Donnerstag, März 28, 2024

WCLC 2016 – Lungenkrebs im Blickpunkt

WCLC 2016 – Together against Lung Cancer: Lungenkrebs an der IASLC 17th World Conference on Lung Cancer vom 4. bis 7.12. in Wien im Fokus.

Weltweit ist Lungenkrebs die häufigste Krebserkrankung und für die meisten Krebs-bedingten Todesfälle verantwortlich. Auf dem bevorstehenden Weltkongress – IASLC 17th World Conference on Lung Cancer mit dem Motto » WCLC 2016 – Together against Lung Cancer « – in Wien, der die größte Konferenz der Welt zum Thema Lungenkrebs ist, präsentieren internationale Experten zahlreiche Fortschritte in Prävention, Diagnostik und Therapie.

Ein Großteil der Lungenkrebs-Erkrankungen wäre vermeidbar, insbesondere durch konsequente Tabak-Kontrollmaßnahmen. Der wichtigste Schlüssel auf dem Weg zur Präzisions-Medizin ist die molekulare Diagnostik, sie bildet die Basis für eine zunehmend individualisierte und damit wirksamere Therapie beim Lungenkrebs. Gezielte Screening-Programme bei Rauchern mit besonders hohem Lungenkrebs-Risiko könnten die Sterblichkeit deutlich senken. Multimodale Therapieansätze eröffnen durch die intelligente Kombination von systemischer Chemo- und lokaler Strahlentherapie mit oder ohne chirurgische Eingriffe auch bei lokal fortgeschrittenen Tumoren erstmals Heilungschancen.

WCLC 2016 – Together against Lung Cancer

„Wir sehen einem wissenschaftlichen Großereignis entgegen“, kündigte Univ.-Prof. Dr. Robert Pirker, Universitätsklinik für Innere Medizin I, MedUni Wien/AKH Wien, heute bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Lungenkrebs-Weltkongresses an. Rund 6.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus aller Welt werden zur IASLC 17th World Conference on Lung Cancer erwartet, die von 4. bis 7. Dezember in Wien stattfindet. Dem Kongressmotto WCLC 2016 – Together against Lung Cancer entsprechend wird dabei der multidisziplinären Zusammenarbeit breiter Raum gewidmet. Was die Delegierten aus aller Welt erwartet sind „bahnbrechende Neuigkeiten aus der Prävention, Diagnostik und Behandlung“, so Prof. Dr. Fred Hirsch, Vorstand der International Association for the Study of Lung Cancer (IASLC).
Das Konferenzthema ist von größter Relevanz: Lungenkrebs stellt nach wie vor nicht nur die häufigste Krebserkrankung dar, sondern ist auch für die meisten Krebs-bezogenen Todesfälle verantwortlich. Laut der im Vorjahr publizierten GLOBOCAN-Studie werden weltweit jährlich 1,82 Millionen neue Fälle von Lungenkrebs diagnostiziert, das sind 12,9 Prozent aller Krebsfälle. 1,6 Millionen Menschen jährlich sterben daran, das sind nahezu 20 Prozent aller durch Krebs verursachten Todesfälle.

„4.400 Todesfälle jeden Tag — das ist als würden täglich zehn vollbesetzte Jumbo-Jets vom Himmel fallen“, macht Prof. Pirker das Ausmaß deutlich. „Als Arzt kann ich nur schwer nachzuvollziehen, mit welcher Gelassenheit die Gesellschaft und politischen Repräsentanten diese Tragödie unseres Jahrhunderts hinzunehmen scheinen.“

Großteil aller Lungenkrebsfälle wäre durch Tabakkontrolle vermeidbar

Der WCLC 2016 widmet der Prävention diesmal besonders breiten Raum. „Als weltweit größte Organisation, die sich dem Lungenkrebs verschrieben hat, werden wir nicht müde, eine Verbesserung der Präventionsmaßnahmen zu fordern und zu fördern“, kündigt IASLC-Vorstand Prof. Hirsch an.

Die wirkungsvollste Vorsorgemaßnahme ist seit langem bekannt: Weltweit ist das Rauchen für den Tod von mehr als sechs Millionen Menschen jährlich verantwortlich. In Zentraleuropa betreffen 85 Prozent aller Lungenkrebs-Fälle Raucher oder ehemalige Raucher. „Es gibt es keine andere Krankheit, die sich durch einfache gesetzliche Rahmenbedingungen so dramatisch eindämmen ließe“, fordert Konferenzpräsident Prof. Pirker eine deutlich striktere Tabakkontrolle.

Für Österreich gilt das in besonderem Maß. Während sich etwa Irland oder Neuseeland das erklärte Ziel gesetzt haben, bis 2025 eine „rauchfreie Gesellschaft“ zu werden, rangiert Österreich in einem zuletzt 2013 durchgeführten europaweiten Ranking über die Tabakkontrollmaßnahmen bereits zum dritten Mal in Folge an letzter Stelle. „Es ist völlig unverständlich, dass wir so halbherzig agieren“, kritisiert Prof. Pirker.

Frauen und Passivraucher massiv betroffen

Wie eine auf dem WCLC 2016 präsentierte systematische Analyse von 17 Publikationen zeigt, sind Frauen durch die verschiedenen Karzinogene im Tabak noch stärker gefährdet als Männer. Das zeigt sich auch daran, dass sie zum Zeitpunkt der Diagnose im Schnitt jünger sind als Männer. Laut Statistik Austria rauchen aktuell 1,8 Millionen – also fast ein Viertel der über 15jährigen in Österreich – täglich. Bei Männern sind es 27, bei Frauen aber auch bereit 22 Prozent – und damit doppelt so viele wie in den 1970er Jahren.

Parallel dazu hat sich auch die Zahl der Lungenkrebspatientinnen in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Inzwischen erkranken hierzulande jährlich rund 1.600 Frauen an Lungenkrebs. Laut einer im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit erstellten Krebsprognose ist bis zum Jahr 2030 mit einer weiteren Verdoppelung zu rechnen. Dann wäre die Anzahl der jährlich neu an Lungenkrebs erkrankten Frauen sogar höher als jene der Männer.

Inzwischen besteht auch kein Zweifel mehr daran, dass Passivraucher allzu oft das Schicksal ihrer rauchenden Mitmenschen teilen: Wer Zigarettenrauch ausgesetzt ist, hat im Vergleich zu Nichtrauchern ein um 20 Prozent erhöhtes Lungenkrebsrisiko.

Verdoppelte Zigarettenpreise würde ein Drittel vom Rauchen abhalten

Internationale Beispiele, wie sich der Tabakkonsum wirksam eindämmen lässt, gibt es inzwischen genug. So wird etwa der Präsident von Uruguay, Dr. Tabaré Vázquez, auf dem WCLC 2016 über die Erfahrungen mit einem der weltweit strengsten Tabakgesetze berichten. Das Land hat erst im Sommer einen von Philip Morris angestrengten Prozess vor einem internationalen Schiedsgericht gewonnen: Die Forderung des Tabakmultis nach Schadenersatz wurde zurückgewiesen.

Als wirkungsvollste Maßnahme hat sich eine rigorose Erhöhung der Zigarettenpreise herausgestellt. „Würde man die bestehenden Preise durch die Erhöhung der Tabaksteuern verdoppeln, würde allein dadurch die Zahl der Raucherinnen und Raucher um ein Drittel sinken“, so Prof. Pirker. „Das Argument, dadurch gingen dem Staat wichtige Einnahmen verloren, ist nicht nur zynisch sondern auch falsch. In Wahrheit würden Gesundheit und Staatshaushalt gleichermaßen davon profitieren“.

Globaler Kampf gegen das Rauchen

Was den Experten zunehmend Sorgen macht: Während in vielen hochentwickelten Ländern die Zahl der Raucher langsam zurück geht, steigt sie in den weniger entwickelten Regionen weiter an. „Weltweit müssen wir mit einem weiteren Anstieg der Todesfälle durch Lungenkrebs rechnen“, prophezeit Prof. Hirsch. „Deshalb wird sich der IASLC als globale Kraft  künftig verstärkt um Weltregionen kümmern, denen bislang nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt wurde“.

In manchen Ländern Latein- und Südamerikas rauchen bereits 13- bis 15-jährige mehr als anderswo die Erwachsenen. Und China ist heute mit mehr als 300 Millionen Rauchern zum weltweit größten Tabakkonsumenten aufgestiegen. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der tabakbedingten Todesfälle dort bis zum Jahr 2050 auf drei Millionen jährlich ansteigen wird.

Gezieltes Screening kann Lungenkrebssterblichkeit um 20 Prozent senken

„Gerade weil wir in der Prävention nachhinken, muss es unser Ziel sein, auftretende Lungentumore so früh wie möglich zu erkennen“, erklärt PD Dr. Helmut Prosch von der Universitätsklinik für Radiodiagnostik, AKH/MedUni Wien. „Derzeit werden aber nur rund 20 Prozent der Karzinome in einem frühen und gut heilbaren Stadium entdeckt“.

Mit Spannung erwarten die Experten deshalb jüngste Erkenntnisse und Diskussionen über Screening-Programme zur Früherkennung. So hat der US-amerikanische „National Lung Screening Trial“ schon 2011 gezeigt, dass sich bei starken, über 55jährigen Rauchern durch ein Screening mit einem Niedrig-Dosis-Spiral-CT die Lungenkrebsmortalität um 20 Prozent senken lässt.

Ob sich diese Ergebnisse auf Europa, wo es bislang keine vergleichbaren Programme gibt, übertragen lassen, wird auf dem WCLC 2016 diskutiert werden. Anders als bei anderen Früherkennungsprogrammen wäre es nicht sinnvoll, möglichst große Bevölkerungsgruppen sondern nur Personen mit hohem Lungenkrebsrisiko zu erfassen. PD Prosch: „Untersucht werden sollten nach derzeitigem Wissen nur Raucher über 55 Jahre mit mindestens 30 sogenannten Packungsjahren sowie ehemalige Raucher, die innerhalb der letzten 15 Jahre aufgehört haben.“ In diesen Fällen sei dann aber eine engmaschige Kontrolle über mindestens drei Jahre in jährlichen Intervallen sinnvoll.

„In Österreich“, so PD Prosch, „haben wir bereits jetzt für CT-Untersuchungen sehr lange Wartezeiten. Für ein Screenigprogramm müssten also zusätzliche Kapazitäten, am besten in Form von spezialisierten Screening-Zentren, geschaffen werden“.

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