Rheuma und Übergewicht: Wirkung der Medikamente beeinträchtigt

Aktuelle Studienergebnisse zu Rheuma-Erkrankungen und Übergewicht zeigen, dass zu viel Körperfett die Wirkung von Medikamenten hemmen kann.

Menschen mit starkem Übergewicht erkranken unter dem Strich nicht nur häufiger an entzündlichem Rheuma (rheumatoide Arthritis). Das Übergewicht beeinträchtigt auch die Wirkung vieler Rheuma-Medikamente. Nach einer rezenten Analyse von Daten des Patientenregisters „RABBIT“ sind auch einige Biologika, die gezielt Entzündungsprozesse stoppen sollte, in ihrer Wirkung eingeschränkt.

 

Patienten mit Rheuma und Übergewicht sollten abnehmen

Botenstoffe aus den überflüssigen Fettzellen scheinen für die schlechtere Wirkung der Medikamente verantwortlich zu sein. Rheuma-Experten raten Patienten mit Übergewicht deshalb, begleitend zu einer Therapie mit einer Ernährungsumstellung zu beginnen, um Gewicht abzunehmen. Auch das spielt eine wichtige Rolle für eine angemessene Versorgung von Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen.

 

Begleiterkrankungen

Neben Beeinträchtigungen der körperlichen Funktionsfähigkeit und einem schwereren Verlauf einer Rheuma-Erkrankung bringt starkes Übergewicht weitere Probleme mit sich, wie beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ursächlich hierfür sind wahrscheinlich entzündungsfördernde Substanzen, die durch die zusätzlichen Fettzellen im Bauchbereich produziert werden.

 

Übergewicht beeinträchtigt eine Biologika-Therapie

Darüber hinaus gibt es jetzt neueste Erkenntnisse darüber, dass auch die Wirksamkeit einer Biologika-Therapie von starkem Übergewicht beeinflusst wird – heute erscheinen diese in einer Studie, die auf der Datenbasis des RABBIT-Registers (für „Rheumatoide Arthritis – Beobachtung der Biologikatherapie“) beruht.

Im Grunde genommen stuft die Wissenschaft Adipositas, also starkes Übergewicht, heute als eine milde chronische-entzündliche Erkrankung ein. Zu den Substanzen, die bei adipösen Menschen die Entzündung fördern, gehören unter anderem die Botenstoffe Tumornekrosefaktor und Interleukin 6. Diese sind auch bei rheumatoider Arthritis an den Angriffen auf die Gelenke beteiligt.

Möglicherweise ist dies die Ursache dafür, dass fettleibige Menschen häufiger an Rheuma leiden und die Erkrankung bei ihnen schwerer verläuft. Zusätzlich wird auch die Therapie von Menschen mit Rheuma durch eine Adipositas oft erschwert.

Deswegen gelingt es bei adipösen Patienten häufig nur eingeschränkt, die Symptome zu lindern. Dies gilt auch für einige der modernen Biologika, die gezielt den Tumornekrosefaktor oder die Wirkung von Interleukin 6 blockieren. Die eingeschränkte Wirksamkeit dieser Medikamente zeigte sich in der Analyse vor allem im Krankheitsscore „DAS28“, der Schmerz und Schwellung an 28 Gelenken erfasst sowie den Grad der Entzündungswerte im Blut misst. Dieser Score verbesserte sich bei stark übergewichtigen Patienten unter medikamentöser Therapie weniger.

 

Wirkung der Biologika und von Methotrexat schlechter

Das gilt allerdings nicht für alle der bei rheumatoider Arthritis eingesetzten Medikamente gleichermaßen. Besonders deutlich zeigte sich der Einfluss des Übergewichts auf die Wirkung bei Biologika, die gezielt einzelne Botenstoffe hemmen sowie bei konventionellen synthetischen Wirkstoffen wie Methotrexat.

Weniger starke Effekte des Übergewichts auf die Wirksamkeit zeigten sich bei den Substanzen Rituximab und Abatacept, deren Wirkung auf Interaktionen in der Zellebene beruht. Zudem bestanden deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern; bei Frauen war – im Vergleich zu Männern – der Effekt der Adipositas auf die Wirksamkeit der eingesetzten Medikamente deutlich stärker.

Jedes Kilo weniger auf der Waage wirkt sich günstig auf die Erkrankung und den Behandlungserfolg aus. Wichtig ist dabei, dass das Fettgewebe im Bauchraum verringert werde.

 

Fazit

Die Erkenntnisse, die die Wissenschaft durch RABBIT gewinnen kann, ist wichtig und entscheidend für die Versorgung von Menschen mit Rheuma in Deutschland. Die Daten aus RABBIT zeigten, dass die Behandlung von Rheuma individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt sein muss. Die richtige Diagnose und die geeignete Therapie können aber nur Rheumatologen mit der entsprechenden Ausbildung stellen.


Literatur:

Schäfer M., Meißner Y., Kekow J., Berger S., Remstedt S., Manger B., Listing J., Strangfeld A., Zink A. Obesity reduces the real-world effetiveness of cytokine-targeted but not cell-targeted disease-modifying agents in rheumatoid arthritis. Rheumatology 2019. https://doi.org/10.1093/rheumatology/kez535


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh)

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