Freitag, Juni 21, 2024

Nor-UDCA (nor-ursodeoxycholsäure, norUDCA) zur Cholangitis-Therapie

Die modifizierte Gallensäure Nor-UDCA (nor-ursodeoxycholsäure, norUDCA) könnte die Therapie für primär sklerosierende Cholangitis sehr verbessern.

Den pathophysiologischen Link zwischen Darm- und Lebererkrankungen besser zu verstehen und daraus therapeutischen Nutzen zu ziehen, ist ein zentrales Ziel aktueller Forschungen. Im Fokus stehen Gallensäuren als wirksame Therapiestrategien bei entzündlichen und immunologischen gastrointestinalen und hepatologischen Erkrankungen. Einen großen Fortschritt sehen Experten für die primär sklerosierende Cholangitis (PSC) und zwar in der Therapie durch den Einsatz der modifizierten Gallensäure Nor-UDCA (nor-ursodeoxycholsäure, norUDCA). Das könnte ein Durchbruch in der Behandlung der PSC sein.



 

Ursodeoxycholsäure und Nor-UDCA (nor-ursodeoxycholsäure, norUDCA)

Auch für Patienten mit Fettleber oder mit einer primär biliären Cholangitis* (PBC), die nicht auf die Standardtherapie mit UDCA ansprechen, könnte norUDCA eine Option sein. Ein neuer Therapieansatz wird auch bei Colitis ulcerosa verfolgt. Retardiertes Phosphatidylcholin wirkt gezielt gegen die Störung der intestinalen Barriere, die inzwischen als zentrale pathophysiologische Ursache der Colitis ulcerosa gilt.

Ursodesoxycholsäure (UDCA)
Ursodesoxycholsäure (UDCA)

Die natürliche, tertiäre Gallensäure Ursodeoxycholsäure (UDCA) kommt als Wirkstoff zur Auflösung von kleinen Gallensteinen und zur Behandlung verschiedener von Lebererkrankungen zum Einsatz.

nor-UDCA ist eine Modifikation von UDCA mit anticholestatische, antifibrotische und antiinflammatorische Effekten.

Immunologische Leber- und Gallenwegserkrankungen sind auf dem Vormarsch. So hat sich die Inzidenz und Prävalenz der PBC in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Als Standardtherapie etabliert, ist Ursodesoxycholsäure (UDCA) in einer Dosis von 13-15 mg/kg KG/d.

Sie sollte möglichst im noch asymptomatischen Frühstadium bei erhöhten Cholestaseparametern eingeleitet werden. Etwa zwei Drittel der Patienten zeigen ein biochemisches Ansprechen.

Sie können unter UDCA mit einer annähernd normalen Lebenserwartung rechnen. Die bessere Prognose bei der primär biliären Cholangitis ist hier auf UDCA zurückzuführen. Anders die biochemischen Non-Responder.



Bei ihnen kann die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen bis hin zu Leberzirrhose und der Notwendigkeit einer Lebertransplantation. Gerade bei jungen Frauen, die auf UDCA nicht ansprechen, ist ein rascher Progress möglich. Für die PSC steht noch keine etablierte Basistherapie zur Verfügung. Auch UDCA konnte in klinischen Studien nicht überzeugen.

 

nor-UDCA: kleine chemische Modifikation mit großer Wirkung

Zu diesen Weiterentwicklungen gehört nor-UDCA – eine Modifikation von UDCA in Form einer verkürzten Seitenkette. Eine kleine chemische Änderung hat weitreichende Effekte.

norUDCA wird nicht mehr konjugiert und bewegt sich zwischen Gallengangsepithel und Leberzelle, wird in der Leber gehalten und kann direkt auf die entzündlichen Gallengänge wirken. Der Wirkstoff zeigt tierexperimentell ausgeprägte anticholestatische, antifibrotische und antiinflammatorische Effekte.

 

Nicht-alkoholische Fettleber als mögliche Indikation für norUDCA

norUDCA stellt als Modifikation der UDCA einen vielversprechenden neuen Therapieansatz dar und unterscheidet sich von UDCA durch ihre besonderen physikochemischen Eigenschaften, die zur Bikarbonat-reichen Cholerese führen, die für die protektiven Effekte verantwortlich ist. Experten vermuten deshalb weitere Indikationen für norUDCA.

Präklinische Daten, die eine Verbesserung der Leberverfettung, begleitet von einem antiatherosklerotischen Effekt, prädestinieren die modifizierte Gallensäure auch für die Therapie der nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD).

Auch könnte norUDCA in Zukunft als mögliche Option bei Patienten mit PBC, die auf die Standardtherapie nicht ansprechen. Derzeit kann bei PBC-Non-Respondern eine Kombination von UDCA mit Budesonid versucht werden, ausgenommen bei Patienten mit portaler Hypertension und Leberzirrhose.




*Da ein Großteil der Patienten mit PBC keine Zirrhose entwickelt, wurde die ursprüngliche Bezeichnung „primär biliäre Zirrhose“ in „primär biliäre Cholangitis“ geändert. Das Akronym „PBC“ wurde beibehalten.


Halilbasic E, Steinacher D, Trauner M. Nor-Ursodeoxycholic Acid as a Novel Therapeutic Approach for Cholestatic and Metabolic Liver Diseases.x Dig Dis. 2017;35(3):288-292. doi: 10.1159/000454904. Epub 2017 Mar 1.


Quelle: https://www.drfalkpharma.de/

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