Therapie mit Testosteron gegen Demenz-Krankheiten

Wirksamkeit einer Testosteron-Therapie gegen Demenz-Krankheiten ist nicht belegt, wichtig ist vorbeugend ein gesunder, aktiver Lebensstil.

Bis zum Jahr 2050 solch sich die Zahl der Menschen mit Demenzkrankheiten nahezu verdoppeln. Eine aktuelle Übersichtarbeit in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift erörtert die widersprüchlichen Daten zur Therapie mit Testosteron bei Demenz und widerspricht dem verbreiteten Gerücht, eine Testosteron-Therapie sei ein wirksame Maßnahme gegen Demenz-Krankheiten inklusive des Alzheimers. Betont wird die Bedeutung der Vorbeugung in der jungen und mittleren Lebensphase. So können erwiesenermaßen ein Drittel aller Demenzkrankheiten verhindert werden, wie eine rezente Studie im britischen Fachmagazin Lancet zeigt.

Viele Menschen haben Angst vor Demenzkrankheiten, weil mit ihnen ein Verlust der kognitiven Fähigkeiten und damit der Selbstständigkeit im Alter einhergehen. Und zwar unter Umständen sogar dann, wenn der Patient ansonsten noch körperlich fit ist. Im Grunde genommen betreffen die vielen unterschiedlichen Formen der Demenz unter anderem das Kurzzeitgedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache, die Motorik sowie die Persönlichkeitsstruktur.

 

Testosteron-Studien brachten widersprüchliche Ergebnisse zur Vorbeugung von Demenz

Ursache für diese Erkrankungen kann die Abnahme von körpereigenen Sexualhormonen wie Testosteron oder Östrogen im höheren Alter sein. Sie schützen die geistigen Funktionen. Die geringere Ausschüttung von Testosteron oder Östrogen im Alter ist aber nicht die alleinige Ursache für eine Demenz. Andere Hormone, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Stoffwechselstörungen, ein geringes Bildungsniveau oder eine genetische Veranlagung spielen ebenso eine wesentliche Rolle.

Wie man bei Untersuchungen an Nervenzellen und in Tierversuchen festgestellt hat, kann künstlich in den Körper eingebrachtes Testosteron die Zellen schützen und bei Mäusen den Ausbruch einer Demenz verzögern und die Symptome lindern. Da man die Ergebnisse aus Zellkultur oder Tierversuchen aber nicht einfach auf den Menschen übertragen können, hat man in den letzten Jahren diverse wissenschaftliche Studien mit Männern mit oder ohne Demenz durchgeführt. Die Ergebnisse sind äußerst widersprüchlich.

Die Einnahme von Testosteron bei einer Demenz ist deshalb im Moment nicht angezeigt. Es sind weitere wissenschaftliche Studien nötig, um positive Auswirkungen einer Therapie mit Testosteron bei Männern mit Demenz zu untersuchen und eindeutig zu belegen.

Schließlich muss man auch berücksichtigen, dass viele ältere Menschen sowieso schon mehrere Medikamente einnehmen. Die Gabe eines jeden weiteren Wirkstoffes müssen Ärztinnen und Ärzte sorgfältig erwägen, damit es nicht zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt. Zudem kommt der Umstand dazu, dass eine Testosterongabe per se auch Nebenwirkungen haben kann.

 

Fazit

Jedenfalls solange es keine wirksamen Therapien gegen Demenz gibt, sollte man der Vorbeugung ein besonderes Augenmerk schenken. Experten verweisen auf Studien, die zeigen, dass ein Drittel aller Demenzfälle durch spezielle Maßnahmen verhindert werden könnte. Dazu zählen Übergewicht senken, gesund ernähren, nicht rauchen, Stoffwechselstörungen sowie Depression behandeln und nicht zuletzt ein körperlich, geistig und sozial aktives Leben führen.


Literatur:

Dimopoupou, Christina; Stalla, Günther K.: Testosteronmangel und Demenz. Dtsch med Wochenschr 2017; 142:1102–1105; DOI: 10.1055/s-0042-123152

Livingston G, Sommerlad A, Orgeta V, Costafreda SG, Huntley J, Ames D, Ballard C, Banerjee S, Burns A, Cohen-Mansfield J, Cooper C, Fox N, Gitlin LN, Howard R, Kales HC, Larson EB, Ritchie K, Rockwood K, Sampson EL, Samus Q, Schneider LS, Selbæk G, Teri L, Mukadam N. Dementia prevention, intervention, and care. Lancet. 2017 Dec 16;390(10113):2673-2734. doi: 10.1016/S0140-6736(17)31363-6. Epub 2017 Jul 20. PMID: 28735855.

Latest Articles

Folgt uns auf Facebook!

Fokus Kinder

- Advertisement -

Related Articles

Autismus-Spektrum-Störungen beeinträchtigen das Sozialverhalten

Autismus-Spektrum-Störungen beeinträchtigen das Sozialverhalten und führen zu begrenzten, sich wiederholenden und stereotypen Verhaltensweisen. Unter dem Strich umfassen Autismus-Spektrum-Störungen eine Gruppe von neuronalen Entwicklungsstörungen mit Beeinträchtigungen...

Warum manche Kinder seltener eine Neurodermitis bekommen

Forscher konnten in aktuellen Studien eindrucksvoll nachweisen, dass Kinder seltener Neurodermitis bekommen, wenn im häuslichen Umfeld auch Haustiere wie Katzen leben. Unter dem Strich bekommen...

Depressionen bei Kindern und im Jugendalter erkennen

Traurigkeit ist häufig ein Anzeichen für Depressionen bei Kindern: Bis zu 2,5 Prozent der Kinder und bis zu 8,3 Prozent im Jugendalter leiden daran,...