Montag, Februar 26, 2024

Innovative Wirbelsäulenchirurgie bei Rückenschmerzen

Welchen Nutzen bei Rückenschmerzen moderne, innovative Methoden der Wirbelsäulenchirurgie für die Patienten haben.

Rückenschmerzen gehören zu den am häufigsten auftretenden Schmerzen. Insgesamt nimmt die Anzahl der Wirbelsäulenchirurgien zur Behandlung von Rückenschmerzen zu, wobei vor allem Eingriffe zur Stabilisierung häufiger werden. Im Gegensatz dazu ist die Anzahl der Bandscheibenoperationen rückläufig.

In den letzten Jahren hat sich die Wirbelsäulenchirurgie zur Behandlung von Rückenschmerzen jedoch immer schonender und effektiver entwickelt. Dies ist vor allem auf den technischen Fortschritt im Operationssaal zurückzuführen und darauf, dass Operateure sich kontinuierlich weiterbilden und die erforderlichen Fähigkeiten erwerben.

Meiner Meinung nach liegt die Zukunft der Behandlung von Wirbelsäulenproblemen jedoch in regenerativen Therapiestrategien. Das Ziel besteht darin, den natürlichen Verschleiß der Bandscheiben und der gesamten Wirbelsäule zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen. Zukünftige Erkenntnisse aus der Molekularbiologie, beispielsweise über Stammzellen und Wachstumsfaktoren, werden es uns ermöglichen, den Alterungsprozess zu beeinflussen.

Die British Orthopaedic Association hat festgestellt, dass die Unfall- und orthopädische Chirurgie eine äußerst kostengünstige Behandlungsmethode ist. Durch die Wiederherstellung der Mobilität hilft sie den betroffenen Menschen einerseits dabei, länger aktiv zu bleiben. Anderseits bringt das auch erhebliche wirtschaftliche Einsparungen. Denn diese Behandlungen ermöglichen es den Menschen, wieder an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren und ein unabhängigeres Leben zu führen.

 

Trends in der Wirbelsäulenchirurgie bei Rückenschmerzen

In der Wirbelsäulenchirurgie bei Rückenschmerzen gibt es mehrere aktuelle Trends, die beachtet werden. Ein wichtiger Fokus liegt heute auf dem Erhalt der anatomischen Strukturen, wie beispielsweise der Bandscheiben oder der umgebenden Muskulatur. Immer mehr setzen sich spezielle minimal-invasive Operationsverfahren durch, bei denen über kleine Schnitte Eingriffe im Wirbelkanal zur Entlastung oder Versteifung möglich sind.

Unter dem Begriff Minimal Access Spine Technology (MAST) wird die Zielregion schonend über Trokarsysteme erreicht. Diese Eingriffe sind mit deutlich weniger Komplikationen verbunden als früher und haben ihren Schrecken verloren.

Dank der Verbesserung der Narkosetechniken können solche Eingriffe nun auch bei älteren Menschen bis ins hohe Alter durchgeführt werden. Daher greift man bei immer mehr Patienten über 80 Jahren auf wirbelsäulenchirurgische Methoden zur Behandlung von Rückenschmerzen zurück.

 

Kyphoplastie

Ein Beispiel für innovative und schonendere Operationsmethoden ist die Kyphoplastie. Hierbei wird Zement in den eingebrochenen Wirbelkörper injiziert, um ihn bei Osteoporose-bedingten Knochenbrüchen zu stabilisieren.

 

Versteifungsoperationen

Wenn Verschleißerscheinungen zu Instabilitäten wie Wirbelgleiten oder Fehlstellungen der Wirbelsäule führen, können Versteifungsoperationen erforderlich sein. Früher wurde kaum auf die Positionierung der Schrauben geachtet, doch mittlerweile wissen wir, wie wichtig das vertikale Profil der Wirbelsäule ist und können es durch operative Verfahren korrigieren (Osteotomien).

Mit bewegungserhaltenden, dynamischen Systemen wird versucht, Versteifungsoperationen zu vermeiden und die normale Beweglichkeit der verschlissenen Wirbelsäule wiederherzustellen. Bandscheibenprothesen, insbesondere im Bereich der Halswirbelsäule, haben vielversprechende Ergebnisse bei geeigneten Patienten gezeigt. Andere innovative Verfahren werden derzeit getestet.

 

Weitere moderne Methoden der Wirbelsäulenchirurgie bei Rückenschmerzen

Moderne Technologien wie Operationsmikroskope oder kameragestützte Visualisierung ermöglichen eine kontinuierliche Verkleinerung des operativen Zugangs bei immer besserer Darstellung des Operationsgebiets. Die spinale Navigation erlaubt eine computerunterstützte präzise Platzierung von Implantaten. Intraoperative Bildgebung ermöglicht die Überprüfung des Operationsergebnisses während des Eingriffs am geöffneten Patienten. Schrauben und andere Implantate werden ständig weiterentwickelt und können minimal-invasiv eingesetzt werden.

Ein wichtiges neues Thema ist die Verbesserung der Operationsergebnisse durch eine genauere Wiederherstellung des sagittalen Profils. Das beschreibt die optimale Ausrichtung der Wirbelsäule nach der Operation. Es ist seit langem bekannt, dass jeder Mensch eine natürliche Krümmung der Wirbelsäule (Lordose) benötigt, um aufrecht stehen zu können. Eine neuere Erkenntnis ist jedoch, dass das Ausmaß der Lordose auch von der Form des Beckens abhängt. Heutzutage kann man dies durch eine Aufnahme der gesamten Wirbelsäule einschließlich des Beckens und der Oberschenkel sehr genau bestimmen.

 

Konservative Behandlung bei einem Bandscheibenvorfall bei unter 50-jährigen Personen

Im Gegensatz zu älteren Patienten bleibt die Anzahl der Wirbelsäulenoperationen bei Menschen mittleren Alters weitgehend stabil. Der häufigste Grund für Operationen bei Personen unter 50 Jahren ist ein Bandscheibenvorfall.

Allerdings verbessert sich der Zustand bei kompetenter Behandlung in etwa 70 Prozent der Fälle innerhalb von vier Wochen deutlich, auch ohne Operation. Nach acht Wochen beträgt diese Zahl bereits 87 Prozent.

Daher sollte die konservative Therapie bei einem Bandscheibenvorfall in der Regel etwa sechs bis acht Wochen dauern. Die Möglichkeiten der konservativen Therapie sind heutzutage wesentlich besser als vor zehn Jahren.

Insgesamt benötigen nur etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen eine Operation. Allerdings ist es wichtig, bei Anzeichen von Lähmungserscheinungen schnell zu handeln und eine Operation in Betracht zu ziehen.

Immer mehr betroffene Patienten suchen eine spezialisierte Ambulanz auf, in der verschiedene orthopädische Fachrichtungen vertreten sind. Der Patient wird von mehreren Ärzten untersucht und anschließend besprechen die Ärzte gemeinsam mit dem Patienten die verschiedenen Therapiemöglichkeiten.


Literatur

Otomo N, Funao H, Yamanouchi K, Isogai N, Ishii K. Computed Tomography-Based Navigation System in Current Spine Surgery: A Narrative Review. Medicina (Kaunas). 2022 Feb 5;58(2):241. doi: 10.3390/medicina58020241. PMID: 35208565; PMCID: PMC8880580.

Barrey CY, Le Huec JC; French Society for Spine Surgery. Chronic low back pain. Relevance of a new classification based on the injury pattern. Orthop Traumatol Surg Res. 2019 Apr;105(2):339-346. doi: 10.1016/j.otsr.2018.11.021. Epub 2019 Feb 18. PMID: 30792166.

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