Kisspeptin für sexuelle Anziehung

Das Peptidhormon Kisspeptin steuert durch zwei parallele Gehirn-Schaltkreise die sexuelle Anziehung zum anderen Geschlecht sowie die sexuelle Motivation.

Kisspeptin – ein Signalmolekül im Gehirn, Produkt des KiSS1-Gens – spielt in der Pubertät und im Menstruationszyklus der Frau eine wichtige Rolle, wie in den letzten Jahren herausgefunden wurde. Eine neue Studie der Universität Lüttich in Belgien und der Universität des Saarlandes zeigt nun, dass das Peptidhormon Kisspeptin auch die sexuelle Anziehung sowie die sexuelle Motivation durch zwei parallele Gehirn-Schaltkreise steuert.

 

Kisspeptin im Mausmodell untersucht

Bei weiblichen Mäusen konnten die Forscher beobachten, dass das Kisspeptin sowohl die Anziehung zum anderen Geschlecht als auch das sexuelle Verlangen steuert. Entdeckt wurde auch, dass bestimmte Duftstoffe, die von der männlichen Maus ausgesendet werden, speziell die Nervenzellen stimulieren, die das Kisspeptin produzieren. Hierdurch wird ein Schaltkreis im Gehirn aktiviert, der ein Neurohormon freisetzt und damit die Aufmerksamkeit des Weibchens für das Männchen erhöht. In einem parallelen Schaltkreis wird das Kisspeptin-Signal auch an Zellen übertragen, die den Neurotransmitter Stickstoffmonoxid produzieren, um die sexuelle Bereitschaft zu stimulieren.

 

Eisprung und sexuelle Anziehung

„Diese Forschungsarbeit hat uns neue Erkenntnisse darüber geliefert, wie das Gehirn Signale aus der Außenwelt entschlüsselt und diese Umwelteinflüsse dann in Verhalten umsetzt. Bei vielen Tieren ist das Sexualverhalten eng mit dem Eisprung verbunden, um die höchstmögliche Chance auf Befruchtung und somit das Fortbestehen der Art zu gewährleisten. Bis jetzt war wenig darüber bekannt, wie das Gehirn Eisprung, Anziehung und Sex miteinander verbindet. Jetzt wissen wir, dass ein einzelnes Molekül – Kisspeptin – all diese Aspekte durch verschiedene, parallel zueinander laufende Gehirn-Schaltkreise steuert“, sagt Ulrich Boehm, Professor für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität des Saarlandes.

Von einem einzigen Molekül, dem Kisspeptin, werden also Pubertät, Fruchtbarkeit, sexuelle Anziehung zum anderen Geschlecht und sexuelle Motivation kontrolliert. Diese Erkenntnis eröffnet neue, vielversprechende Möglichkeiten für die Behandlung von Patienten mit psychosexuellen Störungen wie zum Beispiel der verminderten sexuellen Appetenz. „Es gibt derzeit keine guten Behandlungen für Frauen mit geringem sexuellem Verlangen. Die Entdeckung, dass Kisspeptin sowohl die Anziehung als auch das sexuelle Verlangen kontrolliert, hilft uns dabei, neue Therapien für solche Störungen zu entwickeln“, erklärte Professorin Julie Bakker, die das Labor für Neuroendokrinologie an der Universität Lüttich leitet.

Literatur:

“Female sexual behavior in mice is controlled by kisspeptin neurons” wurde heute in Nature Communications veröffentlicht: www.nature.com/articles/s41467-017-02797-2

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