Abführmittel – auch langfrisitig bedenkenlos angewendbar – gut geeignet sein.

 

Die Quitte

Quitten sollen laut Hildegard von Bingen neben den Äpfeln zu den gesündesten Früchten überhaupt: „Die Quittenfrucht ist warm und trocken und hat eine feine Ausgeglichenheit in sich und wenn sie reif ist, verletzt sie, roh gegessen, weder Kranke noch Gesunde.

Wer aber Rheuma hat, esse fleißig die Quitten, gekocht oder gedörrt, und sie räumen mit den Giftstoffen so gründlich auf, dass die Gicht sich weder auf sein Nervensystem noch auf seine Gelenke schlägt und sie zerstört oder angreift.“ (PL 1220 C)

Patienten mit langjährigen rheumatischen Beschwerden sollen dahingehend Quittenkompott, Quittenmus, Quittenmarmelade und Quitten-Dinkelkuchen empfohlen werden.

 



 

Die Kirsche

„Die Kirschenfrucht ist zwar nicht besonders nützlich, aber auch nicht besonders schädlich, und es schadet einem Gesunden nicht, sie zu essen. Wenn aber ein Kranker zuviel davon isst, bekommt er dadurch Schmerzen“ (PL 1223 A) Bei Kirschen ist die persönliche, individuelle Verträglichkeit zu achten: Der eine verträgt Kirschen gar nicht, der andere beachtliche Mengen. Wenn Kinder zuviel davon essen, können sie aber durch unter starken Bauchschmerzen leiden.

Für Kranke taugt der Porree weder roh noch gekocht als Kost. Wenn der Kranke aber großes Verlangen nach Porree hat, dann soll er ihn so wie oben beschrieben essen, aber mäßig.“ (PL 1162 C)

So beschreibt Hildegard von Bingen negative Auswirkungen von Porree auf die Blutzusammensetzung. Man sollte sich davon aber nicht verunsichern lassen. Wenngleich man im Zusammenhang mit dem Verzehr von größeren Mengen Porree von schweren Gichtanfällen berichtet hatte.

 

Gesundes Obst

Im Frühjahr und erst recht außerhalb der Erdbeersaison sollten Erdbeeren so selten wie möglich gegessen werden. „Die Erdbeerpflanze führt zur Schleimbildung im Menschen, und sie taugt zu keinem medizinischen Zweck. Auch ihre Früchte, die Erdbeeren, machen eine Art Schleim im Menschen, der sie isst, und zum Essen taugen sie weder für die gesunden noch für die kranken Menschen.“ (PL 1194)

Im Sommer – so Hildegard von Bingen – sollte man Pfirsiche möglichst meiden: „Die Frucht des Pfirsichbaumes zu essen taugt weder für einen Gesunden noch für einen Kranken, weil sie die gute Säftemischung im Menschen zerstört.“ (PL 1221 A) Analog zum Porree schreibt Hildegard auch dem Pfirsich negative Auswirkungen auf Blut- und Säftehaushalt zu. Nähere Zusammenhänge sind unbekannt, wissenschaftliche Erklärungsmodelle scheitern.

Und wenn im Herbst die Zwetschgen/ Pflaumen Hochsaison haben, so sollte man diese nach Hildegard von Bingen meiden. 

„Es ist schädlich und gefährlich, die Frucht dieses Baumes zu essen, sowohl für einen gesunden wie auch für einen kranken Menschen, weil sie den Melancholiestoff im Menschen hochjagt und in ihm die sauren Säfte vermehrt. Will jemand diese Frucht essen, so esse er davon nur wenig. Wenn er gesund ist, wird er dieses Essen irgendwie bewältigen. Einen Kranken aber schädigt es.“ (PL 1224 C)




Quelle: Weisheiten der Hildegard von Bingen, MEDMIX 6/2007.

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