Montag, Februar 26, 2024

Akute virale Infektionen bei Kindern durch Herpes-Viren

Gingivostomatitis herpetica, Ekzema herpeticatum, Varizellen und Herpes zoster sind akute virale Infektionen durch Herpes-Viren bei Kindern.

Neben den klassischen, exanthematischen Hautkrankheiten von Kindern sind durch Herpes-Viren akut verlaufende virale Infektionen an Haut und Schleimhaut sehr häufig, dazu zählen einerseits die Gingivostomatitis (auch Vulvovaginitis) herpetica, weiter das Ekzema herpeticatum, zudem natürlich die Varizellen, andererseits aber auch den Herpes zoster. Auch das Exanthema subitum wird durch Herpesviren (Typ 6) hervorgerufen.

Der typische Verlauf der Herpes-simplex-Virus-Enzephalitis (HSVE) ist übrigens eine akute Erkrankung, die seltener vor allem bei Kindern als chronischer Verlauf auftreten kann und selten subakut ist. Die subakute HSVE hat die Literatur bislang selten beschrieben – nur viermal berichtet.

 

Bläschen an Haut und Schleimhaut durch virale Infektionen

Im Vordergrund der Herpesvirus-Infektionen stehen genabelte Bläschen an Haut und Schleimhaut, die relativ rasch erodieren und schmerzhafte, ausgepunzte Erosionen hinterlassen.

Gingivostomatitis herpetica

Unter dem Strich haben Kinder mit einer Gingivostomatitis herpetica oft allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber, Abgeschlagenheit, oft auch einen Meningismus. Wobei betroffene Patienten aufgrund der Schmerzhaftigkeit häufig die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme verweigern. Schließlich helfen mächtige Schwellungen der lokalen Lymphknoten dem Arzt bei der Diagnosefindung.

Hand-Foot-Mouth-Erkrankung

Im Grunde genommen muss man diese Veränderungen differenzialdiagnostisch von der Hand-Foot-Mouth-Erkrankung abgegrenzen. Denn deren aphthöse Läsionen sind wesentlich weniger ausgeprägt. Deswegen verursachen sie weniger Schmerzen und kaum Allgemeinsymptome. Auf jeden Fall verursachen Enteroviren (Coxsackie-Viren) die Hand-Foot-Mouth-Erkrankung.

Ekzema herpeticatum

Herpes simplex-Viren verursachen bei Infektion der vorgeschädigten Haut jedenfalls meist ein charakteristisches klinisches Bild an der Haut. Und zwar insbesondere bei ekzematös veränderter Haut im Rahmen eines Atopiesyndroms, dem Ekzema herpeticatum. Wenngleich man diese Veränderungen oft relativ schwierig von einer kleinblasigen Impetigo abzugrenzen kann. Schließlich ist rasche diagnostische Hilfe am wichtigsten: die Exfoliativzytologie sowie der Nachweis von epithelialen Virus-Riesenzellen.

Varizellen, Windpocken, Feuchtblattern

Die Varizellen stellen unter dem Strich nach wie vor die wahrscheinlich häufigsten symptomatischen Herpes-Virus-Infektionen bei Kindern dar. Wobei sie meistens zu einer lebenslangen Immunität führen. Hierzu gehören Fieber sowie ein charakteristischer, juckender Hautausschlag mit wasserklaren Bläschen zu den typischen Symptomen. Zudem sind Kleinhirn- und Hirnentzündungen sowie Lungenentzündung und bakteriellen Superinfektionen der Haut bekannte Komplikationen.

Herpes zoster

Unter dem Strich sollte zunächst einmal darauf hingewiesen werden, dass das Auftreten von Herpes zoster im Kindesalter nicht mehr zu einer echten Rarität zählt. Am wichtigsten ist es jedenfalls, im Rahmen eines Herpes zoster darauf zu achten, ob Bläschen außerhalb des entsprechenden Dermatoms oder gar generalisiert auftreten. Denn das ist immer ein Warnzeichen für eine zugrunde liegende Erkrankung wie Immunsuppression sowie Leukämie.

 

Virale Herpes-Infektionen bei Kindern behandeln

Unter dem Strich behandelt man virale Infektionen der Haut mit Herpes-Viren auch bei Kindern mit Aciclovir oral und parenteral. Weiter stehen mit Valaciclovir und Famciclovir sowie Brivudin mehrere oral verabreichbare Therapeutika zur Verfügung. Die oben erwähnte Coxsackie-Virusinfektion sowie die ebenfalls Coxsackie-assoziierte Herpangina kann man jedenfalls nur symptomatisch behandeln. Wobei sich als zusätzliche entzündungshemmende und austrocknende Maßnahmen bei blasigen und erosiven Veränderungen nach wie vor Schüttelmixturen und Trockenpinselungen eignen.


Literatur:

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Quelle: Hauterkrankungen in der Kindheit: Virale Infektionen. Univ.-Prof. Dr. Klemens Rappersberger

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