Sonntag, März 26, 2023

Renale Denervierung: Verödung der Nierennerven bei therapieresistentem Bluthochdruck

Vor allem Frauen und Patienten ohne Diabetes profitieren von der Verödung der Nierennerven, einem nicht-medikamentösen Verfahren bei therapieresistentem Bluthochdruck.

Im Grunde genommen kann man manche Patienten mit Bluthochdruck nicht mit Medikamenten alleine ausreichend behandeln. Deswegen hat man in den letzten Jahren die katheterinterventionelle renale sympathische Denervierung, die Verödung der Nierennerven bei Bluthochdruck, als Behandlung für dieses Patienten mit therapieresistenter Hypertonie etabliert.

Allerdings haben die Ergebnisse der Symplicity-HTN-3-Studie vor einigen Jahren die anfängliche Begeisterung der Ärzte für diese Behandlung deutlich gedämpft. Obwohl die Übertragbarkeit der Ergebnisse in die klinische Praxis bislang fraglich erscheint. Nun zeigten rezente Ergebnisse, dass die Verödung der Nierennerven als nichtmedikamentöse Bluthochdruck-Behandlung vor allem weiblichen Patienten nützt. Zudem hilft es allgemein Bluthochdruck-Patienten ohne Diabetes. Diese Daten bestätigen, dass bestimmte Patientengruppen mit therapieresistentem Bluthochdruck sehr wohl von der Verödung der Nierennerven profitieren.

 

Renale Denervierung

Die renale Denervierung ist eine Methode, die sicher ist und zumindest manchen therapieresistenten Bluthochdruck-Patienten nützen kann. Als therapieresistent gelten Bluthochdruck-Patienten, bei denen Medikamente nicht ausreichend wirken.

Bei der renalen Denervierung zerstört der Arzt die Nervenendigungen in der äußeren Gefäßwand der Niere durch Hitzeeinwirkung. Und zwar nicht-medikamentös mit Katheter. Dabei durchbricht man mit diesem minimalinvasiven, interventionell-radiologischen Verfahren die Verbindung zwischen dem Gehirn und der Niere.

Dazu werden von der Leiste ausgehend über das Gefäßsystem die beiden Nierenarterien mittels Katheter angesteuert. Dann werden mittels Hitzeeinwirkung die Nervenstränge, die die Gefäße umgeben, verödet. Die Behandlung dauert etwa eine Stunde. In der Folge kommt es zur Entspannung der Niere und der Blutdruck fällt.

Über verschiedene weitere Wirkungen der Verödung der Nierennerven bei Bluthochdruck-Patienten hinaus lassen übrigens Studienergebnisse auch vielversprechende andere Effekte vermuten. Diese könnten die Langzeitmorbidität und Sterblichkeit der behandelten Probanden erheblich verändern, selbst wenn der Blutdruck unverändert bleibt. Um den Wert dieser Effekten für die klinische Praxis zu erheben, sind jedoch weitere Langzeitdaten zu mehreren kardiovaskulären Endpunkten erforderlich.

Beispielsweise zeigen rezente Daten dazu, dass eine umfangreiche Denervierung der Nierenarterien auch zu einer schnellen und signifikanten Abnahme des des mittleren diastolischen Lungenarteriendrucks führt. In den meisten Fällen ist die Verödung der Nierennerven mit einer akuten systolischen Bluthochdruck-Senkung sowie günstige Auswirkungen auf den Lungengefäßwiderstand beziehungsweise das Gefäßwiderstandsverhältnis zwischen Lungen- und Systemkreislauf vergesellschaftet. Eine erweiterte renale Denervierung ist mit Arterienwandläsionen und Thrombusbildung verbunden, die man mittels Angiographie nicht diagnostiziert hat.

 

Bluthochdruck-Patientinnen und solche ohne Diabetes profitieren am stärksten von der Verödung der Nierennerven

Die Verödung der Nierennerven bei Bluthochdruck kommt heut weltweit zum Einsatz. Allerdings ist die Methode nicht bei allen Patienten effektiv. Deswegen ist es sehr wichtig, jene Patienten zu identifizieren, die am meisten von dieser Behandlungsmethode profitieren. Dazu hat man in Österreich eben das Österreichische Renale Denervierungsregister aufgebaut. In diesem wurden die anonymisierten Daten nahezu jedes Patienten einbezogen, der in Österreich einer renalen Denervierung unterzogen wurde. Dabei zeigte sich, dass vor allem Frauen und Nicht-Diabetiker von diesem Verfahren im Sinne einer besseren Blutdrucksenkung profitieren.


Literatur:

Vakhrushev AD, Condori Leandro HI, Goncharova NS, Korobchenko LE, Mitrofanova LB, Lebedev DS, Mikhaylov EN. Extended Renal Artery Denervation Is Associated with Artery Wall Lesions and Acute Systemic and Pulmonary Hemodynamic Changes. A Sham-Controlled Experimental Study. Cardiovasc Ther. 2020 Oct 28;2020:8859663. doi: 10.1155/2020/8859663. PMID: 33193811; PMCID: PMC7644331.

Ranard LS, Swaminathan RV. Renal Artery Denervation for Hypertension. Curr Treat Options Cardiovasc Med. 2019 Feb 14;21(2):7. doi: 10.1007/s11936-019-0715-6. PMID: 30762119.

Karl Fengler, Karl Philipp Rommel, Thomas Okon, Gerhard Schuler, Philipp Lurz. Renal sympathetic denervation in therapy resistant hypertension – pathophysiological aspects and predictors for treatment success. World J Cardiol. 2016 Aug 26; 8(8): 436–446. Published online 2016 Aug 26. doi: 10.4330/wjc.v8.i8.436


Quelle:

Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) – ESC 2019, Paris. Abstract: Women and non-diabetic patients react more strongly to radiofrequency renal sympathetic denervation.

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