Donnerstag, Juni 13, 2024

Bereits geringe Beeinträchtigung der Lungenfunktion gefährdet das Herz

Nicht nur eine COPD sondern auch bereits eine geringe Beeinträchtigung der Lungenfunktion kann für das Herz ein gefährliches Risiko darstellen.

Nicht nur – wie hinlänglich bekannt – eine manifeste Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD), sondern bereits eine geringfügige Beeinträchtigung der Lungenfunktion kann mit einer gestörten Pumpfunktion des Herzen einhergehen. Der prognostische Wert einer COPD als Komorbidität bei Herzinsuffizienz ist beispielsweise gut dokumentiert. Unter dem Strich stehen Anomalien der Lungenfunktion im Zusammenhang mit der Herzhämodynamik vor allem auch bei Patienten mit (diastolischer) Herzinsuffizienz und konservierter Ejektionsfraktion (HFpEF). Diese wirken sich sehr negativ auf die Mortalität aus, insbesondere aber bei Herz-Patienten ohne COPD.



 

Zusammenhang zwischen Lungenfunktion und kardialen Biomarkern entdeckt

Patienten mit einer Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) weisen häufig eine diastolische Funktionsstörung auf – eine Herzinsuffizienz, die durch eine verminderte Dehnbarkeit der linken Herzkammer bei normaler systolischer Pumpfunktion entsteht. Bei schwerer COPD kommt es aufgrund des erhöhten Widerstands der Lungenarterien zur Rechtsherzinsuffizienz.

Die Datenauswertung aus der Gutenberg-Gesundheitsstudie, die Spirometrie- und EKG-Ergebnisse von mehr als 15.000 Personen umfasst, zeigte aber, dass es bereits lange vor dem Vorliegen einer manifesten COPD Hinweise auf Störungen der Herzfunktion gibt. Neben einer Beeinträchtigung der linksventrikulären Funktion entdeckten die Forscher einen Zusammenhang zwischen der Lungenfunktion „mit den kardialen Biomarkern hsTnl und NT-proBNP.

 

Lungenüberblähung zieht Herz in Mitleidenschaft

Dass eine stark eingeschränkte Lungenfunktion auch das Herz in Mitleidenschaft zieht, ist hinreichend bekannt. Es kommt zur Herzvergrösserung und Herzmuskelschwäche, der Herzinsuffizienz. Durch das beeinträchtigten Zustand des Herzens  wird wiederum die Atemnot verstärkt. Die rechte Herzkammer ist oft besonders betroffen, da das Herz mehr leisten muss, um das Blut durch die Lungen zu pumpen.

In verschiedenen Untersuchungen ist ein Zusammenhang zwischen der Lungenüberblähung bei COPD und der verminderten Füllung des Herzens nachgewiesen worden. Durch die verminderte kardiale Füllung kommt es zu einem verminderten Schlagvolumen, Dadurch könnte die Belastungsintoleranz bei COPD verstärkt werden.

Die eingangs beschriebenen Ergebnisse legen wiederum nahe, dass bereits frühe Stadien einer Lungenüberblähung mit einer diastolischen Funktionsstörung und einer Reduktion der linksventrikulären Füllung und des Schlagvolumens einhergehen.




Literatur:

Huang WM, Feng JY, Cheng HM, et al. The role of pulmonary function in patients with heart failure and preserved ejection fraction. Looking beyond chronic obstructive pulmonary disease. PLoS One. 2020;15(7):e0235152. Published 2020 Jul 7. doi:10.1371/journal.pone.0235152. PMCID: PMC7340281

Baum C, Ojeda FM, Wild PS, et al. Subclinical impairment of lung function is related to mild cardiac dysfunction and manifest heart failure in the general population. Int J Cardiol. 2016;218:298-304. doi:10.1016/j.ijcard.2016.05.034

DGK Abstract P 415, Baum et al. FEV1 and FVC predict mortality in individuals without manifest lung disease independent of cardiac performance. Results from the population-based Gutenberg Health Study. Suppl 1, March 2016; 82. Jahrestagung der Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK).

Der Pneumologe. Februar 2017, Volume 14, Issue 1, pp 20–23. Die extrapulmonalen Auswirkungen der Lungenüberblähung bei COPD.


Quellen: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)

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