Sonntag, Juli 14, 2024

Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis und Resistenzen

Der extrem resistente Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis entwickelt zusätzich weitere Resistenzen gegen neue Antibiotika.

Forscher haben im Vorjahr zum erstem Mal bei einem Tuberkulose-Patienten einen extrem resistenten Tuberkulose-Erreger – einen Mycobacterium tuberculosis Stamm – mit zusätzlichen Resistenzen gegenüber den neuen Antibiotika Delamanid und Bedaquilin nachgewiesen.

 

Ausbreitung multiresistenter (MDR) oder extrem resistenter (XDR) Tuberkulose-Erreger

Die Tuberkulose (TB) ist mit über neun Millionen betroffenen Menschen und über eineinhalb Millionen Toten pro Jahr nach wie vor eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten des Planeten. Dabei stellt die Ausbreitung multiresistenter (MDR) oder extrem resistenter (XDR) Tuberkulose-Erreger im osteuropäischen und asiatischen Raum eine der große Herausforderung für die Tuberkulose-Bekämpfung dar.

MDR/XDR-Bakterien haben Veränderungen im Erbgut, die sie gegenüber den wirksamsten Anti-Tuberkulosemitteln unempfindlich machen. Dadurch kann die normale Therapie, die schon eine Behandlung von sechs Monaten umfasst, nicht mehr eingesetzt werden. Bei der MDR-TB- Therapie steigen Behandlungsdauer, Nebenwirkungen und Kosten mit der Resistenz der Erreger dramatisch an, während ihre Wirksamkeit sinkt. Das führt dazu, dass weltweit über die Hälfte aller XDR-TB-Infektionen nicht erfolgreich behandelt werden können.

Große Hoffnungen werden daher in die neuen Wirkstoffe Bedaquilin (Sirturo®, Janssen-Cilag, USA) und Delamanid (Deltyba®, Otsuka Novel Products, Japan) gesetzt. Diese neuen Antibiotika sollen auch gegen multiresistente Tuberkulose-Erreger wirken und wurden deswegen – auch egen des riesigen Bedarfs und des Fehlens alternativer Substanzen – im Jahr 2014in einem beschleunigten Verfahren zur Therapie zugelassen.

 

Hohe Anpassungsfähigkeit der Tuberkulose-Erreger

Doch bereits etwa sechs Monate später berichteten Forscher der Universität Zürich über Bedaquilin-resistente Tuberkulose-Erreger bei einem jungen Tibeter, der das Mittel im Rahmen einer MDR-TB-Behandlung in der Schweiz bekommen hatte. Der Tuberkulose-Erreger demonstrierte so seine hohe Anpassungsfähigkeit. Der schwerkranke Patient wurde dann aufgrund des Versagens der Bedaquilin-Therapie mit Delamanid und sechs weiteren Antibiotika behandelt. Obwohl es dem Patienten zunächst rasch besser ging, brach die TB zwei Monate später erneut aus. Daraufhin führte das Referenzlabor der Weltgesundheitsorganisation in Gauting bei München weitere spezielle Antibiotika-Resistenztests durch. Dabei wurde festgestellt, dass die Bakterien zusätzlich zur bestehenden Bedaquilin- auch noch eine Delamanid-Resistenz entwickelt hatten. Ursache der Resistenz war eine Veränderung im Erbgut als  erkennen. Diese Untersuchungen verdeutlichten, dass neue Antibiotika durch Veränderungen im Erbgut des Erregers schnell unwirksam werden können. Diese neu erworbenen Resistenzen können wiederum durch direkte Übertragung des Erregers und Neuinfektionen weitergegeben werden und zu lokalen oder regionalen MDR-TB-Ausbrüchen führen.

Veröffentlichung:
Harald Hoffmann, Thomas A. Kohl, Sabine Hofmann-Thiel, Matthias Merker, Patrick Beckert, Katia Jaton, Lubov Nedialkova, Evgeni Sahalchyk, Thomas Rothe, Peter M. Keller, Stefan Niemann. Delamanid and Bedaquiline resistance in Mycobacterium tuberculosis ancestral Beijing genotype causing XDR-TB in a Tibetian refugee. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, February, 2016, Vol. 193 No. 3. doi: 10.1164/rccm.201502-0372LE
Weitere Informationen:
http://www.atsjournals.org/journal/ajrccm / zur Veröffentlichung

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